Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 98 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2650397-2650398-2650402--5176-2650570
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 98 — einen weiteren Gipfelpunkt. Die bessere Besetzung der höheren Altersklassen bei den Juden erklärt sich daraus, daß sie relativ weniger Kinder und mehr Erwachsene besitzen als ihre andersgläubigen Nachbarn, Neben diesem ganz verschiedenen Altersaufbau erreichen die Juden bekanntermaßen Tabelle 3. Alter Evangei. m, j w. j S18, Katholiken mj w, j Juden m.lw 1 7iss •"" 1 Ge~ samtzahl unter 10 J. — 11—20 i*r\ OU r>P"* LI MCI H ft i A V» io f\Ck c& r* o ■1 JL T 1 a r\& iUU 21-30 63 62 125 30 29 59 11 6 17 201 31-40 pe»^fc Od 38 97 27 11 38 4 6 10 140 41-50 69 43 112 35 20 55 8 5 13 180 51-60 92 32 124 26 8 34 11 6 17 175 61-70 57 19 76 24 10 34 7 5 12 122 71-80 30 15 45 8 2 10 3 4 n i 62 über 80 J. 4 — 4 1 JL 2 3 2 — 2 9 zusammen 424|236|660|l58| 97|25ö| 52| 331 85 1000 im Durchschnitt ein etwas höheres Lebensalter. Eine Sonderbetrachtung nach Geschlechtern ergibt beim Altersaufbau wenig Charakteristisches, bei den Juden besonders deshalb, da die Zahlen, um die es sich hier handelt, zu klein sind. Die Berufsstatistik lehrt, daß Gebildete sich im allgemeinen weit häufiger töten als Ungebildete, In den Ländern, die eine starke Analphabethenziffer aufzuweisen haben, sind erfahrungsgemäß die wenigsten Selbstmörder zu verzeichnen. Die auffallend hohe Selbstmordquote bei den Juden wäre demnach u. a. auch auf ihre durchschnittlich höhere Bildungsstufe zurückzuführen. Weiterhin beobachtet man, daß die bäuerliche Bevölkerung weniger Neigung zu Selbstmord hat wie der Städter. Das enge Verwachsensein mit der Scholle, das zur Folge hat, daß sich die Lebensweise in einfacheren und ungezwungeneren Formen absoielt. wirkt demv ä > nach selbstmordhemmend. Eine Selbstmordstatistik, die sich auf ein ausschließlich großstädtisches Material stützt, wird daher auch nur wenige Fälle unter dieser Kategorie zu verzeichnen haben. Da für die Juden vorerst noch in der Landwirtschaft in Deutschland wenigstens nur wenig Raum vorhanden ist, gehen sie auch der Vorteile verlustig, die aus der Beschäftigung in der freien Natur für die körperliche und seelische Widerstandsfähigkeit entspringen. Hingegen sind die Juden besonders stark unter den Berufszweigen vertreten, die durch das Rennen und Jagen nach Erwerb, durch das wechselvolle Spiel der Konjunktur, zumal in dem vergangenen Jahrzehnt mit seinen gewaltigen Veränderungen auf wirtschaftlichem Gebiet, die Nervenkräfte besonders stark absorbieren, das sind die kaufmännischen Berufe. Mehr wie die Hälfte der jüdischen Lebensflüchtigen gehörte dieser Gruppe an. Nächstdem waren es die freien Berufe (Arzt, Anwalt usw.), die bei den Juden verhältnismäßig hohe Zahlen aufzuweisen haben. Im allgemeinen lassen sich Vergleiche nur schwer ziehen, da die Berufsgruppierung bei den Juden eine wesentlich verschiedene ist von den christlichen Glaubensbekenntnissen. Fast noch größer sind die Unterschiede, wenn wir das weibliche Geschlecht berücksichtigen. Von den 333 nichtjüdischen Selbstmördern waren 123 berufstätig, während unter den 33 Jüdinnen nur 6 im Erwerbsleben standen. Die Auffassung, daß die Zunahme des Selbstmordes bei den Frauen mit ihrer stärkeren Teilnahme am Kampf ums Dasein zusammenhänge, trifft demnach nur bei den Nichtjuden zu. Immerhin sei die Möglichkeit zugegeben, daß die relativ hohe Selbstmordziffer der jüdischen Weiblichkeit aus der Unfähigkeit, sich in einer schwierigen Lage umzustellen, hergeleitet werden kann. Unter den nichtjüdischen Selbstmörderinnen stellen die Dienstmädchen bezw. das Hauspersonal ein auffallend hohes Kontingent. Vielleicht ist hierfür die Erklärung darin zu suchen, daß 8 O *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.