Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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/-\ V — Die Chewra Kadisc Von Dr„ J a c o b Unter den jüdischen Wohltätigfceitsvereinen sind die ehrwürdigsten und bedeutendsten die frommen Brüderschaften „Chewrot Kadischot'% für die es bei den anderen Konfessionen wohl kaum ein Analogan gibt; sie lassen sich bis ins graue Altertum zurück verfolgen. Abraham Geiger hat das Entstehen der Chewra Kadischa bis in die Zeit des zweiten Tempels zurück verfolgt. Wohin das Judentum bei seiner Wanderung kommt gründet es zugleich mit seiner Niederlassung eine Institution der Armenpflege. Es bildet sich insbesondere in fast jeder Gemeinde von erheblicher Anzahl eine fromme Gesellschaft zu dem Zweck, um Kranke zu besuchen und für deren Bedürfnisse zu sorgen, nicht selten ging sogar die Bildung solcher Vereine der eigentlichen Gemeindegründung voraus, wie in Königsberg, Halberstadt, Stettin usw. Unter den verschiedensten Namensbezeichnungen finden wir sie bei uns in Deutschland. Bald heißen sie schlicht Chewra Kadischa, bald Verein „Gemilus Chassodim" (im traditionellen Sinne verstanden für die Ausübung von Liebesdiensten bei Sterbenden und Verstorbenen), bald Krankenpflege* und Beerdigungs-Vereine, die schon in ihrer Bezeichnung die wesentlichsten Aufgaben des Vereins ausdrücken, in vielen Gegenden heißen sie Männervereine oder Männerwohltätigkeitsvereine. Viele Bruderschaften können auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurückblicken, ,j . , £*..•■«• . : « j. wenngieicn nur rur die wenigsten eine tatsächliche Geschichte existiert. Bis ins 17. Jahrhundert reichen, soweit uns bekannt, die Vereine in Halberstadt (1631), Emden (1660), Kempen (1691), bis in undenkliche Zelt die alte Chewra Kadischa in Posen. Eine sehr große Reihe ist im 18. Jahrhundert entstanden; wir nennen den Verein in Brandenburg (1767), Fraustadt (ca. 1760), Rawitsch (1700), Hannover (1762), Hildesheim (Anfang des 17. Jahrhunderts), Langenschwalbach (1732), Koblenz (1780), Krefeld (1765), Bamberg (1722), Dürkheim (1795), Dresden (1750), Edelfingen (1790), Grusenheim (1762). Es gibt allerdings auch eine ho, in DeutschlandL S eg a 11, Berlin. recht große Anzahl von Vereinen, die erst in der zweiter] Hälfte des 19, Jahrhunderts und manche, die in den letzten Jahrzehnten gegründet worden sind. Namentlich ist dies der Fall in den rheinisch-westfälischen Gegenden, wo erst in der jüngsten Zeit große jüdische Gemeinden ins Leben gerufen wurden, so Hamm (1903), Iserlohn (1902), Recklinghausen (1900), Herborn (1907). Sobald sich eben die Gemeinde gebildet hatte, zeigte sich das unmittelbare Bedürfnis nach einem Zusammenschluß von Männern, um die Zwecke der Chewra Kadischa zu erfüllen. Für die Chewra Kadischa in Essen, die erst 1856 gegründet wurde, besitzen wir eine ganz ausgezeichnete geschichtliche Darstellung, die sich besonders dadurch auszeichnet, daß sie eine sorgfältige Schilderung des Aufgabenkreises der Chewra Kadischa enthält Sie ist so mustergültig, daß wir sie in folgendem zur Grundlage unserer Betrachtung wählen und nur hie und da durch Angaben, welche wir über andere Vereine besitzen, ergänzen. Auch der Wohltätigkeitsverein in Hannover besitzt eine Geschichte seiner 150jährigen Entwicklung, auf die wir im einzelneu zurückgreifen. Ferner erfuhr die Chewra Kadischa in Königsberg anläßlich ihres 200jährigen Bestehens von Rabbiner Dr. Vogelstein eine geschichtliche Darstellung, die ein helles Licht auf das Wirken der Bruderschaften in früherer Zeit wirft. I fr-VS HP *- f\ st. ■*- 0-----.-~-.1-!** sirot-Hn*-!!«^:;;-V! r-j (; Ii II I!c!\_iciv K.aJLii h vi Uta Iii v. iii V-iii v ,»-«. s/. l jene Werke der Mildtätigkeit genannt welche für die Chewra Kadischa seit dem I Altertum bis in die Jetztzeit die Grundlage ihrer Wirksamkeit gebildet haben: Besuch und Pflege der Kranken, Bestattung der Toten und Studio m der Thora. Will man den Kern der frommen Bruderschaften und ähnlicher Wohltätigkeitsvereine mit einem Worte treffen, so kann man sagen, sie sind aufgebaut auf dem Prinzip der tätigen Nächstenliebe oder wie eine der bedeutendsten Chewrot Kadischot in Deutschland den Grundgedanken •*» ■• '■» r\.} r 4- 1-» « 4- 4-** ✓% * * i > ■-. I ] i r\- / \ ,\ tliMsKtl'M /'V f\ f aio^iui ULitvi iid t . H *l l vv 1111 v. r\ u?> u i»; li i i j j i -