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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1925-01-01 · Heft 2 · p. Seite 13

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1925) (Neue Folge)
Issue
Heft 2
Date
1925-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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— 13 - ihnen das Elend unverhüllter zeigte und daß sie auch mehr als andere infolgedessen den Drang fühlten, einzugreifen und der Not abzuhelfen. Noch in einem der letzten Berichte der Münchener Chewra Kadischa ist ausdrücklich gesagt, daß infolge der Krankenfürsorge und des Beerdigungswesens, die Ver-; einsinitglieder mehr als alle anderen Perj sonen in die Lage kommen, die zahlreichen Fälle unverschuldeter Not zu sehen, welche ein sofortiges Eingreifen erheischen, um in jenen Fällen, in denen der Ernährer der Familie oder die Mutter durch lange Krankheit dem Berufe entzogen oder durch den Tod den Ihrigen entrissen wurde, eingreifen zu können. Charakteristisch für die Entwicklung, welche gerade in dieser Hinsicht die Chewra Kadischa genommen hat, ist die Entwicklung des Vereins in Hameln, wo sie in Ermangelung; anderer Vereine alle jene Fürsorgezweige umfaßt, für die sonst spezielle Vereine vorhanden sind: die Fürsorge für die Ortsarmen, für die Kinder, die in Ferienkolonien geschickt werden, die Gewährung von Darlehen etc. Auch Stuttgart bietet! hierfür ein Beispiel, wo erst 1875 eine Chewra Kadischa entstand. Anfänglich war sie begründet zur Hilfeleistung bei Krankheils- und r-» Sterbefällen männlicher Israeliten, rituelle Behandlung und Bestattung der Toten, also zu den üblichen Aufgaben, die wir bei allen Vereinen wiederkehrend finden. Zu ihnen tritt 1890 hinzu die Unterstützung von Ortsarmen und später auch die auswärtiger Armer. Der Verein gab die Anregung zur Gründung eines Landesunterstützungsvereins in Württemberg. Nur ganz selten ist der umgekehrte Fall eingetreten, daß Aufgaben der Chewra Kadischa von der Gemeinde übernommen worden sind, also die Erfüllung der Pflichten gegenüber Kranken und Sterbenden, so in Dinslaken. Hier hat die Chewra Kadischa nur noch die Abhaltung von Gottesdiensten behalten, Die Unterstützung ist entweder eine regelmäßige wöchentliche, beschränkt sich nur auf Vereinsmitglieder, wie schon erwähnt während der Trauertage oder während der Krankheit mit einer Maximaldauer von etwa 13 Wochen, oder eine außerordentliche bei Fällen dringender Notlage. Zumeist sind beide Arten nebeneinander vertreten, in kleinen Gemeinden, wo nur eine Chewra Ka~ | discha und ein Frauen-Verein des gesamte Gebiet sozialer Hilfstätigkeit in sich schließt, da geht der Rahmen auch noch viel weiter, da wird auch für Witwen und Waisen gesorgt, arme Bräute werden ausgestattet usw. Die Unterstützungen werden entweder in barem Oelde gewährt oder auch in Naturalien, wie Brennmaterial, Nahrungsmittel, Kleider etc. Aber nicht nur für Ortsarme wird gesorgt auch die Wanderarmen werden n den Kreis der Fürsorge gezogen, entweder indem an den Verein gegen Wanderbettelei eine bestimmte Subvention gezahlt wird, oder indem überhaupt die Wanderarmenfürsorge von der Chewra Kadischa aus geleistet wird. Häufig ist mit der Chewra Kadischa eine Unterstützungskasse direkt verbunden. Daß Udie Unterstützungen allmählich über den Kreis der Vereinsmitglieder hinausgreifen, zu anderen Ortsarmen und über die Grenzen der Gemeinde hinaus auch auswärtige Arme und Notleidende umfassen, ist eine Entwicklung der Neuzeit Es werden auswärtige Wohitätigkeitsinstitiite, ferner Ferienkolonien, Wohltätigkeitsinstitute, ferner Ferienkolonien, Kinderheilstätten, Hospitäler usw. subventioniert. Es wird bei außerordentlichen Unglücksfällen, welche die judenheit betroffen, so bei den Judenverfolgungen in Rußland eingegriffen, namentlich wird uns aus dem jahre^ 1869, 1882, 1905, als in Rußland die Progrorne waren und tausende unglücklicher Juden ihres Hab und Gut beraubt waren und durch die Länder irrten, von großen Beweisen der Mildtätigkeit seitens der Chevrat Kadischat berichtet Aber nicht nur vorhandenes Elend zu lindern, der Not vorzubeugen ist die Aufgabe einzelner Vereine, welche dies vorzüglich in der Form von zinslosen Darlehen tun. Es soll wirtschaftlich Schwachen die Möglichkeit geboten werden, sich wieder aufzurichten, es werden ihnen Zuschüsse zur Begründung oder Wetterführung eines Geschäfts, zur Einlösung von Gewerbescheinen gewährt. Die Fürsorge für Kinder wird ebenfalls gepflegt, allerdings nicht in dem starken Maße wie von den Frauen-Vereinen, auch Channukah Bescherungen finden statt, durch welche arme Kinder mit Kleidungsstücken versehen werden. Zu erwähnen ist endlich noch in einzelnen Fällen die Unterstützung junger Leute, die sich dem Handwerk widmen.

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