Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 67 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-2650398-2650401--5144-2650537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 67 — ausländischen Armen, welche ein bestimmtes Reiseziel hatten, wohin sie auswandern, zurückwandern, oder zur Kur, bezw. in ärztliche Behandlung sich begeben wollten, wurden auf kürzestem Wege weiter und zwar entweder bis zum Reiseziel oder bis zur nächsten, auf dem dorthin führenden Wege liegenden, Provinzialkasse beföidert. Für diejenigen Armen, weiche jung und arbeitsfähig waren, wurden Arbeitsstätten und Nachweise eingerichtet. Es bestand die Arbeiterkolonie in Berlin-Weißensee, die Arbeitsstätte Köln, Brockenanstalten in einer Reihe von Großgemeinden, wo jüdische Arbeiter beschäftigt werden konnten. Hannover hatte sich mit der von der städtischen Armen- ♦ fürsorge errichteten Arbeitsstätte in Verbindung gesetzt, wo sie ihre Arbeiter unterbrachte. Die Krönung des ganzen Werkes bildete die Z e n t r a 1 s t e 11 e. Sie ist eine selbständige Körperschaft mit dem Rechte einer juristischen Person und umfaßte als gleichberechtigt mit dem D. I. G. B. auch die übrigen, auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrtspflege arbeitenden Zentralinstanzen. Sie hatte die Aufgabe, das ganze Wanderarmen- und Rückwandererwesen in einer Verwaltung zu vereinen. Im einzelnen erstreckte sich ihre Tätigkeit auf folgende Gebiete: 1. Die Organisation auf die noch fehlenden Teile Deutschlands zu erstrecken und an dem Ausbau der angeschlossenen Kassen mitzuarbeiten. Die meisten der angeschlossenen Kassen umfaßten noch längst nicht alle Ortskassen und Gemeinden. 2. Die finanzielle Reglung zwischen Ortskassen und Landesverbänden einerseits und zwischen diesen und der Zentrale andererseits. Hier handelte es sich nämlich darum, bei der Einziehung der Beträge mitzuarbeiten und für die Abführung der statutenmäßig festgesetzten Beiträge der Ortskassen an die Provinzkassen und an die Zentrale mitzuwirken. 3. Einen engen Zusammenhang zwischen Grenzbureaus und zuständigen Provinzialkassen, sowie mit der Zentrale herbeizuführen. Anfänglich wurde wenig in die internen Verhältnisse der Grenzbureaus eingegriffen. Später aber wurden sie durch energische Einbeziehungen ins Meldewesen, das ohne ihre Unterstützung ein Stückwerk bleiben mußte, der Organisation einverleibt. 4. Das Meldewesen. Dies bestand in folgendem: 4—5 Mal in der Woche wurde durch das Bureau, auf Grund der Anmeldung für die „schwarze Liste" und aus den, von den meisten Provinzialkassen und später auch von den Grenzbureaus allwöchentlich, von Berlin und Frankfurter Kassenverbänden täglich, auf Karten der Zentrale erstatteten Berichten, Uebersichten von Unterstützung unwürdiger Personen zusammengestellt. Es handelte sich hierbei um Nichtjuden in größerer Anzahl, um Betrüger, die mit falschen Papieren reisten, um arbeitsfähige Personen, welche die ihnen angebotene ' *---' Beschäftigung verweigerten oder sich in der jüdischen Arbeiterkolonie, der sie zugewiesen worden waren, nicht eingefunden hatten, um unsittliche Personen beiderlei Geschlechts, um Leute, die planlos umherirrten und die ihnen vorgeschriebene Reiseroute nicht innehielten und andere Leute, welche der Unterstützung nicht würdig war. Erst durch dieses Meldesystem war die Möglichkeit einer genauen Statistik geschaffen worden. 5. Repatrierung, d. h. die Rückbeförderung von Ausgewanderten in ihre Heimat. Diese Frage hängt eng mit dem Meldesysiem zusammen, insofern es sich ja auch hier um rechtzeitige Meldung an die Kassen, um Ziel der Reise und um Benachrichtigung der dazwischen liegenden Kassen handelt. Ferner