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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 112

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 112 (sequence 22)
Language
German
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— m - Nachricht hatten, mit Hilfe jüdischer Organisationen im Ausland, namentlich in Nordamerika ermittelt werden. Nur diese individuelle und sorgfältige Behandlung der Wanderer ermöglichte es, sie dem Ziele ihrer Reise näher zu bringen. Zweitens nach den objektiven Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft. Hier handelte es sich im wesentlichen darum, arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen — und dies war die überaus große Mehrzahl — der deutschen Volkswirtschaft nutzbar zu machen, sie dem deutschen Wirtschaftsleben einzugliedern, auch wenn sie die Absicht hatten, sehr bald Deutschland wieder zu verlassen. Hier leistete das fast gleichzeitig mit dem Arbeiterfürsorgeamt geschaffene jüdische Arbeitsamt wertvolle und gute Arbeit. In engster Zusammenarbeit mit dem Arbeiterfürsorgeamt wurde ein Netz von Provinzstellen geschaffen, das sich hauptsächlich mit Arbeitsbesorgung für die Wanderer befaßte. Diese Tätigkeit mußte sich je nach Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse immer wieder umstellen. So galt es z. B. in den Jahren 1920 und 21, als sich ein fühlbarer Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern in Deutschland bemerkbar machte, jüdische Arbeiter dieser Tätigkeit zuzuführen, ein Experiment, das sehr gut gelang, in den späteren Jahren jedoch in großem Maße nicht mehr durchgeführt wurde, Hfl Hip Rpcrliäf+irrtincfcmÄcrli^l-il^oitoti in Aar m.» —i — Vä»> *ww ^-ä.Äüi 5.A m Jli^w ik M w t^ii »^ÄJ *s. WA V AA£ V4VÄ Industrie lohnender und besser waren. Aehnlich lagen die Verhältnisse in der Schwerindustrie des Ruhrgebietes, wo in den Jahren 1920, 21 und 22 ein Bedarf an Arbeitskräften vorhanden war. Trotz der schwierigen und so oft schikanösen Bestimmungen für die Beschäftigung ausländischer Arbeiter gelang es Tausenden jüdischer Wanderer, im Industriegebiet festen Fuß zu fassen und durch eigene nützliche Arbeit für ihren Unterhalt zu sorgen. Aus Zeugnissen von Arbeitgebern und Gewerkschaften, die in großer Zahl vorliegen, ist zu ersehen, daß die jüdischen Wanderer, sobald ihnen eine Möglichkeit geboten wurde, sich als arbeitende Menschen dem Produktionsprozeß und der Wirtschaft einordnen konnten. Erfolge auf dem Gebiete der Hilfe durch Arbeit konnten nur dadurch erzielt werden, daß die Menschen, die diese Arbeit leisteten, sich ihrer Aufgabe voll und ganz widmeten, in engster persönlicher Beziehung zu den Objekten der Hilfstätigkeit standen und immer bemüht waren, den Arbeitsplatz in ein Verhältnis zu dem Menschen, der ihn einnehmen sollte, zu bringen. Es muß anerkannt werden, daß die Idee „Hilfe durch Arbeit" sich über den Kreis der an dieser Tätigkeit interessierten Menschen hinaus viele Freunde erworben hat und daß insbesondere die jüdischen Gemeinden des Ruhrgebietes und des Rheinlandes sehr bald erkannt haben, daß die Arbeitsbeschaffung die einzig mögliche und rationellste Wanderfürsorge sei. Der Kreis der oben geschilderten Wanderfürsorge umfaßte nicht nur ausländische Wanderer, sondern auch einen großen Teil in Deutschland geborener Juden, denn auch für sie wurde es als falsch und unsinnig o erkannt, sie von einer Fürsorgestelle zur anderen zu schicken. Sie mußten, wenn sie T~\ « _ _ _L A _ ______. 11 ihf pis,p]ifi!Pf ^tutziiti *-f Pin Pf p ijifKf if L^P^TPi in Anspruch nahmen, genau ihr Reiseziel angeben, das auch sehr oft, falls die Angaben nicht klar waren, nachgeprüft wurde. Erst nach Feststellung, ob die Reise Zweck hat und nicht ziellos sei, wurde Reiseunterstützung erteilt, aber auch hier wurde danach gestrebt, am Orte, an dem der Fürsorgebedürftige vorsprach, Arbeitsmöglichkeit zu schaffen und ihn nicht dadurch zu erledigen, daß man die Sorge für ihn der nächsten Gemeinde überließ.

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