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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-03-01 · Heft 2 (März 1924) · p. Seite 53

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 53 (sequence 21)
Language
German
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- 53 — geringere Auswahl von Ehemöglichkeiten mit Fremden hatten. In den letzten 32 Jahren hat die jüdische Bevölkerung in Hohenzollern um 41,1 % abgenommen. Reutlinger hat auch 66 Juden, die aus den erwähnten Verwandtenehen herstammen, sorgfältig untersucht. Es waren dies alles Personen in den 40 iger Jahren und bei 28 von ihnen konnte man mehr oder weniger Krankheiten und Gebrechen konstatieren. Da aber Reutlinger keinerlei Material über nichtverwandte Ehen bringt, womit man die Resultate vergleichen kann, so läßt sich aus dieser Statistik nicht beweisen, daß gerade die Blutsverwandtschaft der Paare die Degeneration verursacht hat. Aus der Arbeit von E. Spindler: „Ueber *-l 2 U " £* r~1-=~ X/^w.irn^.^in^lAli/M^ in t\ *f Q 4 U1C llClLUl^ftCll VCMI VCiWauUlCaCiiUi m viiCi württembergischen Dörfern* (Archiv f.Rassen- und Geseüschaftsbiologie Bd. 14, Heft 1,1922) ergibt sich ebenfalls, daß die Zahl der Verwandtenehen bei den Juden viel größer ist als bei der übrigen Bevölkerung, selbst wenn sie unter denselben Bedingungen leben. Um die Frage zu beantworten, ob Verwandtenehen für die Kinder, die aus ihnen entstammen, schädlich sind, müßte man zunächst feststellen, wie oft im allgemeinen solche Ehen vorkommen, und wie oft — nach dem Verwandtschaftsgrad — verschiedene Formen solcher Ehen vorkommen. In 3 Ortschaften nicht weit von Tübingen hat Spinaler derartige Untersuchungen durchgeführt und gefunden, daß die Zahl der jüdischen Verwandtenehen 1. Grades ungefähr der angenommenen Durchschnittszahl solcher Ehen überhaupt nach den Berechnungen von Lenz entspricht. Lenz schätzt die Zahl der Verwandtenehen 1. Grades in Deutschland auf 1 % und die Zahl der Verwandtenehen 2. Grades auf 2,3 %. Hingegen war die Zahl der iüdischen Verwandienehen •r weiteren Grades bedeutend höher als die Lenzsche Durchschnittszahl. Weitere Ausführungen über diese Tatsachen macht Spindler nicht. Ganz anders betrachtet diese Fragen — der Misch- und Verwandtenehe — der Berliner Psychoanalytiker Dr. Carl Abraham. Sein Standpunkt ist ein psychologisch-medizinischer und von großem Interesse, in seiner Arbeit: „Die Stellung der Verwandtenehe in der Psychologie der Neurosen" (Klinische Beiträge zur Psychoanalyse, Internationale Psychoanalytische Bibliothek Bd. 10, 1921, S, 45-52, Leipzig, Wien- Zürich) wirft Abraham folgende Fragen auf: Gibt es spezifische Ursachen, aus denen heraus Verwandtenehen in gewissen Familien geschlossen werden? Oder werden nicht solche Ehen gerade in neuropathischen Familien geschlossen, welche eine besondere Neigung o ' für Verwandtenehen aufweisen? Es kann daher möglich sein, daß das Zusammentreffen von Verwandtenehen mit psychischen oder Nervendefekten die Auffassung veranlaßt hat, daß die Verwandtenehe die Ursache der verschiedenen Nerven- und psychischen Erkrankungen bei den in ihnen geborenen Kindern ist, während in Wirklichkeit die Ehe unter Blutsverwandten erst die Folge der bereits früher bestandenen psychischen und nervösen Defekte ist. Diese psycho-pathologische Erscheinung hat Abraham bei sehr vielen seiner Patienten bemerkt und sie auf psychoanalytischem Wege studiert. Es würde zu weit führen, hier alle psychoanalytischen Ursachen und Forschungen des Verfassers anzugeben. Wir wollen nun den folgenden Gedanken Abrahams unterstreichen, der uns durchaus richtig zu sein scheint: In vielen Fällen ist die Verwandtenehe zunächst die Folge einer gewissen neuropatischen Veranlagung und dann erst wird sie zugleich eine Ursache für die Verstärkung eben dieser Neigung. Vom gleichen psychoanalytischen Standounkt aus betrachtet Abraham auch die &

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