Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 115 - Die Erblichkeit übertrifft ja nach L e n z alle anderen Ursachen an Bedeutung. Der Erbgang als solcher ist aber bei fast keiner einj zigen geistigen Erkrankung sichergestellt I worden. Es genügt nicht, einzelne nähere! oder entferntere Verwandten des Kranken | ausfindig gemacht zu haben, um nun schlechthin von Belastung zu sprechen. Es sei hier daran erinnert, daß die schwerste Belastung unter Umständen nicht das Geringste besagt, insbesondere bei allen klar dominanten Krankheiten. Es darf als sicher betrachtet werden, daß die Kinder eines solchen zwar selbst gesunden, aber aufs stärkste belasteten Individuums von dem Familienleiden frei sein werden (Siemens). Ganz anders dagegen bei rezessiven Erkrankungen, wo die sämtlichen Kinder des Erkrankten zwar gesund sein werden, aber doch sämtliche die krankhafte Belastung als Erbträger weiter tragen. Für die prognostische Voraussage ist also die Kenntnis des Erbganges von größter Wichtigkeit. Untersuchungen nach den neueren Methoden von Weinberg oder Rüdin sind m. W. nirgends angestellt, die allein es ermöglichen, Zufälligkeiten, rechnerische Fehler oder Einseitigkeit des Materials auszugleichen. Sehr viel wesentlicher als „die viel gefürchtete, gehäufte Belastung als solche ist das Zusammentreffen von gleichen (oder beim dihybriden rezessiven Typus: von zwei aufeinander abgestimmten) pathologischen Erbanlagen" (Bumke). Beim letzteren Typus z. B., dem wahrscheinlich auch die Dementia praecox folgt, müßte selbst da, wo wirklich zwei sich ergänzende krankmachende Gene in einer Familie zusammentreffen, doch nur jedes 16. Kind krank werden (Bumke). Unheimlich bleibt dagegen nach dem gleichen Autor die Möglichkeit der Uebertragung durch Gesunde, gerade bei rezessiven Merkmalen. Eben die Gesunden sind es, die bei den Erhebungen meistens so wenig berücksichtigt werden. Die Ergebnisse D i e m s, die die hohe Belastung scheinbar Gesunder nachweisen, sind: 78,2 % erbliche Belastung bei den Insassen einer Irrenanstalt und 66,9 % bei einer gleich großen Gruppe von gesunden Menschen; werden n u r die Eltern berücksichtigt, so ändert sich das Bild: die Kranken waren belastet zu 50,3 %, die Gesunden zu 33,0 %. Nach diesen Voraussetzungen werden die Angaben Sicheis über 194 Kranke ins rechte Licht gesetzt, von denen 101 (44 Männer und 57 Frauen) belastet waren und zwar „verdankten dem väterlichen Einfluß 23, dem mütterlichen 29 und beiden Eltern 21 Kranke die Entstehung ihres Leidens". Von den einzelnen Krankheitsgruppen waren belastet die Kranken mit: manisch depressivem Irresein 87%, Imbezillität 65 %, Dementia praecox 59%, Hysterie 41 %, Progressiver Paralyse 33%, Epilepsie 31 %, Psychosen des Geniums 29 %, Anderen Krankheitsformen 25%. Die gleichartige Vererbung der Anlage zu bestimmten Krankheiten ließ sich bei den meisten Psychosen wahrscheinlich machen: Selbstmord (Voltaire, Ripot, Legrand), bei dem manisch-depressiven Irresein (Tigges, Sioli u. a.) und der Dementia praecox (Lundborg), insbesondere bei einzelnen Familien. Dennoch reicht die Inzucht als Erklärung dieser Häufigkeit nicht aus. Was die vielen atypischen Fälle bei Juden betrifft, so könnte nach E. Kahn in dem Zusammentreffen verschiedener Erbanlagen bei dem gleichen Individuum eine Erklärung gefunden werden. Als außerordentlich bedeutungsvoll, wenigstens für den Osten, ist zweifellos die Befolgung des Gebotes anzusehen, nicht nur