Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2650397-2650403-2650404--5222-2650616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 13 - Aber wie dem auch sei, das Eine ist klar, daß gerade auf dem wichtigsten, nämlich ökonomischen Gebiete, die jüdische Arbeiterklasse Osteuropas weder Eroberungen noch Siegestaten, sondern eine schwere Niederlage und bittere Verluste zu verzeichnen hat. Diese traurige Tatsache geht aus allen \\*c* i£x\~ry t rr o, c c» m m 11 £ä r% Äl/Ati ntnir-n^on hi^iA ksjlD j\*,i,£*l g'wuuijiuiiv-it^u UiVUllU'llliO^iiLll UHU statistischen Materialien einwandfrei hervor Besonders wertvolles Material liefert uns die vor kurzem erschienene Arbeit des bekannten Statistikers Jakob Lestschinsky — „Wirtschaftlicher Verfall des Osteuropäischen Judentums" *) und die jetzt komplett erschienenen Ergebnisse der Joint'schen Betriebszählung in Polen. Betrachten wir zunächst dieses Material, um festzustellen, worin die schweren Verluste, welche die osteuropäische jüdische Arbeiterklasse erlitten hat, bestehen. Vergleichen wir zuerst die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter in Osteuropa vor dem Kriege und jetzt, so sehen wir folgendes: von 1914 bis 1925 hat diese Zahl im Gebiete des ehemaligen Rußland und Galizien um mehr als ein Drittel abgenommen. Statt zirka 250000 jüdische Lohnarbeiter vor dem Kriege zählen wir hier im Jahre 1925 nicht mehr als 150—160000. Die Zahl der jüdischen Lehrlinge ist jetzt fast dreimal niedriger als vor dem KViAnr.o Von virb-Q IvFinOD i<?t 1Pt7t auf ± ÄijL V/W. W» JL X i. i. ~ —' | ~- - ~- - -»------ /ic aha crir nnn „„u^*, tu VW Uli» üü uuu gcauimcw. In einer Anzahl von Industriebranchen hat die Zahl der iüdischen Lohnarbeiter seit 1914 sogar um 50 — 75 % abgenommen. Lestschinsky versucht die Aenderungen in der Zahl der jüdischen Arbeiter in der Schneiderei in einigen Gouvernements der Ukraine festzustellen und kommt zum Schluß, daß von *) Blätter für Demographie, Statistik und Wirtschaftskunde der Juden, Berlin. Redaktion: Prof. B. Bruizkus, Jakob Lestschinsky und Dr. Jakob Segaii. 1898, dem Jahre, in welchem die JCA ihre bekannten wirtschaftliche Untersuchungen in Rußland gemacht hat, bis 1924 die Zahl der jüdischen Schneidereiarbeiter in diesen Gouvernements fast um zwei Drittel sich vermindert hat. Im Gouvernement Kiew wurden im Jahre 1 OflQ Q CIO C-,U.-.,-,;^I^.-~."~-U„:a„_---yuu :— iucu <-/ Uli ov-iuiciucicicu ucuci gCZdllU, IUI Jahre 1924 — nur 1 783. Im Gouvernement Podolien sind von 3154 Schneidereiarbeitern im Jahre 1898 nur 1 077 geblieben; im Gouvernement Cherson von 1841 nur 573, im Gouvernement Tschernigow von 1205 — nur 320. Mit anderen Worten, statt 9812 jüdischen Schneidereiarbeiter, gab es in den genannten vier Gouvernements bloß 3753, das heißt 61,8 # weniger. Viel erstaunlicher ist die Abnahme der iüdischen Schneiderlehriinge. Im gleichen Jahre 1898 kamen auf die oben erwähnten 9812 Schneidereiarbeiter 4600 jüdische Lehrlinge, das heißt 50 °o\ im Jahre 1924 aber machten die Lehrlinge nur wenige Prozente der jüdischen Lohnarbeiter aus. In dichtbevölkerten Städten wie Minsk, Mosir, Mobilen und Bobruisk wurden im Jahre 1924 unter 1880 jüdischen Schneidern nur 85 jüdische Lehrlinge gezählt. Fast dasselbe sehen wir in Polen, in Litauen und anderen Ländern. 1) 1 O C O II llonr»li A rk r\C* /^t i *i n I i I n I < > r a m \ 7V> *. JL/ICzSt! i uLoatiiL utö u udiiiiLdLiy cn vn" i falls der jüdischen Arbeiterklasse in Osteuropa ist die Folgeerscheinung mehrerer Faktoren. Bekanntlich hat bereits die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten Amerikas vor dem Kriege große jüdische Arbeitermassen an sich gezogen. Der Krieg und die Revolution aber spielen die Hauptrolle in der Zerstörung der Arbeiterklasse. Der Weltkrieg hat viele Tausende der werktätigen jüdischen Arbeiter in Osteuropa aus ihrer friedlichen Arbeit herausgerissen. Viele