Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 68 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-2650398-2650401--5145-2650538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 68 — kam hierzu die Verrechnung der beteiligten Provinzialkassen über Reise- und Geldauslagen, und die Verrechnung der Grenzbureaus mit den zuständigen Provinzialkassen über die Kosten der Heimbeförderung. Um die Kosten der Beförderung möglichst einzuschränken, war eine Reiseroute ausgearbeitet worden, welche eine Uebersicht der besten Reisewege mit den erforderlichen Kosten, enthielt. Sie enthielt die Touren von Provinzialkassen von Berlin und nach allen Grenzbureaus von diesen und Grenzstädten überhaupt zu den Großstädten in Rußland und anderen Ausländern. Ferner von Provinzialkassen nach Hafenplätzen des In- und Auslandes und noch eine Reihe wichtiger Tabellen. Zum besseren Verständnis der Wanderarmenfürsorge dürfte es angebracht sein, an dieser Stelle die Methode in knapper Form darzustellen, nach welcher in Preußen und Deutschland derWanderbettel bekämpft wurde. Anfänglich wurde versucht, auf privatem Wege Abhilfe zu schaffen, indem vornehmlich in den 70 er Jahren eine große Anzahl von Vereinen begründet wurde, mit der Aufgabe, den Haus- und Straßenbettei zu verdrängen. Da aber dieses Mittel nicht recht half, suchte man methodischer zu Werke zu o-ehen. Zunächst durch das Svstem der sos. J . o Vprnf]pp=iinasstjifiniipri" pq hprnht dies » " — r---o — w — v^"^" 5 * ~ — ~w darauf, daß ein enges Netz von Verpflegungsstationen an allen großen Straßen des Landes angelegt wurde. Die arbeitsuchenden Wanderarmen wanderten zu Fuß von einer Station zur anderen, erhielten gegen Arbeitsleistung Verpflegung und Nachtlager und sahen sich dann nach etwa vorhandener Arbeitsgelegenheit um., Fanden sie keine solche, so zogen sie zur nächsten Station weiter. Dieses System ist in neuerer Zeit zurückgedrängt worden durch das System der Wanderarbeitsstätte; letzteres beruht auf dem Gedanken, daß Stationen von arbeitssuchenden Wanderern nur an einigen wenigen größeren Orten eines Bezirks eingerichtet werden, wobei diese Wanderarbeitsstätten stets mit Arbeitsnachweisen, und diese wiederum miteinander verbunden werden. Alle mittellosen arbeitsuchenden Wanderer, die sich als solche bei einer Gemeindebehörde ausweisen, werden auf direktem Wege der nächsten Wanderarbeitsstätte zugeführt; dort erhalten sie Arbeit, und als Entgelt dafür Verpflegung und Obdach. Vor allem wird versucht, ihnen Arbeit nachzuweisen; ist solche nicht vorhanden, so werden sie, möglichst unter Benutzung der Eisenbahn, zu einer anderen Arbeitsstätte geschickt, wo sie, nach den gegenseitig ausgetauschten Nachrichten der Arbeitsnachweise, Arbeit finden können. Ist nirgends Arbeitsgelegenheit vorhanden, so werden sie einer Kolonie zugewiesen. Durch das Gesetz vom 19. Juni 1907 ist dieses System in Preußen die gesetzliche Grundlage der Fürsorge für Wanderarme geworden. Wie stand es nun um die Durch wanderer selbst, wie groß war annähernd ihre Zahl? Ist diese im Lauf der Jahre gestiegen? Wie setzte sie sich nach Geschlecht, Alter, Staatsangehörigkeit und Beruf zusammen? Das sind Fragen, welche Jeden, der für das Wanderarmenwesen Interesse hat, interessieren. Leider besitzen wir zur Beantwortung dieser Fragen für die Zeit vor dem Kriege ein recht dürftiges Material Wohl ist in den Jahresberichten der Unterstützungsvereine und später auch in Publikationen der Zentralstelle Manches zu finden. Aber eine erschöpfende Beantwortung läßt sich nicht geben. Schon die erste Frage nach der Zahl der Wanderarmen ist mit Genauigkeit nicht zu beantworten, einmal weil eine Zählung nie f <j