Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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stattgefunden hat, und weil man selbstverständlich, selbst wenn die Zahl der an den^ einzelnen Kassen in Deutschland abgefertigten Armen bekannt ist, noch nicht die Zahl der wirklichen Wanderarmen feststellen kann, da ja in diesem Falle ein und dieselbe Person wiederholt gezählt wird. Ferner muß man wohl unterscheiden zwischen Auswanderern, Durchwanderern und Rückwanderern und dem eigentlichen Wanderarmen, dem sog. Gewohnheitsbettler. Die Zentrale gab in ihrem 2. Rechenschaftsbericht 1913 die Zahl derjenigen Armen, welche Deutschland in den Jahren 1911 und 1912 durchzogen, auf Grund der Meldekarten mit ca. 20000 an. Sicher ist, daß die Zahl der Wanderarmen in dem Jahrzehnt vor dem Kriege beträchtlich gestiegen war. Schuld daran war die immer trostloser werdende Lage der Juden im Osten, in Polen, Rußland, Galizien, und Rumänien. Für eine Reihe von Armenkassen kennt man die Zahl der Petenten aus früheren Jahrzenten. So betrug in Bochum die Zahl der Unterstützten im Jahre 1881 825, im Jahre 1890 1083, im Jahre 1900 1757 und 1905 1948. In den darauffolgenden Jahren fand allerdings ein gewaltiger Rückgang statt, denn im Jahre 1911/12 waren es nur 643 Personen. Der Israelitische Hilfsverein Frankfurt a. M, unterstützte 1883 1385, 1890 1974, 1900 2884, 1907 3254 Personen. Auch hier ist die Zahl bis auf die Hälfte, nämlich 1687 im Jahre 1911/12 gesunken. Der Leipziger Unterstützungsverein unterstützte 1873 712 Personen, 1911 1474, die Berliner Abfertigungsstelle im Jahre 1894 3316, 1911/12 6228 Personen. Unter dem Einfluß der zentralen Wanderarmenfürsorge ist allerdings ein Nachlassen der Wanderarmenbewegung zu verzeichnen, wenn auch auf der andern Seite im Vergleich zu den früheren Jahrzehnten eine Zunahme stattgefunden hat. Eine Ausnahme bildet Bayern, wo der Wanderbeftel auch in früheren Jahrzehnten einen sehr starken Umfang hatte. Ordnet man die 29 Abfertigungsstellen, über welche der deutschen Zentralstelle Mitteilungen zugingen, nach der Zahl der von ihnen abgefertigten Personen (vom 1. 4.—31. 12. 1913), so ergibt sich folgende Reihenfolge: Berlin 6250, Cöln ca. 4000, Leipzig 3952, Kattowitz 3384, Breslau 2655, Königsberg 2628, Frankfurt 2565, Hamburg 2304, Fürth 2231, Würzburg 1473, Osterode 1320, Thorn 1240, Hannover 1183, Cassel 947, Dresden 935, Posen 784, Bochum 657, Stettin 591, Halberstadt 590, Bremen 559, Frankfurt a. O. 542, Metz 517, Plauen 422, Magdeburg 386, Strasburg i. Westpr. 289, Chemnitz 232, Soldau 157, Danzig 69, Freiberg 39, zusammen 43105. Die erste und wichtigste Unterscheidung ist die, ob es sich um Provinzarme, Auswanderer, Rückwanderer oder Wanderarme im eigentlichen Sinne des Wortes handelt. Ueberblickt man die Tabelle 1, in welcher Tabelle 1. Art der Durchwanderer. Abfertigungskasse absolut in % i N <y 1 B. > \-> o cd V-! CL Auswanderer Rückwanderer Wanderarme Provinzarme Auswanderer Rückwanderer Wanderarme Bochum Bremen Breslau Cöln Frankfurt a.O. Hamburg Hannover Metz Posen Stettin Thorn Kattowitz Osterode Soldau 20* 31 1 R 1/ 5 5 49 2 76 461 404 266 385 75 241 58 154 14 142 18 232 7 2194 997 201 292 347 170 76 232 971 405 1182 86 349 552 717 1627 760 106 300 23 250 2837 89 51 6,2 0,1 1,1 1.2 0,4 3,7 1,3 11,6 17,3 53,4 16,7 C A <-',** 46,6 132 37,2 1,1 4,2 11,4 35,3 1,3 82,7 40,4 12,7 OO Q &0,Ö 32,9 17,3 56,0 78,3 11,9 89,5 54,7 53,1 98,7 70,6 64,2 20,5 68,4 5,6 20,2 83,9 6,8 32,6 *) Familien.