Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 105

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 105 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2650397-2650406-2650410--5413-2650743
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 105 - im wesentlichen mit den Psychosen zu tun und wollen unsere Betrachtungen auf folgende Krankheiten beschränken. Alkoholismus. Es ist eine von allen Forschern anerkannte Tatsache, daß Alkoholismus bei den Juden aller Länder selten ist. Es besteht ein gewisser „angeborener Widerwillen gegen Unmäßigkeit als Folge einer durch unendlich zahlreiche Generationen hindurch geübte Gewohnheit, wahrscheinlich religiösen Ursprungs". Dieser Standpunkt Hoppes, der eingehende Studien über die Juden und den Alkohol angestestellt hat, wird allgemein geteilt. Immerhin sind schon im Alten Testament wiederholt Fälle von unbotmäßigem Alkoholgenuß beschrieben und nicht umsonst warnt die Bibel immer wieder vor „Uebermaß im Trinken". Eine irgendwie biologische Grundlage für diese „Anlage" wird nicht zu finden sein und in der Tat wird als Folge der Anpassung an die umgebende Bevölkerung diese gute Sitte häufig durchbrochen. Aber immerhin gehören die Trinker unter den Juden zu den Ausnahmen, trotz der vereinzelten Angaben von T r e n - g a von 17,6 % jüd. Alkoholisten unter seinen Kranken in Algier. Das klinische Bild des Alkoholismus bietet bei den Juden keine Besonderheiten. Es ist selbstverständlich, daß auch das Delirium tremens und die Korsakoff'sche Psychose bei den Juden auch zu den größten Seltenheiten gehören. Für die anläßlich der „Gesolei" Düsseldorf 1926 veranstaltete Ausstellung „Hygiene der Juden" konnten folgende Feststellungen über „Alkoholismus bei den Juden" gemacht werden: 1. Untersuchungen unter Kindern in München 1906 (R. Hecker, Münchner Medizinische Wochenschrift 1906 Nr. 12) ergaben kath. protest. Juden Abstinenten 12,0 16,0 20,0 % Trinker tgl. Alkoholgenuß Schnaps od. V2 1 Bier 18,0 9,0 4,5 % 2. E. Bayer, Wien, berichtete in der Zeitschrift für Schulgesundheitspflege 1904, S. 419, daß in einer Wiener Volksschule für Mädchen diese geistige Getränke genießen: von 304 kath. Schülerinnen 87 28,6 %, von 70 jüd. „ 11 15,7 %. 3. In Frankfurt a. M. (Dr. Sichel, zw. 1897 bis 1915) litten an alkoholischen Geisteskrankheiten, von den ins Krankenhaus Aufgenommenen: 29,2 % der Nichtjuden, 2,3 % der Juden. In Moskau (Dr. Minor) waren 1889 an alkoh. Geisteskr. erkrankt 15,6 % der Nichtjuden, 2,3 % der Juden. 4. Zwischen 1892—1900 waren an Delirium tremens in preuß. Krankenhäusern erkrankt Protest. 7 % Kath. 5 % Juden 1 % Dissident 2 % Nach Singer befanden sich unter den männlichen Geisteskranken Fälle von Del. trem. bei Nichtjuden 10—20 %, bei Juden 2 %. 5. Nach R. Becker (Zsch. f. Demogr. d. Juden, 5. Jg., 1919, H. 4) kamen auf je 100 Geisteskranke in der Schweiz, alkoholische Intoxikationspsychosen 1892 bei Nichtjuden 11,0, bei Juden 0,0 %, 1900-1904 bei Nichtjud. 13,0, bei Jud. 1,2 %. 6. Nach Sichel (Nervöse Folgezustände von Alkohol und Syphilis bei den Juden (Zschr. f. Demogr. d. Juden) waren von den Insassen der Anstalt Dalldorf bei Berlin 1905 unter den Nichtjuden 18,5 % Trinker, Juden 8,3%.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.