Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 113 - sondere Pilcz hinweist (59 % seiner Fälle). | Der Verlauf der Erkrankung bei den jüdi- ' sehen Kranken ist meist monoton und der i Ausgang fast immer schlecht. S i c h e 1 sah nie eine Heilung ohne Defekt. Auch Pilcz : erwähnt, daß bezüglich der Remissionen die jüdischen Männer am schlechtesten beteiligt seien und die höchsten Zahlen für den Endausgang in völlige Demenz lieferten. Spätkatatonien kamen merkwürdig selten zur Beobachtung, dagegen bei Frauen mittleren Alters oft langdauernde Stuporzustände. Gleich Pilcz beobachtete auch Sichel oft einen zirkulären Verlauf, doch soll die Abgrenzung gegen das manisch-depressive Irresein keine Schwierigkeiten bereitet haben. Sichel hebt gegenüber früheren Behauptungen anderer Autoren (Beadles) besonders hervor, daß in keinem Falle die Erkrankung mit Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett in Zusammenhang stand. Auffallende Unterschiede dem konkreten Inhalt der Wahnideen nach gegenüber dem Vergleichsmaterial konnte Pilcz bei seinen jüdischen Kranken nicht angeben; er fand bei der Paranoia die vorwiegend kombinatorischen Formen mehr bei den- Deutschen, die phantastischen bei Ungarn und Slaven, die Paranoia querulans in gleicher Frequenz bei diesen drei Gruppen, aber überhaupt nicht bei den Juden. Nach Sichel kommt die somatopsychische Fälschung des Bewußtseinsinhaltes bei den Juden oft zur Beobachtung. Trotz der großen Häufigkeit dieser Erkrankung bei den Juden finden sich in der Literatur nur wenig Angaben über die Dementia praecox, im wesentlichen wohl nur deshalb, weil das Krankheitsbild erst verhältnismäßig spät aufgestellt wurde. — Die Dementia praecox hat vom Gesichtspunkt der Rasse durch die neueren Arbeiten, die die Beziehungen zwischen Körperbau und Charakter (Kretschmer) klarlegen, einen besonderen Reiz bekommen. Wenn es sich herausstellt, daß zu dem asthenischen Körperbau von psychiatrischen Standpunkt aus der schizoide Typ gehört, so müßte unter den Juden eine besonders große Zahl von Kranken der Dementia-praecoxgruppe gefunden werden, da die Juden einen auffallend hohen Prozentsatz von Asthenikern stellen. Demgegenüber erinnern wir an das bei dem manisch-depressiven Irresein Gesagte, wonach die letztere Erkrankung die weitaus häufigste bei den Juden sein soll. Der Widerspruch kann heute noch nicht gelöst werden, aber vielleicht geben diese Untersuchungen ein erfolgreiches Gebiet der Forschung ab. Die Epilepsie. Die Epilepsie, heute mehr als eine Stoffwechselkrankheit denn als Geisteskrankheit aufgefaßt, ist gekennzeichnet durch Anfälle von Bewußtlosigkeit mit Krämpfen, die außerdem mit bestimmten Charakterveränderungen einhergehen und zu völliger Verblödung führen können. Sie ist meist recessiv vererblich, kommt bei Männern ungefähr doppelt so oft vor als bei Frauen, besonders bei Blutverwandtschaft der Eltern, die ja ein bekanntes Symptom bei den recessiv vererblichen Krankheiten ist. Die Epilepsie setzt eine individuelle Disposition voraus, teils sind es äußere Momente, teils innere Ursachen (Blutdrüsenanomalien), die auf eine epileptische Konstitution wirken, die eben in einem vom Normalen abweichenden Funktionsmechanismus des Großhirns oder der Drüsen beruht. Alkoholismus der Eltern spielt ohne Zweifel eine erhebliche Rolle. Dies läßt ein geringes Auftreten bei Juden wahrscheinlich erscheinen, während alle andern Momente gerade umgekehrt sich auswirken müßten. Die Epilepsie ist jedenfalls bei den Juden eine recht seltene Erkrankung. Hoppe