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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 104

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 104 (sequence 3)
Language
German
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- 104 - Anstalten Deutschlands hat Sichel 1908 aus der Frankfurter Klinik seine damaligen Ergebnisse mitgeteilt, wonach die Zahl der in den Anstalten befindlichen jüdischen Gei- | steskranken höher ist, als der prozentuale Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung (über 2 % " gegenüber 1 % ihres Bevölkerungsanteils); insbesondere in den öffentlichen Anstalten ist das weibliche Geschlecht stärker beteiligt als das männliche und bleibt in den privaten nur wenig hinter den Männern zurück. Die Erkenntnisse, die wir an deutschen Juden gewannen, können nicht ohne weiteres auf die gesamte Judenheit bezogen werden, worauf TobyCohn mit Nachdruck hingewiesen hat. In der Arbeit von Sichel „Die psychischen Erkrankungen der Juden in Kriegs- und Friedenszeiten" wird deutlich zum Ausdruck gebracht, daß die Erkrankungsziffer der Juden ihren Höhepunkt überschritten habe, und daß bei einzelnen psychischen Erkrankungen die Zahlen sich wesentlich zu Gunsten der Juden verschoben haben. — Im Jahr 1921 stellten wir eine Rundfrage in ganz Bayern an, *) die folgendes Ergebnis hatte: in sämtlichen öffentlichen und privaten Anstalten für Geistes- und Nervenkrankheiten wurden in der Zeit vom 1. Jan. 1908 bis 31. Sept. 1921 insgesamt 87 486 Geisteskranke behandelt, und zwar 46911 Männer und 40 575 Frauen. Das ergibt ein Geschlechterverhältnis von 1,15 Männern zu einer Frau. In der gleichen Zeit wurden 1375 geisteskranke Juden in den Anstalten aufgenommen (707 Männer und 668 Frauen, das entspricht 1,06 Männern zu einer Frau), das sind 1,57 % der Gesamtaufnahmen bei einer Gesamtzahl von 55 341 Juden in Bayern (diese Zahl stammt aus dem Jahre 1905, die jüdische Bevölkerung ist in *) Die Rundfrage ging von der „Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie, München", aus. Bayern bis 1920 ungefähr konstant geblieben), das sind 0,58 % der Gesamtbevölkerung. Es befanden sich also zwischen 1908 und 1920 doppelt soviel geisteskranke Juden in den Anstalten als ihrem prozentualen Bevölkerungsanteil entsprach. Dies für die wirkliche Zahl der geisteskranken Juden zu halten, wäre eben so falsch, als nach dem Beispiel Sich eis für Frankfurt. Es gibt Fehler nach beiden Richtungen. Einen deutlichen Hinweis erhalten wir nach der Feststellung, wieviele von diesen Kranken in pri- .vaten Anstalten untergebracht waren. Von den 87 486 Geisteskranken der Allgemeinbevölkerung waren 4538 in Privatanstalten untergebracht, d. s. 5,2 % aller Geisteskranken und zwar 1 899 Männer und 2 639 Frauen (das Geschlechterverhältnis ist hier also gerade umgekehrt, wie bei der Gesamt- Verteilung auf die Gesamtzahl der Geisteskranken). Von den 1 375 jüdischen Kranken befanden sich 445 in Privatanstalten d. s. 32,4 %, also das über Sechsfache im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung. Dabei überwiegen in den Privatanstalten auch die jüdischen Frauen. Die viel häufigere Unterbringung in Privatanstalten läßt bereits einen Schluß zu auf die verschiedenartige wirtschaftliche Struktur, die ihrerseits wieder von Bedeutung ist für die Ausgestaltung der Krankheitsformen. Von den beiden Gruppen, den Psychopathien und Psychosen, sind die sogenannten Psychoneurosen von Cohn bereits abgehandelt worden. Die Psychopathien sind statistisch schwer erfaßbar, weil sie eben entsprechend dem Charakter der Störung, als einer Abweichung vom Durchschnitt sich selten in Anstalten befinden, während bei den Geisteskrankheiten gerade die Anstaltsinsassen als Grundlage der Betrachtungen genommen werden. Wir haben es hier also

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