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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 108

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 108 (sequence 18)
Language
German
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— 108 ~ kassen waren gefestigt und zu einem wichtigen Bestandteil der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland geworden. Die ersten Monate nach Ausbruch des Krieges brachten den Provinzialkassen, insbesondere in den großen Städten, einen außerordentlich großen Zustrom von ausländischen Juden, die vom Kriege in Deutschland überrascht wurden und nun bestrebt waren, auf Umwegen in ihre Heimat zu gelangen. Mit dem Jahre 1915 hörte aber jede oder fast jede Tätigkeit der Zentrale und der Provinzialkassen auf und zwar nicht infolge eines Versagens der Organisation oder des Fehlens von Geldmitteln, sondern lediglich deshalb, weil der Krieg den Typus des Wanderarmenbezw. Wanderbettlers und des Arbeitssuchenden vernichtet hatte. Arbeitsfähige und arbeitswillige Männer, die in Deutschland beimatberechtigt waren, fanden, soweit sie nicht zum Heeresdienst eingezogen wurden, genügend Beschäftigung, ebenso auch jene Ausländer, die früher in Oesterreich oder Ungarn heimatberechtigt waren. Dieser Zustand änderte sich auch nicht während der ganzen Kriegszeit. Die Zentrale versuchte wohl im Jahre 1916 eine Neubelebung der Organisation herbeizuführen, was ihr aber nicht gelingen konnte, da keinerlei Notwendigkeit für ihre Tätigkeit gegeben war. Anläßlich einer neuerlichen Umfrage, die zum Zwecke der Neubelebung der Provinzialkassen Ende 1917 angestellt wurde, ergab sich, daß auch damals noch kein Bedürfnis für die Belebung der Organisation vorhanden war. Selbst die größte der Kassen, die Durchreisekommission der Jüdischen Gemeinde Berlin, gab zur Antwort, daß sie keine Veranlassung sehe, die Tätigkeit im früheren Sinne aufzunehmen. Aehnlich lauteten die Antworten der meisten anderen Provinzkassen. Nach Beendigung des Krieges machte die Zentrale wieder ernsthafte Anstrengungen, um eine Reorganisation durchzuführen. Diese Anstrengungen blieben jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Der Krieg und seine Folgen, der Umsturz, der Zerfall der Staaten im Osten hatten neue Verhältnisse geschaffen, neue Elemente nach Deutschland gebracht. Es war nicht mehr möglich, mit den Methoden und mit den geringen Mitteln der Vorkriegszeit die komplizierte Frage des jüdischen Wanderwesens in Deutschland zu bearbeiten, Die Geschichte der jüdischen Wanderfürsorge in der Nachkriegszeit ist identisch mit der Geschichte des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands, denn diese Institution, von den zentralen Organisationen des deutschen Judentums schon während des Krieges geschaffen, war es, die sich der Interessen der nach Deutschland gebrachten und später eingewanderten Ostjuden annahm und ihnen ihre Fürsorge sowohl in rechtlicher als auch in sozialer Hinsicht angedeihen ließ. Ueber das Arbeiterfürsorgeamt. seine Gründung, * O' Organisation und seine Leistungen soll bei anderer Gelegenheit berichtet werden. Die Versuche der deutschen Zentrale zur Belebung ihrer Organisationen scheiterten immer wieder daran, daß sie es nicht recht- »r/\<+< /v •€ t r\+»r+4"r% *-» *A y\ «-» t-» .«-» 4. *\ -f» a ■« •* i*i C* a s Z*£Zi LiH V CiäLdilü €" 11 naL yyri O*1 L^Ll1 ib£25* - . . _ - gründen dazu nicht in der Lage war, sich der während des Krieges nach Deutschland gekommenen Ostjuden anzunehmen. Das deutsche Judentum aber konnte der Schutzlosigkeit der Ostjuden nicht länger untätig zusehen und war gezwungen, neue Organi- OCiitnnPn Hia HiACAm 7\iraf*lr Anrcnroohon tii »JS^, ^ii j viiv VtlVOVAU <u rv vviv vixiouiuv^uva) M gründen. Das Zusammentreffen von zwei Organisationen auf einem Arbeitsgebiet, das beide für sich in Anspruch nahmen, mußte zu

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