Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2650397-2650403-2650404--5248-2650642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 39 - Im Lande jüdischer Massenarmut, Galizien, sollen nur prozentual halb so viel Juden an Tuberkulose, gestorben sein, als Nichtjuden. Man hat zur Erklärung beigebracht, daß der geringere Alkoholgenuß bei den Juden in so günstiger Weise sich geltend mache, daß die Fleischbeschau die Uebertragung von Rindertuberkuiose verhindere. Das spielt gewiß eine bedeutende Rolle. Die neueren Berichte aber aus Amerika, besonders aus dem Arbeiterviertel von New-York besagen eine starke Zunahme der Tuberkulosesterblichkeit unter den Juden. Eine genaue Antwort kann also heute noch nicht eindeutig gegeben werden. Wir wenden uns nun den sogen, endogenen Krankheiten zu. Die Vergrößerung der Schilddrüse, der Kropf und die Basedowsche Krankheit sollen bei Juden, insbesondere bei den jüdischen Frauen recht selten vorkommen (Eppinger.) Die sogen. Konstitutions- und Stoffwechselkrankheiten sind dagegen häufig Gegenstand der Erörterung gewesen. Der Diabetes meiitus, die Zuckerkrankheit, die auf verschiedene Ursachen zurückgeführt wird, wurde oftmals als eine geradezu jüdische Krankheit hingestellt. Die erblich bedingte Zuckerkrankheit ist bei den Juden häufiger, als unter der sonstigen mitteleuropäischen Bevölkerung. Nach T h e i 1haber waren von 1000 Juden, die im Jahr 1910 in Benin im erwachsenen Alter starben, 80 d.s. %°/o zuckerkrank. (Lenz) Huizinker, Basel (Schweiz med. Wochenschrift 7/1922) berichtet, daß 1918—19 in Basel Juden 12 mal so häufig als Nichtjuden an Diabetes erkrankt waren. Außer der erblichen Anlage, spielen gewiß Schädlichkeiten noch eine besondere Rolle, insbesondere Ueberarbeitung und Aufregung. Eisenbahner und Maschinisten sollen besonders anfällig sein. In New-York geht das Wort: „when Stocks fall in Wallstreet diabetes rises", hinter dem sicherlich ein richtiger Kern steckt. Die Angaben einzelner Aerzte über die besondere Häufigkeit jüdischer Zuckerkranker unter deren Patienten ist wissentschaftlich wenig zu werten, da die Juden eben viel häufiger den Arzt, insbesondere den berühmten Professor, und nacheinander verschiedene Aerzte aufsuchen. Die Zuckerkrankheit kann in verschiedene Lebensaltern auftreten. Daß die Krankheit bei familiärem Auftreten immer frühzeitiger sich bemerkbar mache, ist nicht erwiesen. Kinder diabetischer Eltern lassen sich verständlicher Weise häufiger untersuchen. F)pr \7pr1cMif Hgr J^fäpk'ttf*lt Qnll Qtf*ll \\ix*- TiiH/ V V* JL XML H X UHVII^IL 0\Jkl OxV~xl Utl JUUtll oft in ziemlich harmloser Form über viele Jahrzehnte erstrecken. Der ganze Formenkreis Gicht, F e 11 - 1 e i b i g k e i t, Rheumatismus, Gallensteine und andere Erkrankungen, der sogenannten Arthritismus der französischen Autoren ist gewiß keine besondere Eigenart der Juden allein, er kommt nur auch bei Juden recht häufig vor. Insbesondere wird dies von der Fettleibigkeit behauptet, (ähnlich bei den Türken, Magyaren, Chinesen,) während konstitutionelle Magerkeit eine Eigenschaft der nordischen Rassen sein soll (Lenz). In diesem Zusammenhang sei dieAsthenie erwähnt, die wir bei der Besprechung der Tuberkulose kennen gelernt haben, ohne deshalb von einer eigentlichen asthenischen Konstitution zu spreehen. Es sind meist schmal gebaute Menschen mit langem Rumpf und schlechter Haltung, die auf einer Schlaffheit der Muskulatur beruht, Blutarmut und mit großer Ermüdbarkeit. Diese Typen kommen bei Juden sicher häufig vor. Wir wissen, daß bei der Militäraushebung im alten Rußland bei den Juden bei der Beurteilung der Tauglichkeit der Brustumfang 2 cm unter der Norm betragen konnte,