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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 114

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 114 (sequence 13)
Language
German
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— 114 - will in 13 jähriger Tätigkeit an preußischen Irrenanstalten nicht einen jüdischen Epileptiker gesehen haben, C h a r c o t in der Salpetiere in 34 Jahren nur 39, Sichel in Frankfurt unter 267 Epileptikern 10 Juden, B r a t z unter 1262 in Berlin nur 28, P i 1 c z unter 82 Epileptikern in Wien nur 4 Juden. Im gleichen Sinne äußert sich auch nach F i s h b e r g, W o r m s, für die Epileptiker des Pariser Rothschild-Hospitals, M i n o r für Moskau, der Oberarzt der Craing Colonie für Epileptiker in New-York. Dem Bericht der israelitischen Heil- und Pflegeanstalt Sayn a. Rh. ist zu entnehmen, daß von 1893 bis 1910 im ganzen 46 Epileptiker behandelt wurden (30 Männer und 16 Frauen), d. s. 5,2 % aller dort behandelten jüdischen Kranken; das ist eine verhältnismäßig große Zahl, wenn man bedenkt, daß in der gleichen Zeit nur 6,2 % Paralytiker und 6,1 % Hysteriker in Behandlung standen. Unter den 98 jüdischen Frauen der Anstalt Obersendling bei München befand sich während 1893 bis 1922 nur eine jüdische Frau mit Epilepsie. B r a t z führt für seine Fälle an, daß sie durchweg neuropathisch belastet waren, während bei den nichtjüdischen Kranken in fast einem Viertel der Fälle Belastung durch Alkoholismus der Eltern vorlag. Sichel berichtet lediglich zum klinischen Bild, daß die Kranken „mehrfach Bilder von eigenartigem Gepräge" zeigten, ohne diese Besonderheiten näher zu schildern. Neuere Untersuchungen liegen nicht vor. So bleibt als Besonderheit der Epilepsie bei den Juden lediglich ihr selteneres Vorkommen übrig. Nach der Erörterung der einzelnen Krankheitsformen ist es wohl gerechtfertigt, die rein zahlenmäßige Verschiedenheit bei nichtjüdischen und jüdischen Geisteskranken noch einmal zur Darstellung zu bringen. Die prozentuale Beteiligung der Nichtjuden und Juden an den Geisteskrankheiten (wobei unter Nichtjuden im wesentlichen nichtjüdische Angehörige Deutschlands und des früheren Oesterreich-Ungarns verstanden! sind): | Krankheiten Nichtjuden (%) Juden (%) 1 Alkoholismus 18,6 1,0 | Progr. Paralyse 15,7 16,0! Idiotie 10,4 6,9 i Senium 6,5 8,9 i I Man. depr. Irresein 5,1 21,5 Dem. praecox 19,5 28,9 Epilepsie 11,4 4,3 Hysterie 11,1 10,5 Sonstiges 1,7_2,0 j 100,0 % 100,0 % j Der Häufigkeit nach geordnet gibt die Tabelle die Verhältnisse anschaulich wieder. Bei Nichtjuden (%) Man. depr. Irresein 5,1 Senium Idiotie Hysterie Epilepsie Progr. Paralyse Alkoholismus Dement, praecox Sonstige 6,5 10,4 11,1 11,4 15,7 18,6 19,5 1,7 100,0 Bei Juden (%) Alkoholismus Epilepsie Idiotie Senium Hysterie Progr. Paralyse Man. depr. Irresein Dement, praecox Sonstige 1,0 4,3 6,9 8,9 10,5 16,0 21,5 28,9 2,0 100,0 Mit diesen Zahlen stimmen die Ergebnisse von R. Neustadt (Dissert. Leipzig 1923 Prof. Bumke) „Die Geistesstörungen bei den Juden" weitgehend überein, nicht so sehr in den prozentualen Zahlen als in der Reihenfolge der Häufigkeit der einzelnen Krankheitsformen. Man frägt angesichts der Summe dieser Besonderheiten bei den Juden nach Erklärungen. Als Ursache der Geisteskrankheiten wird in erster Linie immer wieder die Belastung angeführt. Es ist nicht zu verkennen, daß mit dem Worte „Belastung" ein arger Mißbrauch getrieben wird (Gruhle).

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