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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1925-01-01 · Heft 1 · p. Seite 43

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1925) (Neue Folge)
Issue
Heft 1
Date
1925-01-01
Page
Seite 43 (sequence 45)
Language
German
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- 43 - jüdischen Kranken. Häufig liegt der Erkrankungsbeginn v o r dem 20, Lebensjahr, was als ein Zeichen besonderer Schwere gewertet werden kann und besonders bei stark belasteten Individuen. Aehnlich sind die bei Juden oft zu beobachtenden Mischzustände zu werten. Dabei ist die Neigung zu manischen Erkrankungen entschieden betont, die sich zu den Melancholien verhalten, wie 3 zu 4, während es sonst in München doppelt soviel Melancholien gibt als Manien. Selbstmordversuche sind häufig, bei den Melancholien besonders die hypochondrischen Vorstellungen. Schwierig ist oftmals die Abgrenzung gegen Hysterie. In den manischen Fällen gelten als Besonderheit die völlige Inkohärenz' und die motorische Erregung. Auf sonstige interessante Einzelheiten der Arbeit von Lange (Münch. Med. Woch. 1921 Nr. 42) kann in diesem Rahmen nicht näher eingegangen werden. — Die Epilepsie ist bei Juden eine recht häufige Erkrankung und darin stimmen die alten Statistiken mit den neuen fast vollkommen überein und zwar in allen Ländern. Nur in der jüdischen Heilanstalt Sayn a. Rh. machten die jüdischen Epileptiker 5,2 % der aufgenommenen Kranken aus. Nach Sichel trat die Krankheit in den letzten Jahren nur symptomatisch auf. Man ist heute geneigt, die Epilepsie mehr als eine Stoffwechsel-, denn als eigentliche Geisteskrankheit aufzufassen. Männer erkranken häufiger als Frauen, insbesondere unter Blutverwandten. Äikoholismus der Eltern spielt beim Entstehen eine bedeutende Rolle. Gerade ein Schulbeispiel, wie vorsichtig man bei der Beurteilung der Krankheitsbilder sein muß, gibt die Hysterie ab. Sie galt als eine bei Juden ganz besonders häufig vorkommende Erkrankung, insbesondere da man auch jüdische Männer des Ostens davon befallen sah. Der Weltkrieg | hat an Tausenden von Menschen aller Länder I gezeigt, daß die Anlage für die Hysterie allgemein verbreitet ist, und daß es nur der besonderen äußeren Ursache bedarf, um die „hysterische Reaktion" auszulösen. Uebrigens führt Lenz bereits an, daß die Hysterie bei den russischen Juden seltener sei. als unter der allgemeinen russischen Bevölkerung. Allgemein hysterische Störungen sind kaum zu erfassen, da sie der Statistik entgehen. Es ist nicht angängig, die Furcht vor der Krankheit als ein hysterisches Symptom zu werten, auch nicht die Aeusserungen eines vom Durchschnitt der Bevölkerung abweichenden Temperaments. Wir befinden uns hier an der Grenze zum Normalen, wo die zahlenmäßige Erfassung von Krankheitszuständen den größten subjektiven Schwankungen unterliegen muß. In allen Veröffentlichungen stößt man auf die Angaben der hohen Beteiligung des angeborenen Schwachsinns und versteht darunter sowohl die leichtere Form, die Imbezillität, als auch die schwereren, die Idiotie. Nach Goddard sind zwei Drittel aller Fälle erblich bedingt, der Rest verteilt sich auf Alkoholismus der Eltern und angeborene Lues, oder Teilerscheinungen des Kretinismus. Aus Hannover werden doppelt soviel jüdische geistige Krüppel gemeldet. Mayer gibt für Baden und Bayern eine größere jüdische Rate an. In Frankfurt betrug die Prozentzahl nach Sichel 1906—07 13,14. Die jüdischen Imbezillen stammen fast alle aus stark belasteten Familien. Die Moral i n s a n i t y (eigentlich zu den Psychopathien gehörend) ist häufig. Ueber sexuelle geistige Störungen sind verwertbare Angaben nicht vorhanden. Bei den Alterspsychosen wird nur angegeben, daß sie der Prozcntzahl nacii gieicn der übrigen Bevölkerung sind und eine ausgesprochene hypochondrische Färbung zeigen (Pilcz). Eigentlich müßte man bei den Juden eine prozentual größere Zahl von

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