Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 66 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 66 — papiere, des Reiseweges usw. vorzunehmen. Dem ursprünglichen Plane entsprechend sollten sie in engster Fühlung mit Arbeitsnachweisen, Arbeitsstätten und Kolonien stehen und Arbeitswillige unterzubringen suchen oder in die Berliner Arbeiterkolonie befördern. Wirklich Unterstützungsbedürftige wurden vorläufig untergebracht und entweder in die Heimat zurückgeschickt oder sonst dauernd unterstützt, Gewohnheitsbettler wurden zurückgewiesen, dagegen erhielten die zur Beförderung geeigneten Leute eine Abfertigungskarte, auf Grund deren eine dem Reisezweck und den Bedürfnissen entsprechende Unterstützung von den dazu bestimmten Provinzialkassen gewährt wurde. Die Grenzbureaus führten eine genaue Statistik. Besondere Bestimmungen waren für mittellose Rückwanderer getroffen. Die arbeitsfähigen jungen Leute sollten über die Grenze geschickt werden; gesunde Frauen und Familien mit erwachsenen Kindern wurden bis zur nächsten größeren Stadt des Auslandes befördert, kränkliche Personen, schwache Frauen mit hilflosen Kindern bis in die Heimat. Provinzialkassen existierten in Ostpreußen (Sitz Königsberg), Westpreußen (Sitz Thorn), Pommern (Sitz Stettin), Berlin, wo die Kommission zur Unterstützung hilfsbedürftiger durchreisender Juden von der jüdischen Gemeinde die Aufgaben erfüllte, Brandenburg- Bromberg (Sitz Frankfurt a. O.), Regierungsbezirk Posen (mit Posen), Breslau-Liegnitz (Sitz Breslau), Sachsen - Thüringen - Anhalt (Sitz Magdeburg), Hannover-Braunschweig (Sitz Hannover), Westfalen (Sitz Bochum), Rheinprovinz und. Birkenfeld (Sitz Köln), Reg.-Bez. Gassei und Fürstentum Waldeck (Sitz Cassel), Hessen-Nassau und Großherzogtum Hessen (Sitz Frankfurt a. M); Zentral- \ / ' verband Fürth, Nürnberg (Sitz Nürnberg), Königreich Sachsen (Sitz Leipzig), Hamburg, Bremen mit dem Emdener Bezirk, Lothringen (Sitz Metz). Noch nicht vollkommen ausgebaut war die Organisation in Süddeutschland. Solange der Süden nicht nach dem Muster der Kassenorganisation Norddeutschlands organisiert und der Zentrale angegliedert war, blieb sowohl den Gewohnheitspetenten wie auch allen Durchwanderern nach dem Westen die Gelegenheit ohne strenge Prüfung ihr Ziel zu erreichen. Es waren Bestrebungen im Gange, die um den Frankfurter Hilfsverein gruppierten Kassenverbände zu veranlassen, in engere Gemeinschaft als bisher mit der Zentrale zu treten. Die Wünsche der Zentrale liefen hin auf eine Konzentrierung der Abfertigung in Frankfurt a. M., auf Durchbeförderung bis zum Sitz der großen Nachbarkassen, sowie auf eine Handö , habung des Meldewesens. Auch in Baden, Süd-Bayern, Elsaß, Württemberg fehlte es noch an einer analogen Organisation wie in Norddeutschland und an einem Anschluß an die Zentrale. Ferner klaffte in Oberschlesien eine Lücke. Hier spielte die Behandlung der Grenzarmen eine wichtige Rolle; das sind jene Armen, welche in regelmäßiger Zeitfolge über die Grenze kommen, in Deutschland eine Unterstützung empfangen und dann heimkehren. Es bestand die Befürchtung, daß diese Armen sich nicht auf das Nachbargebiet beschränken, sondern wie Wanderame gewöhnlicher Art ganz Deutschland heimsuchen. Die Aufgaben der Provinzialkassen bestanden in folgendem: Jeder inländische Wanderarme wurde auf kürzestem Wege in seinen Heimatsort zurückbefördert, und durch Beschäftigung oder Geldunterstützung der zuständigen jüdischen Gemeinde oder kommunalen Armenpflege wnrHp Fürsorge abtroffen, daß er außerhalb J seines Heimatsortes keinerlei Unterstützung in Anspruch zu nehmen brauchte. Alle