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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1925-01-01 · Heft 1 · p. Seite 41

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1925) (Neue Folge)
Issue
Heft 1
Date
1925-01-01
Page
Seite 41 (sequence 43)
Language
German
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- 41 - teilen sie ein in N e r v e n - und Geisteskrankheiten und unterscheiden unter den letzteren die Psychopathien, das sind abnorme Zustände. Abweichungen vom Durchschnitt, im Gegensatz zu den Psychosen, das sind krankhafte Zustände, Abweichungen vom bisherigen Leben des Kranken mit vorübergehender oder dauernder Zerstörung des geistigen Besitzes, also Krankheitsprozesse. Eine für die Juden spezifische Nerven¬ oder Geisteskrankheit gibt es nicht. Es ist nur zu natürlich, daß die Krankheitsbilder bei den jüdischen Kranken Eigenarten zeigen, die ihrer normalen Psyche entnommen sind. Bemerkenswert ist oft der atypische Verlauf bei vielen Kranken, so daß es mitunter recht schwer ist, einen Fall in eines der bestehenden Systeme einzuordnen. Charakteristisch für die Juden ist jedenfalls ihr ungeheurer Wille zur Gesundheit, der sich in umgekehrter Weise oft als eine wahre Sucht ausprägt, begleitet von der Angst, krank zu sein (Nosophobie), Die Leiden unter dem Bewußtsein des Krankseins sind oft viel schlimmer als die Krankheit selbst und bilden in vielen Fällen das eigentliche Kranksein. Nach Sichel ist die Zahl der nervenkranken Juden nicht größer, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Nach einer neueren Arbeit des gleichen Autors ist ein Sinken der Zahl der jüdischen Kranken zu bemerken. Manche Störungen kommen häufiger vor (angeborener Schwachsinn, manisch depressi/es Irresein, progressive Paralyse), andere viel seltener (Epilepsie, Alkoholismus). Auffallend ist, daß von manchen erblichen Nervenkrankheiten z. B. der Huntingtonschen Chorea (Veitstanz) nie bei Juden die Rede ist Die Paralysis agitans (Schüttellähmung) soll bei Juden nach Minor in Rußland 3 mal so häufig, nach Kr äfft Ebing sogar 8mal so häufig als bei Nichtjuden sein. Die Torsions-dystonie jugendlicher Individuen, ursprünglich nur bei Juden beschrieben, hat ihre Spezifität durch den Nachweis ihres Vorkommens auch bei „rein arischen" Familien verloren. Auf dem Kongreß der Naturforscher und Aerzte 1924 in Innsbruck wurde ebenfalls über eine nichtjüdische Kranke berichtet. Der Kuriosität halber sei die Mitteilung E r i k s o n s aus dem Warschauer Militärhospital wiedergegeben, der über scheinbar unerklärliche Fälle linksseitiger Radialislähmung bei Juden berichtete, die sich nachträglich als Tefillinlähmungen herausstellten. Die familiäre amaurotische Idiotie (Tay Sachs), ein rezessives Leiden ist dagegen fast ausschließlich bei jüdischen Kindern beobachtet. Es tritt neben völligem Sehnervenschwund schwere Verblödung im zweiten Lebensjahr auf. Die ähnliche Krankheit, Spieimey ersehe Form, ist dagegen in nichtjüdischen Familien aufgetreten. Eine Rassendisposition darf man naiüriich darin nicht sehen. Lenz glaubt vielmehr, daß die Krankheit irgendwie einmal in einer jüdischen Familie entstanden sei und sich dann weiter vererbt hat. (?) Eine Eigenart, die man nicht als Krankheit bezeichnen kann, ist der Sigmatismus (das Lispeln), der besonders häufig bei Juden zu beobachten ist. Die Psychopathien sind zahlenmäßig nicht zu erfassen, da der größere Teil sich nicht in ärztlicher Behandlung befindet, anders die Psychosen, die eigentlichen Geisteskrankheiten. Die Alkoholiker unter den Juden sind weit geringer als bei der umgebenden Bevölkerung. Richtige Trinker gehören bei den Juden zu den Ausnahmen. Dagegen sind die sogenannten Süchtigen (M o r ■

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