Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 93 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2650397-2650398-2650402--5171-2650565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

den Tod. Auch hier sind es Mord und Selbstmord, die die Wege der Kreuzfahrer blutig zeichneten. Die Gemeinden von Trier, Worms, Mainz und Köln, über die der Sturm dahinbrauste, wurden auf diese Weise fast aufgerieben. Besonders das schwache Geschlecht tat sich durch rühmliche Beispiele von Selbstaufopferung hervor. Bei der Judenverfolgung des Rindfleisch (1298) kamen zahlreiche Juden in Franken und Bayern durch eigene Hand ums Leben. Desgleichen bei jenen Volksbewegungen, die 1359 durch den schwarzen Tod ausgelöst wurden. Aber nicht nur in Deutschland hatte der Glaubenshaß Massensterben und Lebensflucht unter den Juden zur Folge, auch in anderen Ländern hatten gleiche Ursachen gleiche Wirkungen hervorgerufen; so bei der Vertreibung der Juden durch den Bischof von Limoges 1010, so bei den Ausschreitungen des Pöbels, die sich an die Krönungsfeierlichkeiten von Richard Löwenherz in London und York anschlössen; so endlich bei den blutigen Verfolgungen in Spanien 1391 und in Oesterreich 1420/21. Auch in der späteren Leidensgeschichte der Juden sehen wir immer wieder, daß sie den körperlichen und seelischen Qualen, die bei der Gefangennahme drohen, durch freiwilligen Tod zuvorzukommen suchen. T T _ - - . ==jf - iS -§ \f f^iCs^ «riffshgHß« W r\ \ iK Qff^i ü^*-^ «■ < .4"? r _ - v** ilCtilliJcaI i^Il A L'OLlii\J'i.'\l*wi ii j Li*_ii scher Provenienz steht an der Schwelle der Neuzeit ein Mann, von dem der Dichter ein freundlicheres Bild gezeichnet hat als der Geschichtsschreiber, Uriel da Costa; er entleibte sich 1640 durch einen Pistolenschuß. Solange die Juden in Ghettos hausten, war der Selbstmord bei ihnen eine verhältnismäßig seltene Erscheinung. Die Schicksalsverbundenheit die sie in Leid und Freud zusammenschweißte, ließ bei dem Einzelindividuum für den Gedanken an die Lebensfiucht so gut wie keinen Raum. Die Statistik des Selbstmords ist eine Errungenschaft der letzten 100 Jahre. Seit dieser Zeit begann man in allen Kulturstaaten Tabellen anzulegen über die Zahl derer, die ihrem Leben freiwillig ein Ziel setzten. Seit etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts besitzen wir aus einzelnen Staaten auch eine brauchbare ürr * r\*^ or»4-rt +i r»4«\r . V» e*r*V**%it4-n** j4 < ä liuinLooiv/nooiaudun.. 111 iui ai.uijiii.cii uic Juden zunächst gut ab, indem sie an Zahl weit hinter den christlichen Konfessionen zurückblieben. Schon in den 60 er jähren des vorigen Jahrhunderts änderte sich dieses Bild dadurch, daß sich die Juden allmählich zwischen Katholiken und Protestanten einschieben. Zu Ende der 90 er Jahre des vorigen, spätestens zu Anfang dieses Jahrhunderts, stehen sie inbezug auf Selbstmordhäufigkeit an erster Stelle, zunächst in den süddeutschen Ländern, dann auch in Preußen. Vergleichen wir die Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit dem Durchschnitt der Jahre 1901—1907, so ergibt sich eine Znnahme der jüdischen Selbstmorde, die in Preußen mehr wie das sechsfache, in Bayern das 2 7a fache, in Württemberg und Baden etwa H«e Q inr*\~i o Kr»4^örri \X7'/\11o*-b r«rir HtPSf* \/p>T- UuO Üid^iJ^ kJ^Kl U.^ L. ¥¥ üiA^ii YY II UI«wO^ Vtl" hältnisse mit Zahlen belegen, so brauchen wir nur auf die früheren Jahrgänge dieser Zeitschrift zu verweisen. In Bayern kamen 1Q1 A 1 AA ÄAA f, ^----£-1- ^Ä4-»* Oä_ kULXJ clUl! I\J\J \J\J\J r\il^\*ii\Jlij^K, Uva U^li* L?%^~ kenntnisses: bei den Katholiken 10,4, bei den Protestanten 24,4, bei den Juden 29. In Preußen 1911: bei den Katholiken 10,8, bei den Protestanten 26,1, bei den Juden 31,5 Selbstmorde. In Elsaß-Lothringen, wo die Verhältnisse zunächst noch etwas günstiger liegen, 1911: bei den Katholiken 10,6, bei den Protestanten 26,4, bei den Juden 13,1. Schon das darauffolgende Jahr brachte eine Verschiebung in der Richtung, daß bei den Katholiken 14,8, bei den Protestanten 23,2, bei den Juden 22,9 Selbstmorde gezählt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.