Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Männl Abteilung Weibl. Abteilung Meldung Vermittig. Meldung Vermittig* Berlin ' . . . . 15462 3309 12726 2528 Frankfurt a.M. 3521 1046 2675 298 Elberfeld. . . — — 24 9 Königsberg — — 38 4 München... — — 137 52 Nürnberg . . — — 32 22 Bei Betrachtung dieser Zahlen fällt sofort ins Aoge5 daß die Arbeitsnachweise, die eine starke Frequenzziffer in der Abteilung männliches Personal aufweisen, ebenfalls in der weiblichen Abteilung eine starke Inanspruchnahme zu verzeichnen haben« Diejenigen Nachweise, die nur über eine Abteilung verfügen, sind auch im ganzen bedeutungslos. Als Ergebnis folgt hieraus, daß nur ein Vollarbeitsnachweis, de h. ein Arbeitsnachweis, der alle Abteilungen hat, wirklich lebensfähig; ist und wirkliche Bedeutung besitzt« Von den Erfordernissen der Wanderfürsorge aus gesehen — und nur diese können in diesem Zusammenhang erörtert werden — •ist allein ein Arbeitsnachweis als komplexes Gebilde sinnvoll. Die Bemühungen der Haupisteüe werden also dahingehen müssen, an den Provinzialkassen, die Knotenpunkte der Wanderung sind, Vollarbeitsnachweise zu errichten, bzw. die bestehenden zu Vollarbeitsnachweisen auszubauen. Hierfür kommen insbesondere in Betracht: Köln, Hanonver, Hamburg, Königsberg, ■ Breslau (de jure bereits begründet), Leipzig, Nürnberg, .München und Stuttgart. Die zentrale Aufgabe der Hauptstelle wird insbesondere darin zu bestehen haben, daß sie als Ausgleichsstelle Angebot und Nachfrage für das Reich zu bearbeiten: hat. t\r JL V * Ist das Gebiet des Arbeitsnachweises wissenschaftlich erforscht, seine Notwendigkeit unbezweifelt, seine Stellung im System geordneter Wirtschaft gesichert so ist hingegen das Problem der Arbeitsstätte und der Arbeiterkolonie ein Problem geblieben. Zwar blicken Caritas und Innere Mission auf eine jahrelange Erfahrung zurück; zwar haben insbesondere die preußischen Provinzialverbände mancherlei Versuche gemacht und eine ganze Anzahl, in manchen Provinzen sogar ein System von Arbeitsstätten und Arbeiter- 5 — | kolonien errichtet, und mit ihnen sicherlich 1 Erfolge erzielt, aber für das Judentum ist die Aufgabe weit komplizierter, denn das Objekt ihrer Wanderfürsorge ist ein anderes. Die christlichen Wanderer, die die Wander- «jrhpilccf äii p nHpr ICnlnriic* aiilcuplipfi ttnA v "w.*. tuui «.v«. v«.-*». 's*«, w i- *v x.» iWUJV V* A O V* i 1 V. i i UHU regelmäßig wiederkehren^ sind zum größten Teil ungelernte Arbeiter, für Schwerarbeit geeignet, selten arbeitswillig, Sie suchen die Wanderarbeitsstätte auf, wenn sie bitterste Not zur Arbeit zwingt und sie anderswo keine Beschäftigung für den Augenblick finden können* Seiten finden sich unter ihnen Menschen, die aus einer anderen Gesellschaftsschicht herstammen. Die jüdische Wanderung und damit das Material, das für eine jüdische Wander arbeitsstätte in Frage Kommt, ist eine wesentlich andersgestaitige. Wenn auch der Hauptprozentsatz der Wandernden zwischen 25—35 fahre alt ist, also Menschen in den kräftigsten Jahren, so kommen sie doch keineswegs in ihrer Gesamtheit für die Arbeitsstätten in Betracht. Sie sind zum größten Teil Elemente, die an schwere i Arbeit nicht gewöhnt sind, — und wer die» Berufsschichtung des jüdischen Volkes kennt, kann dies nicht verwundern — sie sind, mögen sie noch so heruntergekommen sein, viel zu starke Individualitäten, als daß sie sich reibungslos irgendwelcher mechanischen Uniformität fügen würden, und ein letztes Argument (zwar kein argumentum ad rem, sondern ad personam): wir haben kaum die jüdischen Persönlichkeiten, die die Leitung einer solchen Arbeiterkolonie als ihre Sache betrachten würden, die die Kenntnis und den beinahe religiösen Charakter besitzen, um Achtung gebietend und verwandelnd auf die menschliche Struktur der Wandernden einzuwirken. Trotz aller Bedenken wird der Versuch gemacht werden müssen. Vielleicht gleichzeitig in verschiedener Form und Gestaltung, weil ja auch das Element der Wand er fürsorge ein vielgestaltiges ist Der Bauer, der aus Kuba oder Brasilien rückwandert der arbeitslos gewordene Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet, der Stepper oder Bügler, der Kaufmann und der Talmudjüngling — um nur einige Kategorien zu nennen —, sie alle werden nicht zusammenarbeiten und sie alle werden nicht das gleiche arbeiten können.