Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 59 - sehen werden, die Grundprinzipien der später geschaffenen Wanderorganisationen. Diese Beseitigung des Hausbettels sollte als natürliche Folge zur Beseitigung des Hausbetteis führen. Denn die Wanderbettler würden von selbst fortbleiben, wenn der Wanderbettel aufhören würde, ein lohnendes Gewerbe zu bilden. Von den Unterstützungskassen sollte eine Zweigkasse für Fremde errichtet werden, für gewerbsmäßige Bettler, d. h. für solche, die sich nicht über ihren Reisezweck durch amtlich beglaubigte Atteste ausweisen konnten. Sie sollten nur soweit unterstützt werden, daß sie die nächste auf ihrer Reiseroute gelegene jüdische Gemeinde erreichen konnten. Arbeitsfähigen Bettlern ist, so heißt es in dem Zirkular, bei möglichster Beschränkung der baren Unterstützung tunlichst Gelegenheit zur Arbeit nachzuweisen. Soweit sich am Orte keine bietet, sind sie zur nächsten Sektion zu befördern. Dieser ganz ausgezeichnete Organisationsentwurf fand indessen nicht genügende Berücksichtigung. Die damaligen Gemeindeverhältnisse waren für eine so ausgebildete Organisation noch nicht reif. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis die erforderlichen Grundlagen in den Ortskassen geschaffen wurden, und der Organisationsgedanke in den Gemeinden festen Fuß gefaßt hatte. Nur in Bayern machte man schon damals Ansätze zu einer Reform. In F ü r t h wurde ein Verein zur Beseitigung des Wanderbettels gegründet. Seine Satzungen bildeten den Ausgangspunkt für analoge Bestimmungen in den folgenden Zeiten, ja bis in die Gegenwart hinein. Es wurde unter anderem in ihnen gefordert, die Prüfung der Personalien, Legitimationspapiere, des Reisezwecks, der Reiseroute des Umherziehenden. Fast alle in der Satzung enthaltenen Einzelbestimmungen sind später in die vom Ausschuß für die Regelung der Wanderarmenfürsorge entworfene Anweisung an die Provinzialkassen und Grenz? bureaus übernommen worden. Man kann daher sagen, daß die erste Anregung des Ausschusses nicht ohne Erfolg geblieben ist. Auch in Leipzig wurde ein Unterstützungsverein begründet, der schon im ersten Jahre seines Bestehens einen Rückgang des Wanderbettels beobachten konnte. In Bayern wurden die Bestrebungen fortgesetzt und es bildete sich sogar in der Mitte der 70er Jahre ein Bezirksverband. Die beigetretenen Gemeinden verpflichteten sich, Unterstützung nur in Ansbach, Augsburg, Bamberg, Fürth, Nürnberg und Würzhurezu geben. Die Geschäfte führte der <LZ> Fürther Wanderunterstützungsverein. Diese Organisation war geschaffen worden aus dem Gedanken heraus, die kleinen Gemeinden von der Flut der vielen Besucher zu befreien, die gerade in Bayern von Galizien und Rußland her in besonders starkem Maße kamen. Damit die Zentralkassen gut arbeiten können, hatten die kleinen Gemeinden sich ihnen untergeordnet und die Folge war denn auch, daß in Fürth allein im ersten Jahre 13 bis 14000 Gulden verteilt werden konnten. Diese Tatsache, daß sich in einem Staate bereits ein Bezirksverband mit günstigem Erfolge gegründet hatte, nahm nun der Ausschuß zum Anlasse, wiederholt die Bildung von Bezirksvereinen in den Bundesstaaten zu beraten. Ein entsprechendes Statut wurde ausgearbeitet und hervorragenden Gemeinden Mitteldeutschlands zur Meinungsäußerung zugeschickt. Die Gemeinden und bestehenden Unterstützungskassen wurden aufgefordert, dem Beispiele Bayerns zu folgen. Der geplante Verband sollte sich im Osten bis Dresden, im Westen bis Cassel, Fulda, im Norden bis Magdeburg-Hannover, im Süden bis Coburg erstrecken. Unterstützungen sollten in Vororten, wo Zentralkassen eingerichtet wurden, verabreicht werden. Als Sitze von