Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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In der Knabenschule wurden etwa 200 Schüler unterrichtet, die mit ganz wenigen Ausnahmen von russischen Eltern stammen. Der Unterricht, der 7 Klassen umfaßt, ist umfangreicher als der der Gemeindeschulen, u. z. dadurch, daß er Englisch, Deutsch und für die älteren Knaben Mathematik umfaßt. Die in der Uebergangszeit bestehenden Schwierigkeiten für den Unterricht, daß die russisch-jüdischen Kinder, deren Muttersprache „Yiddisch" (Judendeutsch) war, nur schlecht dänisch verstanden, das sie sich größtenteils durch den Verkehr mit den Kameraden vor der Straße angeeignet hatten, sind jetzt im wesentlichen überwunden. In dieser Beziehung ist auch der Umstand bedeutsam, daß die Schüler beinahe alle im Lande geboren sind und so Gelegenheit fanden, von ihrer Jugend an dänisch zu hören. Ein mit der Schule zusammenwirkender Verein hilft nach abgeschlossenem Schulgang den Schülern zur weiteren Ausbildung, mit dem bisherigen Erfolg, den Knaben, deren Eltern es nicht selber vermochten, Stellungen im Handel oder Handwerk oder, bei vorhandenen Fähigkeiten, Hilfe zum Studieren zu verschaffen. Die mosaische Mädchenschule wird ebenfalls stets von den Kindern fremder Juden frequentiert. Die Schule umfaßt 7 Klassen nebst einer 8ten für die Schülerinnen, die ihre eigentlicheKinderschule(von 7-14Jahren) abgeschlossen haben. Von Interesse ist es, daß von der 6ten Klasse an eine Zweiteilung des Unterrichts eintritt, u. z. so, daß die eine Abteilung die für das Studieren veranlagten Schülerinnen für eine prüfungsberechtigte Schule oder einen gleichgestellten Kursus vorbereitet, während die andere aufs Praktische wie Rechnen, Handarbeit, Schneidern und Kochen hinzielt. In der achten Klasse nimmt der Unterricht ein freieres Gepräge an, und die Schüler werden mehr als Erwachsene behandelt. Neben fremden Sprachen, auch Französisch, umfaßt der Unterricht Bürgerkunde, Physik, Zeichnen, Anlernen in praktischer Bürotätigkeit u. s. w. Außer der mosaischen Knabenu. Mädchenschule besteht eine besondere Religionsschule, deren Schülerzahl in den letzten Jahren wieder erneuten Zufluß erhalten hat. Diese Schule umfaßt Kinder sowohl aus dänisch-jüdischen als aus russisch-jüdischen Familien. Wie erwähnt, ist die Muttersprache der russischen Juden „Yiddisch". Als die russischen Juden nach Dänemark kamen, konnte keiner von ihnen dänisch sprechen, aber allmählich lernten sie die Sprache und haben in dieser Beziehung von ihren schulpflichtigen Kindern wertvolle Hilfe erhalten. Die Mütter sind sprachunkundiger, da sie mit dem äußeren Leben weniger in Verbindung kommen. Es ist uns erzählt worden, daß die Eltern oft miteinander „Yiddisch" sprechen, mit den Kindern aber dänisch. Es besteht unter den russischen Juden eine Jugendbewegung, die ihre nationalen Eigentümlichkeiten und ihre Muttersprache schützen will. Zu diesem Zwecke ist ein Verein gegründet worden — Hoiwri Hazoir (der junge Jude) — welcher regelmäßige Vorträge und dramatische Vorstellungen auf „Yiddisch" abhält. Die jungen Leute haben auch einen Sportverein gegründet, der ebenfalls dazu beiträgt, die nationale Eintracht zu fördern. Einer der Leiter der Bewegung hat gesagt, daß sie zwar einen ausgeprägten national - jüdischen Charakter hat, daß sich aber die russischen Juden als gute dänische Bürger fühlen. Neben dieser Jugendbewegung hat ein „Sammenslutning af alle russiske Joder i Kobenhavn" (Verband aller russischen Juden in Kopenhagen) bestanden, der namentlich eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage