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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 111

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 111 (sequence 10)
Language
German
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111 - Richtungen ausschlagen: tiefste traurige Verstimmung (Melancholie), heitere unbändige Erregung bis zur Verwirrung (Manie) und der Wechsel zwischen beiden in kürzeren oder längeren Zeitabständen (zirkuläres, periodisches, manisch - depressives Irresein), ohne Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten der Kranken. Man findet die Krankheit noch an der Grenze zum Pathologischen in vielen Familien, insbesondere bei Frauen, etwa doppelt so oft als bei Männern, nach Sichel sogar 6 mal so häufig. Reiß fand die gleichartige Störung einundeinhalb mal so oft bei der Mutter, als beim Vater des Kranken. Die Besonderheit, die von Kraepelin und auch andern für die zirkulären Erkrankungen bei den Juden hervorgehoben wird, liegt in den Mischzuständen die reichlich mit katatonen Zügen durchsetzt sind und lange dauern. Lange hat das manisch-depressive Irresein bei den Juden nach modernen Gesichtspunkten bearbeitet. Der Anteil der Juden an den Aufnahmen der Münchener psychiatrischen Klinik ist größer, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht (3 % gegenüber 2 %), wobei die. Aufnahmen in den Privatanstalten nicht berücksichtigt sind. Die jüdischen Kranken in der Privatanstalt für weibliche Geisteskranke, Obersendling, machten ebenfalls 3 % aus. Nach Sichel betrug der Prozentsatz der Aufnahmen an Manisch-depressiven 1906—07 3 % bei Nichtjuden, gegenüber 12 % bei Juden, und 1916—17 war er bei Nichtjuden auf 6 %, bei Juden auf 17,5 % gestiegen. Wir sehen aber hier im Gegensatz zu allen anderen Psychosen eine beträchtliche Zunahme (mit Ausnahme noch der Hy, die während des Krieges bei Juden von 11 auf 18%, bei Nichtjuden sogar von 6 auf 26 %, also über das Vierfache angestiegen ist). Man muß wohl annehmen, daß zur Auslösung dieser Psychose äußere Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Als besonders interessant muß angeführt werden, daß „der bei den depressiven Verstimmungen früher so häufig beobachtete hysterische Einschlag bei den während des Krieges zur Aufnahme gelangten erblichen Kranken gänzlich vermißt wurde". Von den aufgenommenen 98 jüdischen Kranken waren 45, d. s. 46 % an Manisch-depressivem Irresein erkrankt. Aus Sayn a. Rh. wird berichtet, daß die Zahl „der einfachen seelischen Störungen" 54,2 % beträgt; dieses Ueberwiegen habe seinen Grund in den zahlreichen Erkrankungen der Stimmungslage, die allein über die Hälfte dieser einfachen Seelenstörungen ausmachen." Ganz besonders ist hierbei das weibliche Geschlecht beteiligt. Fast 40 % sämtlicher aufgenommener Frauen litten an , Stimmungsanomalien, bei weitem die Mehrzahl an einfacher Melancholie oder zirkulären Depressionszuständen, während die heiteren Verstimmungs- und echten manisch-depressiven Zustände verhältnismäßig seltener vorhanden waren. Der Erkrankungsbeginn lag bei den jüdischen Kranken Langes häufiger vor dem 20. Lebensjahr als bei der Vergleichsbevölkerung. Der frühzeitige Ausbruch einer Psychose ist ein Kennzeichen ihrer Schwere, besonders bei stark belasteten Individuen. In der gleichen Richtung sind die Mischzustände zu werten, die Lange so häufig beobachtete und die bei den jüdischen Kranken eine Zahl erreichten, die so hoch ist als bei der umgebenden Bevölkerung die reine Manie und Melancholie zusammengenommen.. Dauer und Häufigkeit der Anfälle ergaben für die jüdischen Kranken ebenfalls Besonderheiten. In der Hälfte der Fälle findet man oft über viele Jahre sich erstreckende schlaffe Anfälle, oft schon vor dem 40. Lebensjahre, bei einer weiteren kleineren Gruppe Jahrzehnte lang kurz dauernde Me-

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