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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 16

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
Language
German
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handelt es sich jetzt um über 68000 Betriebe mit mehr als 91 000 jüdischen Arbeitern. Mit Recht meint Ing. Heller, „daß diese Ziffern allein schon beweisen, daß unsere Enquete ihrem Ausmaße nach alle statistischen Versuche, die bei uns duich private Organisationen gemacht wurden, bei weitem tibersteigt". Aber die Ziffern beweisen auch, daß bei weitem nicht die gesamte produzierende jüdische Bevölkerung von der Enquete erfaßt wurden, daß also die Zahlen keineswegs als erschöpfend angesehen werden können.2) Der Wert der Enquete wird auch noch durch folgende Momente beeinträchtigt: Sie umfaßt bloß die industrielle und handwerkliche Arbeit und bietet so keine Möglichkeit, die Rolle dieses Zweiges des jüdischen Wirtschaftslebens mit derjenigen der anderen jüdischen Beschäftigungen zu vergleichen. Andererseits beschränkt sie sich — abgesehen von der Bialystocker Textilindustrie und der galizischen Erdölindustrie — auf das j ü - d i s c h e Gewerbe, gibt also keine Möglichkeit des Vergleiches mit der Gesamtbevölkerung. Diese Tatsachen sollen bloß festgestellt werden, einen Vorwurf wollen wir auch hier nicht erheben, da wir die Schwierigkeiten zu würdigen wissen, mit welchen jeder Versuch, die Aufgaben der Enquete zu erweitern, verbunden gewesen wären. 2) In Galizien z. B sind 62 Städte und Städtchen bearbeitet worden, in welchen 1910 über 250 000 Juden, d. h. 30% aller (872000) Juden Galiziens wohnten. Allerdings waren gerade in Galizien im Jahre 1921 infolge der überaus komplizierten politischen Lage in diesem Lande die Bedingungen für die Durchführung der Enquete besonders ungünstig. Aber wenn auch in anderen Teilen des Landes der Prozentsatz der Juden in den untersuchten Orten größer ist, von einer auch nur annäherenden Vollständigkeit kann auch da keine Rede sein. Ueberhaupt war der Zeitpunt der Enquete, die erste Hälfte des Jahres 1921 im politischen und wirtschaftlichen Sinne kein normaler, wie sich ja bis heute das ökokomische Leben in Polen nicht normalisiert hat. Auch deswegen ist der Wert der absoluten Ziffern ein geringer. Unverständlich bleibt jedoch eine Anzahl grundlegender Mängel, die vermieden werden konnten und sollten und die dem ganzen Werke gewissermaßen den Stempel des Dilettantismus aufdrücken und das Vertrauen zu den Ergebnissen der Enquete schmälern. Vor allem: Das Werk trägt den Titel „Jüdische industrielle Unternehmungen inPolen". Unter „jüdischen Unternehmen" oder Betrieben versteht man gemeinhin solche, deren Eigentümer Juden sind, unabhängig davon, ob diese selbst unmittelbar an der Produktion teilnehmen und ob in dem Betriebe Juden als Lohnarbeiter, Angestellte usw. beschäftigt sind oder nicht. Vergebens aber sucht man im ganzen Werk nach einer klaren Definition des erwähnten Begriffes. Dagegen findet sich in der Instruktion für die Sammler der Satz, daß „jeder industrielle oder handwerkliche Betrieb aufzunehmen ist, sofern er unmittelbar im Produktionsprozeß mindestens einen Juden beschäftigt (ganz gleich, ob das ein Lohnarbeiter, der Unternehmer oder seine Familie ist)." Aus dieser und vielen anderen Stellen ist zu sehen, daß grundsätzlich jeder Betrieb untersucct werden sollte, auch wenn der Eigentümer kein Jude ist, sofern er auch nur einen jüdischen Arbeiter unter Dutzenden, ja Hunderten nichtjüdischer beschäftigt. Ob die Bezeichnung „jüdischer Betrieb" in einem solchen Falle richtig wäre, ist eine Frage für sich. Aber das Problem, wie weit jüdische Arbeiter zu Betrieben nichtjiidischer Eigentümer Zutritt haben, ist gewiß überaus wichtig für die jüdische Wirtschafts-Statistik. Die oben erwähnte I.C.A.-Enquete hat auf diese Frage eine gewisse Antwort gegeben. In der neuen Enquete findet sich nicht einmal eine Andeutung darauf — trotz der zitierten Inj struktion. Selbst bei der Bialystoker Textil- | und bei der Drohobyczer Erdölindustrie, von i welchen in den Einleituegen der entsprechen-

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