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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-05-01 · Heft 3-4 (Mai 1924) · p. Seite 64

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 3-4 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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- 64 — willigen endlich zerfielen in beruflich vorgebildete und ungelernte Arbeiter. Als Organisation war vorgesehen: Ortsarmenkasse, Armenverband, Grenzbureau und Zentralstelle. Langsam machte die Organisation als solche Fortschritte. In Bayern nahm der Landesverein in seinem Statut als Bestimmung einer einheitlichen Reglung des jüdischen Armenwesens auf und machte den Versuch, energischer als bisher, einen bayerischen Armenverband zu begründen. Besser ging es in Württemberg, wo sich ein Verein mit Stuttgart als Vorort bildete. Es bestanden also bereits in Süddeutschland Verbände mit dem Sitz in Fürth, Nürnberg, Bamberg, Stuttgart und Frankfurt. Jeder Verband umfaßte eine größere Reihe von Gemeinden. Im Westen war Köln Vorort des rheinischen Verbandes, der eine besonders günstige Entwicklung nahm. Hier wurde 1901 eine Arbeitsstätte für Arbeitswillige geschaffen, deren Wirksamkeit von gutem Erfolge begleitet war. Auch in Karlsruhe entstand ein Verband mit 12 Gemeinden. Bei dem 2. Verbandstage im Jahre 1902 verdichteten sich die bisherigen Verhandlungen in der Kommission zu den eben dargelegten prinzipiellen Grundsätzen. Von besonderer Wichtigkeit war der Beschluß, mit der Gründung' der Grenzbureaus, die. Q wie man wohl erkannte, den Ausgangspunkt der Gesamtorganisation bilden sollten, zu beginnen. Leider aber wurde der Beschluß seitens der dazu bestimmten Verbände im Osten nicht zur Ausführung gebracht. Es bedeutete dies aber keinen Nachteil, denn um diese Zeit entstand der „Hilfsverein der Deutschen Juden", welcher für seine eigenen Zwecke Grenzbureaus errichtete, die dann später in den Dienst der Wanderaimenfürsorge traten. Inzwischen drängten die Verhältnisse immer mächtiger auf eine Lösung der Frage hin. Die unglückliche Lage der Juden in den östlichen Ländern, in Rußland und Rumänien, infolge der schlimmen oolitischen Zu- / O i stände, in Galizien infolge der wirtschaftlichen Notlage, hatte große Scharen von Juden durch Deutschland getrieben, welche zwar zum überwiegenden Teil nur Durchwanderer waren, aber auch das Heer von Wanderarmen verstärkten. Dazu kam eine ganz neue Gruppe von Armen, sog. Rückwanderer, deren Zahl von Jahr zu Jahr wuchs. Alles drängte auf eine endliche Reform, und es wurde daher auf dem 2. Verbandstage im Jahre 1905 beschlossen, einen besonderen Delegiertentag aller für den Wanderbettel interessierten Vereine einberufen, der aber nicht zustande kam. x r . 1- Aui dem ö. V'erDandsiag im Jahre 1909 wurde wiederum eingehend über die Wander- Fürsorge beraten. In einem einleitenden Referat wurden nochmals mit Ausführlichkeit die bereits bekannten Verhältnisse geschildert: die Gründe für die starke Zunahme der Wanderarmen infolge der steigenden Auswanderung aus dem Osten, die Eigentümlichkeit der jüdischen Wanderarmenfürsorge im Gegensatz zur aligemeinen, welche darin begründet liegt, daß der größte Teil der jüdischen Wanderarmen sich aus Ausländern zusammensetzt; die Mittel zur Abhilfe wurden skizziert und zwar nach der negativen und positiven Seite. Als Lösung wurde gefordert: die Schaffung einer Zentralstelle, in welcher die Armen, je nach dem sie arbeitsfähig oder nicht arbeitsfähig seien, eine unterschiedliche Behandlung erfahren sollten, von der auch die Arbeitsnachweise, Arbeitsstätten, Kolonien und ähnliche Anstalten an geeigneten Orten errichtet werden sollten. Auch über den inneren Aufbau der zu schaffenden Organisation wurden bereits wertvolle Vorschläge gemacht, über das Zusammenarbeiten der

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