Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 10 - sönlicher Liebesdienste gegenüber Kranken und Verstorbenen ohne Unterschied des Ranges durch alle für alle. Es sind in diesem Verein iast alle Sonderbestrebungen vorweggenommen, die in den später entstandenen zahlreichen Wohlfahrtsorganisationen zum Ausdruck kommen. Ueberau sind es dieselben Gebiete, auf welchen sie arbeiten, doch konnte es nicht ausbleiben, daß sich gewisse Besonderheiten im Laufe der Zeit, wie es die Eigenart der Zusammensetzung der verschiedenen Gemeinden in allen Teilen der be- A. CT * Am * 1^ " 4. " * 1 Wöiiiiicll jl-Fuc mit SiCu uTiVig 1, Iii clüZciiicii Vereinen ausgebildet haben. Die gemeinsamen Züge werden nirgends fehlen, aber im Inhalt und in der Durchführung der Auf« gäbe herrscht freie Bewegung und Mannigfaltigkeit. Drei Grundpflichten sind mit dem Wesen der Chewra Kadischa unlöslich verbunden. Es sind dies: 1. Besuch der Kranken, sowie Bestattung der Toten und Ehrung ihres Andekens, 2. »Ausübung der Wohltätigkeit, 3. Pflege der göttlichen Lehre. In der ersten Pflicht kommt so recht zum Ausdruck, daß die Chewra Kadischa auf persönlicher Anteilnahme am fremden Leide und zur steten Hilfsbereitschaft gegründet worden ist. Seit den frühesten Zeiten nennt das Statut unter den Zwecken des Vereins Pflege der erkrankten Vereinsmitglieder und beauftragt den Vorstand, sich bei der Erkrankung eines ordentlichen Mitgliedes nach der Art und dem Grade der Krankheit zu erkundigen und alles Erforderliche zu veranlassen. Hierzu gehört namentlich das Wachen wahrend der Nachtstunden, wenn es gewünscht wird. Es war dies ursprünglich als Erleichterung für die Angehörigen der Kranken, welche tagsüber am Krankenbette Pflege zu üben hatten und der Anstrengung der Nachtwache nicht gewachsen waren. Dann aber sollten die Brüder, sobald eine Verschlechterung des Kranken eintritt, ihn auf den Tod vorbereiten, seine Anordnungen entgegennehmen und mit ihm beten. Später ließ der Eifer für den persönlichen Pflegedienst etwas nach. Es wurde einem jeden Mitglied freigestellt, sich durch eine dem Vorstand geeignet erscheinende Person vertreten zu lassen. Dagegen fehlt es nie an ärztlicher Pflege und Zuweisung eines Arztes^ wo die Bedürfnisse es erforderten. Hier ist man bereits über die Grenzen der Gegenseitigkeit hinausgegangen. Es wird auch Nichtmitgliedern in dringenden Fällen Krankenpflege zuteil. Auch Medikamente werden unentgeltlich beschafft Immerhin hat es vereinzelt Vereine gegeben, welche ursprünglich die Krankenpflege nicht ausübten, weil selbstständig neben der Chewra Kadischa auch noch Krankenvereine existierten, so in Grätz, Hohensalza und in anderen Orten. Als sieh aber die Gemeinden durch Wegzug verkleinerten und diese Krankenvereine allein nicht mehr in der Lage waren, ihren .Aufgaben nachzukommen, da verschmolzen sie sich mit der stärkeren Bruderschaft, die dann auch ihren Aufgabenkreis in sich aufgenommen hat. (Auch für die Unterbringung von Kranken in Krankenhäusern und für Badereisen wird gesorgt.) Aus den Aufgaben der Krankenpflege ist in den größeren Chewrot Kadischot die Begründung von Krankenhäusern herausgewachsen, so namentlich in Breslau. Die Anfänge der Breslauer Chewra Kadischa reichen bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Die Krankenpflege einheimischer und fremder Juden fand ursprünglich in eigens dazu gemieteten Zimmern statt. Erst im Jahre 1760 r.^ -i? D«« J~*.~.~_U .-.£i ~:~Ä__^ Uk'.«.«Äi.««, KäUi IC UiC Di UUvi M. 11-41 t CUl CigCiiCö i Ääiüö'CiiCli zu einem beständigen Hospital, das bereit?. 1780 vergrößert werden konnte. 1841 wurde aus dem Legat der Brüder David und Jonas Fränkel in der Höhe von 50 000 Talern ein Neubau aufgeführt, der außer dem Hospital auch noch die Waisenanstalt in sich aufnahm. Als letztere 1883 ein eigenes Heim bezog, dehnte die Chewra Kadischa ihre Zwecke auf die Begründung und Errichtung des israelitischen Siechenhauses aus. an dessen Stelle 1897 die Israelitische Altersversorgungs - Anstalt (gestiftet vom Rittergutsbesitzer J. Schottländer), getreten ist 1903 entstand das neue Krankenhaus. In ähnlicher Weise ist auch aus der Chewra Kadischa der Adass Jisroel in Berlin das Krankenheim hervorgegangen. In Breslau ist das ganze Stadtgebiet in Bezirke eingeteilt und für jeden Bezirk ein Arzt bestellt. Die Chewra Kadischa dehnt dort ihre Tätigkeit auch auf Nichtmitglieder aus