Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 81 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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- 81 - 5. Bevölkerungsbilanz. Die Bevölkerungsbilanz kann nach den bereits gebrachten, zahlenmäßig belegten Angaben nur die denkbar ungünstigste sein. Stadt und Land bilden, im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung, für die Juden keinen bemerkbaren Unterschied, weil leider die Menge der Israeliten in den Städten konzentriert ist.8) Der Geburtenüberschuß ist für die Zeit nach dem Jahre 1910 für die jüdische Fortentwickelung so gering, daß man nur sehr pessimistisch in die Zukunft sehen kann. Bei der Berechnung sind die unehelichen Kinder von jüdischen Müttern im ganzen und die Kinder aus Mischehen zur Hälfte den jüdischen Geburten zugefügt worden. T a b e 11 e 28 (Berlin). Tabelle 29 (Hamburg). Im Jahre j i Geburten Sterbefälle Milit.- Pers. + Geb.-Ueb. — Sterb -Ueb. Geburten Sterbefälle Milit.- Pers. + Geb.-Ueb. — Sterb.-Ueb. 1910 1306 1180 + 126 274 — — 1911 1326 1244 + 82 282 — — 1912 1314 1244 + 70 284 — — 1913 1319 1180 + 139 308 — — 1914 1251 1235 i £< 286 296 36 — 46 1915 1064 1136 - 72 219 279 99 - 159 1916 837 1092 — 255 161 312 82 - 233 1917 641 arin 1<SÖ< — 646 151 363 91 — 303 1918 671 1390 — 719 144 361 90 — 307 1919 1010 1273 — 263 201 362 9 — 170 1920 1636 1321! Q1 K -j- U1U 318 315 — -4- 3 i w 1921 1625 1263 + 362 361 283 — + 78 1922 1326 1289 + 37 321 342 — — 21 19211) 2520 2258 + 262 19221) 2262 2542 — 280 19231) 2285 2493 - 208 *) Groß-Berlin. Die Situation, die die Zahlen offenbaren, ist eindeutig, klar und bedarf keines weiteren Kommentars. Es taucht die Frage auf und soll kurz gestreift werden: Gibt es noch einen Ausweg für das deutsche Judentum? Mischehen und Geburtenrückgang zehren am Mark der deutschen Juden. Sie sind Willensprobleme. (Auch der Geburtenrückgang4) trotz gegenseitiger Ansicht.) Der Wille hängt stark von Einflüssen der Außen- 3) Siehe meinen Artikel im Isr. Familienblatt Nr. 23. 4) Dr. Julian Marcuse: Die Beschränkung der Geburten, München 1913. Prof. Dr. Schallmeyer: Vererbung und Auslese, Jena 1910 u. a. m. weit ab. Den wirksamsten und nachhaltigsten Einfluß übt auf ihn Haus und Schule aus. Es muß deshalb der jüdischen Religion, wobei Schule und Haus Hand in Hand zu gehen haben, wieder die kulturelle Stellung eingeräumt werden, die ihr gebührt. Die großen jüdischen Gemeinden könnten auf diesem Wege noch viel mehr leisten, als es bisher geschehen ist. Gelingt es nicht, der Parole, zurück zum Judentum, den Sieg zu verhelfen, sind dem Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Deutschland keine Schranken gesetzt.