Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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um die bayrische jüdische Armenpflege verdienten Mannes namens Martin Lebrecht aus Nürnberg, welcher auf die in Fürth geführte „Schwarze Liste" hinwies, in welcher alle unwürdigen Wanderarmen aufgeführt wurden und die allen anderen süddeutschen Vereinen mitgeteilt wurde. Aus dieser Anregung entwickelte sich dann das Meldesystem, das wir später noch behandeln werden. Der geistige Gewinn dieses Verbandstages war die theoretische Vertiefung in das Wanderarmenproblem. Man begann zwischen ausländischen und einheimischen Armen scharf zu scheiden und es kristallisierte sich der Begriff des Wanderbettels schärfer als bisher; dies war notwendig, wenn Maßnahmen getroffen werden sollten, die verschieden waren, je nachdem es sich um die eine oder andere Kategorie von Armen handelte. Das praktische Ergebnis dieses Verbandstages war die Schaffung einer Kommission, die aus Mitgliedern der verschiedenen Bezirksverbände bestehen sollte, welche unter Leitung und Mitwirkung des Ausschusses des D. I. G. B. die Angelegenheit weiter bearbeiten sollte. Die Kommission wurde gebildet und trat 1899 zusammen. In der ersten Sitzung wurde nachstehende Resolution angenommen: 1. Die innerhalb der einzelnen Gemeinden K üvsctö H ä«H £sr! \|/nkifn H rtcA* ti?if*htii n rr Ati ÜVUiviiwiiuvii viiti.fciii wviii ■ A'-triisi-iii^V-Ä sind zu zentralisieren. 2. Bezirks verbände sollen, wo sie noch nicht bestehen, geschaffen werden. 3. Die Bezirksverbände sind zu vereinigen; der D. I. G. B. als Zentralstelle zu betrachten. 4. Die Einwanderer müssen an der Grenze festgehalten werden und die Unwürdigen zurückgeschickt werden. Die wichtigste Schöpfung der Kommission war die Begründung der Ä r b e i t e r k o i o n i e in Weißensee im Jahre 1902. Der Rentier I. L. Meyer bot der Kommission ein Terrain in Weißensee an zwecks Errichtung einer jüdischen Arbeitsstätte. Die besonderen sozialen und religiösen Verhältnisse der Juden hatten dip F.rrirhtiincr emer eigenen Arbeits- *"5 Ö ~ö Stätte als ein wichtiges Bedürfnis erscheinen lassen. Es sollten in ihr die inländischen Wanderbettler wie auch entlassene Strafgefangene bis zur Unterbringung in geeigneter Weise beschäftigt und moralisch gekräftigt werden. Ferner sollte sie den Ausländern, denen der Aufenthalt in Deutschland verboten war, als Durchgangsstation dienen, wo sie auf kürzestem Wege den Hafenplätzen zugeführt werden konnten. Der Ausschuß wandte sich an die Ica um einen Beitrag von 150000 M. zu den Baukosten. Diese wurden bewilligt und 1902 wurde die Arbeiterkoionie errichtet. In den späteren Sitzungen der Kommission wurde eifrig die Schaffung von Arbeitsnachweisen für die inländischen Wanderarmen erörtert. Ferner wurde die Errichtung von Grenzbureaus, welche die Auswanderer gewissermaßen sortieren sollte, indem die Auswanderer über das Asyl an die Häfen gebracht, die Arbeitsfähigen der Arbeiterkolonie überwiesen werden sollten, erwogen. In diese Zeit fällt die Gründung eines süddeutschen Armen Verbandes in Frankfurt a. M., der sich neben den eigenen Aufgaben des Verbandes noch weitere Ziele steckte. Er trat mit Energie für die Errichtung einer das ganze Reich umfassenden Zentralstelle ein, denn darüber wurde man sich immer mehr klar, daß zwischen den Grenzbureaus, Armenvereinen in den einzelnen Gemeinden und der höheren Organisation des Bezirksverbandes ein Zusammenschluß zu einer Zentralstelle eintreten müsse, und schon in der Kommissionssitzung 1899 hatte der Vertreter von Frankfurt a. M. diesen Plan ent-