Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 12 - siegel versehene verschlossene leere Büchse .mit einem Begleitschreiben' dem direkten Hinterbliebenen geschickt, die über den Inhalt der unverschlossenen Büchse verfügen konnten. Es stand dem Vorstand auch frei, noch eine weitere Unterstützung bir zu 15 M aus der Vereinskasse zu gewähren. Die Fürsorge erstreckt sich aber auch noch über den Tod hinaus, auf die Tröstung der Hinterbliebenen. Während der Trauerwoche finden sich wenigstens zehn Personen im Sterbehause ein, um den Leidtragenden das Kadiscligebet zum Andenken an den Verstorbenen zu ermöglichen. Da dieses Gebet eine öffentliche Anerkennung des göttlichen .Waltens in der Weit und im Einzelschicksal bedeutet, darf unter die Zahl von zehn nicht heruntergegangen werden. Alle Mitglieder wurden früher der Reihe nach vom Vorstand zur Teilnehme am Minjan bestimmt Da dies aber im Laufe der Zeit unmöglich wurde, bestellte die Chewra Kadischa Minjamieute, die gegen Zahlung einer Entschädigung sämtlichen Andachten beizuwohnen verpflichtet sind* Die-.e formtne Sitte, im HL^tfcp des Verstorbenen das Gebet abzuhalten, wird heute noch in den meisten Vereinen geübt Es wird auch dafür Sorge getragen, daß vor dem Gebet von Seiten einer besonders bestellten Person, dem Vorbeter oder Rabbiner 5 religiös erbauende Vorträge gehalten werden. Die Abhalten der Vorträge wird zmveilen auch ausgedehnt auf die 30 Trauertage nach dem Eintritt des Todesfalles. Aus diesen Lehrvorträgen bei Leidtragenden mag wohl die dritte Aufgabe der Chewra Kadischa, die allerdings heute nur noch in sehr wenigen Vereinen erfüllt wird, hervorgegangen seiii7 die Pflege des Thoralernens. Es wurden nämlich früher, wie schon aus dem Namen mancher Vereine hervorgeht, von seiten der Chewra Kadischa regelmäßig Früh- und Abendversammiungen abgehalten, und ein eigens hierzu bestimmter Lehrer oder Rabbiner hielt religiöse Vorträge aus der Bibel der Mischna, dem Taluxns t rl r\rl r r^l?r5*:r^Qf>ti F*V!i vzwitw «Tcchr r**"* \fr\** vuva x vii^il/S vAI 1_-ä IJ<lv* t*&JL^ÄSv-iiI 11 IV-iJS. V V/11 historischem Interesse sind hierfür die Akten der Hannvor'schen Chewra Kadischa, die, wie oben bereits erwähnt, mehr als 150 Jahre alt ist. Ihr Name lautete anfangs „Verein zur Betätigung mit der Gotteslehre, für Krankenbesuch und Wohltätigkeit", also erst in zweiter Linie sind hier jene Aufgaben genannt, die jetzt die ersten bilden. Die fromme Gemeinde hatte das Bedürfnis, die Kenntnis und Wissenschaft des göttlichen Wortes unter sich rege zu erhalten. Darum stiftete sie einen Verein, welcher vor allem die Bestimmung hatte, daß seine Mitglieder verpflichtet waren, täglich an einem bestimmten Orte sich zu vereinigen, um durch Vorj.____ ___ „5___ n„i „1—r,U*~ DMk^I II ag eines juuibuucii v..n:icm icii uuci uiuct und sonstige religiöse Schriften Belehrung zu erhalten. Zugleich sollte eine Annäherung der einzelnen Gemeindemitglieder, welche ohne Unterschied des Standes und Ranges täglich zusammenkamen, bezweckt werden. Es wurde ein Lokal gemietet, wo täglich am Wochentage abends nach dem Abendgebet und am Sabbath und den Feiertagen nach dem Morgengebet Vorträge über die Bibel, den Schulchan Aruch, über häufig im Leben vorkommende persönliche Pflichten von einem dazu bestellten Lehrer gehalten wurden, wobei kein Vereinsmitglied bei einer andern essen en S+s'af" fehlen durfte. Aber - •** — schon nach 20 Jahren beschränkte der Verein seine Wirksamkeit ausschließlich auf die * ..-.I_______ j— \v/_uij.;:x:~i,„:4. 17QO rt-UisUDUlig UCl W UlUWU^Rtlt, UtlKl 3Ul a «v>-theißt der Verein nur mehr Wohltätigkeitsverein. Das, was heute in den meisten Vereinen von dieser bedeutungsvollen Aufgabe verblieben ist, beschränkt sich zumeist auf die Abhaltung eines Lehrvortrages am. Sabbath-Vormittag nach beendetem Gottesr\ i dm c*4- Vll^ilOL. Dagegen steht heute noch die zweite Grundaufgabe der Chewra Kadischa in vollster Blüte* die U n t e r s t ü t z u n g v o n Armen in jeder -Form. Es gibt nur ganz wenige Vereine in Deutschland, in welchen, die ausdrückliche Bestimmung getroffen ist, daß die Chewra Kadischa nicht zugleich neben den übrigen Aufgaben auch Armenpflege leisten soll, dagegen zaiiit last jede Satzung als einen Zweig dieser Tätigkeit dieses Gebiet auf. Den Anstoß wird wahrscheinlich der Umstand gegeben haben, daß die Mitglieder der Bruderschaft mehr als andere in die Lage kamen, durch ihren Besuch bei Kranken und Sterbenden einen tieferen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Leidenden zu bekommen, daß sich