Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fangs ausschließlich für Judenkrankheiten gehaltenen sog. Torsionsspasmen, die amaurotische Idiotie und das intermittierende Hinken sind fast immer nur bei Ostjuden beobachtet worden, und die Paralyse-Statistik zeigt unter verschiedenen äußeren Bedingungen eine sehr wechselnde prozentuale Beteiligung der Juden. Wie wichtig diese Momente sind, geht in fast überraschender Weise aus einer Vergleichung der mir freundlichst zur Verfügung gestellten Mitteilungen von Popper (Prag) einerseits und von Klozenberg (Lodz) und Bychowsky (Warschau) andererseits hervor. Während Popper über ein anscheinend überwiegend einheimisches Material von schätzungsweise 12 000 Kranken verfügt, basieren die Mitteilungen der beiden anderen Herren auf einem fast rein ostjüdischen Material. In Bychowsky Klientel überwiegen die Juden überhaupt bei weitem. Da zeigen sich denn ganz differente Erfahrungen in wichtigen Punkten, z. B. bezüglich der Hysterie und der Psychoneurosen überhaupt, die geeignet sind, uns bei der Uebernahme landläufiger Vorstellungen die Pflicht großer Vorsicht aufzuerlegen. Ich komme bald im einzelnen darauf zu sprechen. Auch auf G o 1 d s c h e id e r s psychologische Bemerkungen komme ich noch zurück. Organische Erkrankungen des zentralen und peripherischen Nervensystems. Ich spreche zuerst von den als syphilitische Nachkrankheiten (Metalues) anzusehenden Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks, wobei die Paralyse der Besprechung von anderer Seite (in Verbindung mit den Geisteskrankheiten) vorbehalten bleiben soll. In Betracht kommen also die Tabes (Rückenmarkschwindsucht) und die Syphilis des Gehirns und Rückenmarks oder cerebros p i n a 1 e L u e s. M. J. G u t m a n n, der wohl mit Recht darauf hinweist, daß die Syphilis bei den Ostjuden darum in letzter Zeit verhältnismäßig arge Verwüstungen anrichtet, weil sie bei ihnen bisher nur wenig verbreitet war und darum einen frischen, wenig durchseuchten Nährboden vorgefunden hat, gibt lediglich an, daß die Tabes nicht sehr häufig, die Hirnsyphilis verschiedentlich und zwar völlig von der Norm abweichend angetroffen wird. Wallenberg und Golds c h e i d e r fanden, wie oben zitiert, Tabes und Syphilis selten. Nach Marburg sind Tabes und Hirnlues nicht häufiger bei Juden als bei Nichtjuden (ebenso übrigens Paralyse); bei jüdischen Frauen ist nach ihm Tabes (und Paralyse) sehr viel seltener als bei christlichen und überhaupt äußerst selten. Bei Männern kann man — sc. in letzter Zeit — eine Zunahme der Tabes (und Paralyse) konstatieren; erstere ist auffallend gutartig. — Klozenberg hält metaluetische Erkrankungen bei den Juden für selten, ebenso Bychowsky (der nur Paralyse, und zwar bei jüngeren Leuten, häufiger findet), während Popper glaubt, daß Tabes und „bösartige" syphilitische Hirn- Rückenmarkskrankheiten bei ihnen etwas häufiger vorkommen, als bei der christlichen Bevölkerung. In der Statistik v. Sarbö's entspricht der Prozentsatz ziemlich genau dem der Gesamtbevölkerung: bei einer Bevölkerungsquote von 23 % Juden (in Budapest) Tabes 23 %, ebenso Hirnlues, Rückenmarkslues 25 .%, Lues des Nervensystems überhaupt 24%. Auch v. Sarbö macht darauf aufmerksam, daß jüdische Frauen viel seltener erkranken als Männer: bei Tabes 10 Frauen auf 41 Männer (bei Paralyse sechs Frauen auf 42 Männer). — Meine eigenen Erfahrungen gehen — wobei ich nur grobe Schätzungen zu Grunde legen kann — dahin, daß sowohl Tabes als auch Paralyse in meiner jüdischen Klientel verhältnismäßig