Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4-6
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 107 - die jüdischen Paralytiker 12—25 % aller in Anstalten eingelieferten jüdischen Geisteskranken aus. In Frankfurt a. M. betrug ihre Zahl unter den Anstaltsinsassen 1906—07 nach Sichel 12,5 % gegenüber 8,3 % der übrigen Bevölkerung. Der gleiche Autor will aber während der Jahre 1916—17 eine Annäherung der Prozentzahlen bei jüdischen und nichtjüdischen Paralytikern festgestellt haben. J. Heller, Berlin, hat an einem, nicht in Anstalten befindlichen Berliner Paralyse-Material, das dem mittleren, gutsituierten jüdischen Bürgertum angehört, im Verlaufe einer 35 jährigen Beobachtungszeit Erfahrungen gesammelt und kommt zum Ergebnis, daß 8,8 % der statistisch erfaßten 510 Personen an einer syphilitischen Erkrankung des Zentral-Nervensystems, 6,5 % an sicherer Paralyse zugrunde gegangen sind. In dem eng umschriebenen Personenkreis starb von den über 51 Jahre alten Männern jeder Fünfzehnte an Paralyse, jeder Elfte an einer syphilitischen Affektion des Zentral-Nervensystems, während Tuberkulose als Todesursache erst bei jedem Fünfzigsten festgestellt werden konnte. Leider fehlen zu diesen interessanten Angaben entsprechende Vergleichszahlen aus einer sozial ähnlich zusammengesetzten nichtjüdischen Bevölkerung. Die jüdische Frau wird von der Paralyse sehr selten befallen. Unter 127 jüdischen Paralytikern in Frankfurt a.M. fand Sichel nur 9 Frauen; das ergibt die Verhältniszahl Frauen zu Männern ist gleich 1 zu 14,1. Wir werden darauf später noch zurückkommen. Auf Grund einer bereits oben genannten Rundfrage in ganz Bayern vom Jahre 1921 konnte festgestellt werden, daß die Zahl der in den Anstalten befindlichen Paralytiker 7133 8,2 % der Gesamtaufnahmen betrug und zwar 5052 Männer und 2081 Frauen. Die Zahl der jüdischen Paralytiker betrug 134 und zwar 128 Männer und 5 Frauen. Diese angegebene Zahl von 134 jüdischen Paralytikern entspricht 0,15 % der Gesamtaufnahmen überhaupt und 9,8 % der aufgenommenen Juden, gegenüber 8,2 % bei der allgemeinen Bevölkerung. Ganz eigenartig ist die ganz ungewöhnlich niedrigere Zahl an paralytischen jüdischen Frauen; sie beträgt 5 innerhalb dieser 13 Jahre. Das Geschlechterverhältnis der an Paralyse Erkrankten bei der Gesamtbevölkerung beträgt 2,4 :1, bei den Juden nur 25,6 : 1. Eine gleichzeitige Anfrage bei der Heilanstalt Sayn a.Rh., in der fast nur jüdische Kranke untergebracht sind, ergab dort einen Prozentsatz von nur 4,2 % jüdischer Paralytiker im Verhältnis zur Gesamtzahl der aufgenommenen Kranken. Auf 30 männliche jüdische Paralytiker kamen nur 2 Frauen, d. i. ein Verhältnis von 15 : 1. Das bayerische Gesamtergebnis findet also auch hier eine Bekräftigung. Wir haben nun die jüdischen Paralytiker aus der Münchener psychiatrischen Klinik (Kraepelin), der Heil- und Pflegeanstalt Neu- I Friedenheim (O. R e h m) und der Anstalt für weibliche Kranke Obersendling (Ranke) einer näheren Betrachtung unterzogen und kamen dabei zu folgenden Ergebnissen (vergleiche Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie, Heft 1, München 1924). Im klinischen Bild überwiegen auch bei den Juden die dementen Formen (38,5 % gegenüber 74 % des Vergleichsmaterials), betragen also noch nicht die Hälfte der jüdischen Paralytiker, während sie bei den nichtjüdischen drei Viertel aller Fälle ausmachen. Dagegen sind bei den Juden alle anderen klinischen Formen der progressiven Paralyse prozentual häufiger. Zwar ist selbst die Reihenfolge der Häufigkeit bei beiden Gruppen gleich: demente, expansive, depressive, atypische