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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 113

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 113 (sequence 23)
Language
German
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- US — IV. Die Besetzung des Ruhrgebietes, die Inflation der deutschen Währung und die Depression der deutschen Wirtschaft hatten ihre Wirkungen auch auf die Fürsorgeorganisationen und ihre Tätigkeit. Zahlreiche Arbeiter und Angestellte, insbesondere Ausländer verloren ihre Arbeitsstätten und waren auf Unterstützung der Fürsorgeinstitutionen angewiesen. Hier mußte eine Umstellung der Tätigkeit der Fürsorgeorganisationen einsetzen, denn die Losung „Fürsorge durch Arbeitsbeschaffung" hatte in einer Zeit katastrophaler Arbeitslosigkeit ihren Sinn verloren. Es galt deshalb, jenen Ausländern, die in Deutschland nicht fürsorgeberechtigt waren oder es ablehnten, Unterstützungen zu empfangen, dazu zu verhelfen, in anderen Ländern Arbeitsmöglichkeit zu finden. Als sich die ersten Anzeichen dieser Situation bemerkbar machten, wurde sofort eine Verbindung mit dem benachbarten Auslände, insbesondere mit Belgien und Frankreich aufgenommen, um die Scharen der Arbeitslosen dorthin, wo genügend Arbeitsmöglichkeiten vorhanden waren, zu lenken. In dieser Arbeit war der gesunde Sinn des arbeitsuchenden Juden beispielgebend und bahnbrechend. Es muß festgestellt werden, daß die jüdischen Arbeiter viel früher als alle Organisationen erkannt haben, daß Frankreich Arbeitsmöglichkeiten bietet und daß eine ffroße Zahl ausländischer Arbeiter dort ohne weiteres unterkommen konnte. Nach den ersten tastenden Versuchen der Arbeiter selbst wurde die Abwanderungsbewegung nach Möglichkeit in ein System gebracht. Die letzten Monate des Jahres 1923 und die ersten Monate des Jahres 1924 standen unter dem Zeichen der Abwanderungsbewegung der ausländischen Juden aus Deutschland. Außer der Beschaffung der notwendigen Papiere und der | Einreiseerlaubnisse galt es, jenen Wanderern, die nicht in der Lage waren, das Reisegeld selbst zu bestreiten, die beschämende und unsinnige Fahrt von Gemeinde zu Gemeinde zu ersparen. Sie wurden, wie seit dem Jahre 1920, auf weite Strecken möglichst bis an die Grenze des Reiches durchbefördert, wodurch zwar die kleinen Gemeinden entlastet wurden,, die großen Hauptstellen des Arbeiterfürsorgeamtes aber und die Großgemeinden außerordentliche Geldmittel aufbringen mußten. Die Verhältnisse im Osten normalisieren sich, die Periode der Massenflucht und Massenwanderung aus dem Osten ist zumindest für eine gewisse Zeit vorüber. Auch die Verhältnisse in Deutschland haben sich nach Stabilisierung der Währung wesentlich geändert und stellen die jüdische Wanderfürsorge vor neue und schwere Aufgaben. Die Arbeitslosigkeit zwingt wieder zur Wanderschaft und neben den Arbeitslosen taucht wieder der Typus des Wanderarmen aus der Vorkriegszeit auf. Es gilt nun zu I beweisen, was die Wanderfürsorge aus den | schweren Jahren der Nachkriegszeit gelernt I hat und organisatorische Formen zu finden, die es ermöglichen, dieses ungeheuer komplizierte Problem im Sinne der modernen \X7on1faJ-irlcrif1 ao*a 7ü Iacpm VV U1111U111 LU|/HV.gV 1VUVX1. Die Entwicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland zeigt, daß wir uns _ _ _ r jf ___ II 7^ A T A^, Ä1 " " A .-^ .-= Ulli vi CHI VV CJ^C Cid il*CiIli£tI1.5iCi Uiijj^ U.CI samten Wohlfahrtsarbeit befinden. Die Wanderfürsorge muß in den Kreis der Wohlfahrtspflege einbezogen werden. Die organisatorischen Grundlagen hierzu sind bereits dadurch geschaffen, daß der bestehenden Arbeitsgemeinschaft des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutsch- / o lands und der Deutschen Zentrale für jüdische Wanderfürsorge die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden beigetreten ist. Dieser

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