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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-05-01 · Heft 3-4 (Mai 1924) · p. Seite 61

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 3-4 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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- 61 - gemeinen Armenpflege erhoben wurde, und ein Widerklang dieser Bestrebungen machte sich auch schon in den Verhandlungen auf dem Gemeindetage geltend. Man empfahl, sich mit politischen Behörden in Verbindung zu setzen und wegen Unterbringung von jüdischen Armen in den allgemeinen Arbeiterkolonien ins Benehmen zu treten. Nun ruhten die Verhandlungen über das Wanderarmenproblem volle 10 Jahre. Die Wanderarmenfürsorge stand wohl auf der Tagesordnung der Gemeindetage 1892, 1894 und 1896 zur Beratung, es wurde sogar beschlossen, einen allgemeinen Delegiertentag speziell für diesen Zweck einzuberufen, was indessen infolge der Interesselosigkeit der Gemeinden nicht geschah. Der Ausschuß mußte bekennen, daß es sich hier um eine der schwierigsten Aufgaben innerhalb der o deutschen Judenheit handle, deren Lösung von der Zentralstelle aus geradezu unübersteigliche Schwierigkeiten entgegenstünden. Man einigte sich endlich auf dem letzten Gemeindetage 1896 dahin, die Angelegenheit auf dem ersten Verbandstag aller Gemeinden und Organisationen eingehend zu erörtern. Inzwischen überließ man es den einzelnen Landesdistrikten und Bezirken, die Schaffung von Armenverbänden in Angriff zu nehmen. Die Frage wurde denn auch nunmehr von vip]ah Q-fnllpr* ch%q hphp=TiHp]i Ale hpQntiHprQ wichtig muß der Delegiertentag in Frankfurt a. M. im Jahre 1894 bezeichnet werden. Zu diesem Delegiertentag hatten die Gemeinden von Frankfurt Wiesbaden, Mainz, Mannheim, Heidelberg und von vielen kleinen Nachbarorten Vertreter entsendet, und es wurde auch ein Verband zur Einschränkung des Wanderbettels ins Leben gerufen. Der Verbandstag 1894 bedeutet einen wichtigen Schritt auf dem Wege zur Reform der Wanderarmenfürsorge. Von da ab kam die Sache erst in rechten Fluß, und wenn auch noch weitere 12 Jahre vergingen, bis die Lösung des Wanderarmenproblems gefunden wurde, so wurde doch ununterbrochen an ihr gearbeitet und von einer Stagnation kann nicht mehr die Rede sein. Der damalige Leiter des Arbeitsnachweises o der Berliner Logen hielt ein eingehendes Referat über die Behandlung der Wanderarmen in den einzelnen Teilen Deutschlands und beleuchtete an Hand eines reichen statistischen Materials die bestehenden Verhältnisse. Er wies nach, daß dort, wo eine Organisation bestand, der Hausbettel eingedämmt worden sei. Diese Tatsache ließ den Schluß zu, daß die Ausbreitung von Organisationen in ganz Deutschland und eine rege Beziehung unter denselben eine wesentliche Einschränkung des Hausbettels zur Folge haben würde. Mit Nachdruck betonte er, daß neben den Abwehrmaßnahmen die Fürsorge für Arbeitswilligehinzutreten müsse. Aus der Statistik ergebe sich, daß der überwiegend größere Teil der Wanderbettler im besten Mannesalter stehe und vorwiegend Handwerker, Handlungsgehilfen sei, kurz, einem Personenkreise angehöre, der wohl in der Lage sei, sich selbständig ernähren zu können. Man müßte Mittel und Wege finden, um diejenigen Wanderarmen, welche in unverschuldeter Weise ins Unglück kamen, vor der Verarmung zu retten. Dies könnte geschehen durch Errichtung von Arbeitsnachweisen und Zentralisierung derselben. Es wurde auf das Beispiel des Arbeitsnachweises der Berliner Logen hingewiesen. Auch die Errichtung von Arbeitsstätten' wurde vorgeschlagen, insbesondere an den Grenzen, wo die Wanderbettler hingelenkt werden sollten, um sie an der Weiterreise zu hindern. Es waren dies fruchtbare Anregungen, die in der Folgezeit sämtlich in die Tat umgesetzt wurden. Das Referat wurde in wirkungsvoller Weise ergänzt durch die Ausführungen eines

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