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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 104

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 104 (sequence 14)
Language
German
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- 104 - der Juden in die Großstädte, die vor einigen Jahrzehnten eingesetzt und zur Auflösung zahlreicher blühender Kleingemeinden geführt hat, birgt zweifellos nicht zu unterschätzende Gefahren in sich. Sie würden besonders in die Augen fallen, wenn jemand den lohnenden Versuch unternähme, die Gesundheitsverhältnisse der Juden auf dem Lande mit denen in der Großstadt einer vergleichenden Betrachtung zu unterziehen. Tatsächlich vergehen oft Jahre, bis man einmal von dem Selbstmord eines Juden auf dem Lande hört, während in der Großstadt der freiwillige Tod in jüdischen Kreisen längst keine ungewohnte Erscheinung mehr ist. G. von Mayr findet den Urgrund der höheren Selbstmordziffer der städtischen Bevölkerung in ihrer sozialen Differenzierung. Die sozialen Gegensätze, die bei den Juden schon vor dem Krieg derart ausgesprochen «fofurr rS^fü £*\t* O. V- "XvlHI Irl Ol ri Qfür waiviij V4.au vm an juaui iimn v,x ruciuvi v*j. Mittelstand das Zünglein an der Wage zwischen arm und reich bildete, haben auch in der Nachkriegszeit nichts von ihrer Stärke verloren. Ueberau da, wo die Juden in großen Massen unter gleichen oder ähnlichen Verhältnissen bezw. einem auch noch so leichten Druck leben, wie auch heutzutage noch in den östlichen Ländern, werden wir weniger vom Selbstmord bei ihnen hören, Beweis genug, daß das Leben in der Großstadt ihnen nur unter dem Gesichtspunkt des beruflichen und gesellschaftlichen, die sozialen Gegensätze verschärfenden Sichauslebens gefährlich wird. Dies führt uns bereits zum zweiten Punkt, der für die Selbstmordhäufigkeit bei ihnen verantwortlich gemacht wird, der einseitigen beruflichen Gliederung. Gesetzliche Ausnahmebestimmungen und gesellschaftliche Aechtung haben in früheren Dezennien die Juden in bestimmte Berufe gedrängt und so eine künstliche Einengung ihres Betätigungsfeldes geschaffen. Da sie nicht für würdig befunden wurden, Staat und Kommune ihre Dienste zu leisten, und der Beschäftigung in der freien Natur durch den Jahrhunderte dauernden Druck entfremdet waren, blieben ihnen nur die sog. freien, insbesondere die kaufmännischen Berufe übrig. Hier konnten sie im freien Wettbewerb ihre Kräfte entfalten und hier haben sie auch Bedeutendes geleistet. Der jüdische Handelsgeist ist ein künstlich gezüchtetes Gebilde, entstanden auf dem Boden der Mißgunst, des Vorurteils und des Rassenhasses. Das große Wettrennen nach Reichtum und Besitz verlangte bei den kaufmännischen Berufen mehr wie anderswo den Einsatz der Persönlichkeit; das Bestreben, die Chance auszunützen, führte zur Spekulation. Auf diesem Wege entstand Reichtum, der über Nacht wieder verflogen war; wer sich am Abend noch im Bewußtsein einer mit Glücksgütern gesegneten Existenz niederlegte, konnte am Morgen nach dem Erwachen die Entdeckung machen, daß er innerhalb weniger Stunden bettelarm geworden war. Die Inflations- und die Nachkriegszeit liefern für diese Tatsarhp drastische Belege. Berufe " " " — w O dieser Art wirken zermürbend, sie bringen mit den wirtschaftlichen auch die seelischen Schwankungen und so ist es nur zu begreiflich, daß gerade solche Berufe auch eine besonders hohe Seibstmordquote aufä •» o « s -ä $ «« ttTAi *"*« * ä / « -s» s-e r r\ ir jtt r\ v-t itirS «itiö r-i °r i r \ «s fFi « y=i *"v w ciDcn. vv ii wciuch aioKj \~in<. j~>in.iai un^ der höheren jüdischen Selbstmordziffer in der vom hygienischen Standpunkt aus denkbar ungünstigen Berufsgliederung zu suchen haben. Die vergleichende Betrachtung lehrt weiterhin, daß die Erhöhung der kulturellen Stellung eines Volkes oder einer Gemeinschaft die Steigerung der Selbstmordgefahr mit sich bringt. Die höhere Bildungsstufe ist ja einer der Gründe der stärkeren sozialen

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