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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 107

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 107 (sequence 17)
Language
German
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— 10? — folgerung unverkennbar darauf hin, daß die Meinung von dem engen Kausalnexus zwischen Selbstmord und psychischer Veränderung im jüdischen Altertum bereits sehr verbreitet war. Von allen Erklärungsversuchen für die Häufigkeit des Selbstmordes bei den Juden der Gegenwart ist derjenige, der auf die jüdische Eigenart Bezug nimmt, der einleuchtendste. Wohl weisen auch die Untersucher, die sich mit der vorliegenden Materie beschäftigt haben, auf die namentlich durch den erschwerten Daseinskampf und durch das Genußleben der Großstadt hervorgerufene Zerrüttung des Nervensystems der Juden hin. Aber sie übersehen dabei meistens, daß es weniger die exogene Schädigungen sind, die den Boden für die Flucht aus dem Leben ebnen, als jene Störungen, die auf Grund einer von Haus aus krankhaften Anlage entstehen. Für solche von der Natur stiefmütterlich bedachten Persönlichkeiten schafft der Kampf ums Dasein begreiflicherweise viel größere Reibungsflächen. Mit dem eng begrenzten Gesichtskreis ihrer psychischen Minderwertigkeit finden sie dann aus einer momentanen Zwangslage keinen Ausweg und aus einem immer stärker werdenden Insuffizienzgefühl entspringt der Gedanke und reift der Entschluß, das Leben freiwillig zu beschließen. Ich habe vor Jahren den Nachweis erbracht, daß die Juden gerade an den psychischen Störungen besonders stark beteiligt sind, die erfahrungsgemäß Selbstmordneigung im Gefolge haben, so vor allem bei den konstitutioneilen Verstimmungszuständen, bei den Melancholien des Rückbildungsalters, den mannigfachen Psychopathien mit depressivem Einschlag und den Persönlichkeiten mit labilem seelischem Gleichgewicht. Betrachtet man also die Frage des Selbstmords bei den Juden mit der Lupe des Psychiaters, so verliert sie viel von dem rätselhaften, das ihr bisher noch anhaftete. An der hier vertretenen Auffassung ändert auch nichts der Hinweis auf die nicht seltenen Fälle, in denen der Tod aus Heroismus oder im Kampf für eine höhere Idee gesucht und gefunden wird. Denn wir wissen ja aus vielfältigen Erfahrungen, daß weder Heroismus O O ' noch Begeisterungsfähigkeit Kriterien für die Intaktheit der Psyche bilden. Mit den obigen Konklusionen ist das Problem sicherlich noch nicht restlos gelöst; es wird weiterer gewissenhafter Untersuchungen bedürfen, bis von der Materie, die uns in vorstehendem beschäftigte, die letzten Schleier gefallen sind. ____I S. 1.1-1... I_1»H_,*..A Die jüdische Wunserifiriorge in yemssniüna im lernen janrzeni. Von Sch. Rudel, Berlin. Die Entwicklung und Organisation der jüdischen Wanderarmenfürsorge in Deutschland, über die Dr. Jakob Segall im letzten Heft dieser Zeitschrift ausführlich berichtet hat, wurde mit Ausbruch des Krieges jäh unterbrochen. Wiewohl diese Organisation in ihrer damaligen Form im Jahre 1914 erst wenige Jahre bestand und wesentliche technische und organisatorische Mängel zu bewältigen hatte, war sie vor Ausbruch des Krieges jedoch so weit, daß man bereits von einer einheitlichen Bearbeitung dieses schwierigen Problems in ganz Deutschland sprechen konnte. Die Organisation der Zentrale und der verschiedenen Provinzial-

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