Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6 (August 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 114 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 114 - neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft fällt die schwierige Aufgabe der Wanderfürsorge und des Arbeitsnachweiswesens zu. Sie wird, wenn sie der Bewältigung dieses Problems näher kommen will, auf den Erfahrungen der letzten Jahre bauend, dafür sorgen müssen, daß der allmählich wieder einreißende Zustand der ziellosen Wrnderung „Hilfsbedürftiger und Unwirtschaftlicher" von Gemeinde zu Gemeinde verhindert wird. Das Prinzip der Wanderfürsorge muß es sein, dafür zu sorgen, daß der hilfsbedürftige Wanderer nicht ziellos durch die Welt wandert, daß er bei den Gemeinden, bei denen er vorspricht, und zwar in erster Linie bei den Großgemeinden, die Möglichkeit findet, eine Zeitlang Aufenthalt zu finden, bis es den Organen der Wohlfahrtspflege gelungen ist, ihn in eine Arbeitsstelle zu bringen oder sonst in irgendeiner Weise seiner Wanderung ein Ziel zu setzen. Diese Methode ist zwar oberflächlich betrachtet teurer als das früher so beliebte System der möglichst raschen Abschiebung von Gemeinde zu Gemeinde, im Rahmen der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege und ihrer zentralen Organisation i A.*^ ..«1^ V-» n' n i 1-1 r— toi *- l-i -f 4-1 t ti (~\ Hfltl jcuvj^ü ciscnriiii cs wii lav-uciiuicuci, uv_n Wandernden eine Zeit lang an einer Stelle zu halten und ihn einer Beschäftigung zuzuführen. Dies kann jedoch nur dann geschehen, wenn parallel mit der Wanderfürcnrnrp rlac iiiHicr»hn Ä rhoilctiu^h^rpicnmcDri in •Jf v*r i v< w j u V* ä-kjKsü i ii L/viiuiiüvii lf« Vit? n V«JV»U JLAi Deutschland organisiert wird. Denn ohne Arbeitsnachweiswesen und ohne die Möglichkeit einer Arbeitsbeschaffung ist jede Wanderfürsorge sinnlos und zur Erfolgslosigkeit verurteilt. Im Rahmen dieser Arbeit müssen die Sonderinteressen der einzelnen Gemeinden und Kreise zurücktreten, denn die Wanderfürsorge ist ein Problem, das nur mit zentralen Mitteln und durch zentrale Arbeit gelöst werden kann. Neben der Fürsorge, die mit dem Arbeitsnachweis im engsten Zusammenhang steht, wird es aber auch jetzt notwendig sein, für jene Wanderer, die nach dem Auslande gelangen wollen, individuell zu sorgen, ihre Bedürfnisse und Verhältnisse auf das genaueste zu untersuchen, um sie davor zu bewahren, ziel- und planlos durch die Welt zu wandern. Auch dieser Teil der Aufgabe kann nur dann bewältigt werden, wenn man an ihn mit jenem Ernst und mit jenem Verantwortungsgefühl herangeht, den er erfordert, denn derartige Aufgaben können nicht schematisch von irgendwelchem Gemeindebeamten oder ehrenamtlichen Funktionären erledigt werden, die durch Zufall an die Stelle gesetzt werden, an die sich der Fürsorgebedürftige um Hilfe wendet. Gerade im Zusammenhang mit dieser Frage wird die Sorge um den Nachwuchs der in der jüdischen Wohlfahrtspflege tätigen Menschen aktuell. Es wird die erroße und schwere Aufgabe der neu geschaffenen Arbeitsgemeinschaft sein, dafür zu sorgen, daß Menschen gefunden werden, die Sinn und Verständnis für die Bedeutung dieser Aufgaben haben und nicht die ganze Tätigkeit der Wanderfürsorge zu einer büro- Irt-ofic.^'hA Kf Arii rrtir? nrcm oc^liitiö fnr üiiov/iil-.ü « «_f ivi li&Hii^oiiiaoviiiliv xUi y wä sprechende „Petentenwerden lassen. Die Arbeitsgemeinschaft für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweiswesen nimmt am 1. März 1925 ihre Tätigkeit auf, damit beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der jüdischen Wanderfürsorge in Deutschland.