Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6 (August 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 95 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2650397-2650398-2650402--5173-2650567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«a — 95 ~ Tabelle 1. 1914 4 r\-t ixmo 1916 1917 1918 1919 1920 1921 1922 1923 zusammen 82 66 53 47 47 51 77 83 67 93 /■* /i% ä 00® Katholiken 30 25 29 22 13 22 29 36 22 28 fkr- 4 2cHt 12 6 5 5 m 14 13 5 6 10 fiß Freireligiöse. And. Sekten — 1 3 2 3 —. 1 1 4 1 16 Religion unbekannt . . . 6 2 2 2 2 — 3 10 3 2 32 Zusammen J 130 100 92 78 75 87 123 135 102 132 1054 Tab eile 2. 1914 1915 1916 1917 1918 1919 1920 1921 1QOO JLUtmltaä •iQOQ XOÜU evangelische Katholiken . Juden . . . 63 Zö 9,2 66 25 6 57,6 81,5 5,4 60,2 28,2 M 62,6 17,2 13,3 58,5 25,3 16 62,6 23,6 10,5 61,4 26,6 3,7 65,7 20 5,9 70,4 i&s 7,6 Will man diese Zahlen richtig einschätzen, so vergegenwärtige man sich, daß die Bevölkerung Frankfurts nach der letzten Volkszählung (1910) sich zu 60,4 % aus Protestanten, 31,3 % Katholiken und 6,3 % Juden zusammensetzte; an dieser Zusammensetzung hat sich wohl auch in den folgenden Jahren nicht viel geändert; sicherlich nicht bei den Juden, bei denen eine vermehrte Zuwanderung reichlich ausgeglichen wurde durch die zahlreichen Eingemeindtingen relativ judenarmer Vororte, Der Prozentsatz der Lebensmüden entsprach in den einzelnen Jahrgängen bei den Juden und Protestanten nur ausnahmsweise ihrer Bevölkerungsquote. Er hat letztere meist überschritten; während aber bei den Protestanten sich die Zahlen nur wenig vom Mittel entfernen, finden wir bei den Juden auffallend starke Schwankungen, die einen Anstieg der jüdischen Selbstmorde in manchen Jahren auf das Doppelte und mehr ihres prozentualen Anteils an der Seelenzahi erkennen lassen. Man könnte diese Tatsache auf die relativ kleinen Zahlen zurückführen, mit denen wir es hier zu tun haben, wenn die Landesstatistik nicht die gleiche Sprache reden würde. Bei den Katholiken blieben die entsprechenden Zahlen fast durchweg hinter dem Mittelwert zurück. Die Zahlen des Jahres 1914 geben uns wohl im großen und ganzen noch das Bild der Friedensstatistik- Bei den Juden sehen wir in den nächstfolgenden, den ersten Kriegsjahren einen deutlichen Rückgang der freiwilligen Todesfälle, ganz entsprechend den früheren Erfahrungen, daß die Selbstmorde in Kriegszeiten abnehmen. Ich habe für diese Tatsache andernorts die Erklärung darin gesucht, daß überall da, wo die Massen von einer großen Idee bezw. dem Schwung nationaler Begeisterung getragen werden, der Gedanke an das eigene Ich zurücktritt. Für viele mag auch das Leben erst dann an Wert j «yp\ir!11*if*ti^ iifptifi wtP itn pifinpcrp riis^ t ipj||jhjTb es zu verlieren, in greifbare Nähe rückt. Jedenfalls bestätigen die Ereignisse in Frankreich 1830 und 1848, in Deutschland 1848, 1866 und 1870 die aligemeine Erfahrung, daß politisch bewegte Zeiten für die Lebensmüdigkeit und Lebensflucht einen ungünstigen Nährboden bieten. Diesem Gesetz folgend, bewegen sich die Zahlen bei den Juden Frankfurts in den ersten Kriegsjahren unter, bezw. nur wenig über dem Mittelwert, bis zum Jahre 1918, das