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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-05-01 · Heft 3-4 (Mai 1924) · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 3-4 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 82 (sequence 26)
Language
German
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Die sozialökonomische Lage der Juden in Rußland von 1905 bis jetzt. Von Professor B. Brutzkus, Berlin. (Schluß.) Die Regierung hat sehr schnell eingesehen, daß die^durchgeführte Nationalisierung von Handwerk und Kleinindustrie nur ihren Zusammenbruch bewirkt hat und gab daher Handwerk und Kleinindustrie frei. Sie ging noch einen Schritt weiter und verpachtete auch mittlere Unternehmungen. Viele Fabriken wurden den früheren Eigentümern zurückgegeben, weil sich die Regierung davon überzeugte, daß sie sonst nicht funktionieren konnten. Nur die Großindustrie beschloß, die Regierung unter allen Umständen in ihrer Hand zu behalten. Aber es arbeitet die Industrie bereits jetzt nicht mehr in die allgemeine Kasse, wie dies eigentlich in einem kommunistischen Reich zu geschehen pflegt, und ihre Arbeiter werden nicht mehr durch das Reich aus der allgemeinen Kasse versorgt. Sie wird auf wirtschaftlichen Grundlagen organisiert, d. h. sie kann selbständig auf dem Markt ihre Waren verwerten, muß sich aber allein ihre Rohstoffe beschaffen und ihre Angestellten und Arbeiter aushalten. Das Prinzip der wirtschaftlichen Grundlage ist in allen Reichs- und kommunalen Anstalten systematisch durchgeführt worden. Die Neuordnung erforderte ein anderes Verhältnis zum Geldsystem. Sie verlangte die Wiedereinführung des Banksystems, die Genossenschaften und viele andere Einrichtungen der sogenannten bürgerlichen Wirtschaft. Obgleich die gemachten Zugeständnisse bedeutend waren, viel größer als man anfangs bei der Einführung des Nep gerechnet hatte, suchte doch die kommunistische Macht ihren Einfluß auf das ganze Wirtschaftsieben zu behalten. Wir sehen daher, daß die Regierung auch weiterhin die Groß- - — ö "" <J Industrie in ihren Händen behält, die Eisenbahnen, sowie die Monopole für den Außenhandel. Trotzdem sind die rechtlichen Grundlagen einer Zwischenordnung wieder geschaffen, wenn auch mit solchen Einschränkungen, die nicht die Möglichkeit zu einer umfassenden Entwickelung der kapitalistischen Wirtschaft geben. Wesentlich aber ist, daß die revolutionäre Macht, wenn auch nur vorübergehend bis zur Rückkehr zum Kommunismus, Kapitalismus und Diktatur des Proletariats miteinander verknüpfen will, ohne sich hierbei fest zu binden. So gering auch das bißchen wirtschaftliche Freiheit ist, die die Bevölkerung bekommen hat, so ist doch dadurch, wie es scheint, in dem völlig erstorbenen Lande eine gewisse Wiederbelebung wachgerufen worden. Zunächst lebte der Markthandel wieder auf, dann begann auch der Börsenverkehr sich zu beleben. Wirtschaftsbeziehungen zwischen den verschiedenen Gegenden des Landes, die durch die kommunistische Macht so radikal zerrissen worden sind, begannen sich von neuem anzubahnen. Im Norden, wo die Bauernwirtschaft durch die Mißernte von 1921 nicht gelitten hat, begannen die Bauern ihre Saatflächen zu vergrößern und versuchten sogar ihre Wirtschaft zu vervollkommnen. In den Städten ist der Handel bedeutend lebhafter geworden; die Steigerung des Handelsverkehrs hat viele Reste des russischen Reichtums, der während der kommunistischen Herrschaft verborgen worden war, wieder zum Vorschein gebracht. Die Umstellung der Großindustrie auf wirtschaftliche Prinzipien hat trotz ihres Verbleibens in den Händen der Regierung einen günstigen Einfluß auf die Psychologie der Arbeiter und der Leitung gehabt. Bei den Unternehmern ist das Bewußtsein der Verantwortlichkeit

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