Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 52 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-2650398-2650400--5128-2650520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 52 — präsentieren zwei Fälle von Paarung, nämlich der Inzucht und der Kreuzung. In biologischer Hinsicht ergeben sich nach beiden Richtungen hin die gleichen Folgewirkungen. Sowohl hier wie dort werden die gleichen Vorzüge oder Fehler geltend gemacht Betrachtet man aber die Sache von historischer, soziologischer oder anthropologischer Seite, so kann man hinsichtlich beider Arten von Ehen sagen, daß sie an iinrl "f Vt t" c*f+\-% Vxö+^o -f 11 tr iVi-e-i^n ot-sf_ uüu lui ojlwii uv-ua^ii mi uao iunv.ii v-mstammende Geschlecht nicht schädlich sein können. Erstens stammen alle Menschen aus Verwandtenehen und zweitens sind alle heutigen Kulturvölker ein Produkt von einer mehr oder weniger bedeutenden Mischung verschiedener Rassen. Gewiß, Krankheiten und Gebrechen sind bei Kindern von blutsverwandten Eltern eine häufige Erscheinung. Aber das ist ganz verständlieh: bei solchen Geburten treten schärfer und deutlicher als bei allen anderen Geburten sowohl die physiologischen Vorzüge als auch die Fehler der Eltern hervor, weil alles, was an rein körperlichen Eigenschaften von den Eltern stammt, infolge der Verwandschaft verstärkt wird und sich deswegen auch stärker im Körperbau der Kinder widerspiegelt. Wenn die Eltern einen gesunden Körper besitzen, wenn nur das Keimplasma gut ist, dann wird die Verwandtenehe keineswegs dem kommenden Geschlechte schaden, im Gegenteil, sie kann sogar günstig wirken. Die körperlichen Vorzüge, die in jedem Elternpaar verborgen sind, können sich erst bei den Kindern auswirken. Damit erklärt sich auch die ausgesprochene Rasseneigentümlichkeit der Juden, weil bei ihnen hauptsächlich Inzucht stattfindet. Auch hier unterstreicht Marcuse, daß die Unfruchtbarkeit oder die geringere Fruchtbarkeit von Verwandten- und gemischten Ehen nicht etwa eine spezifische Eigentümlichkeit darstellt, sondern einfach eine Folge des Bestrebens ist, wenig oder gar keine Kinder zu haben, was in all jene Familien typisch ist, die auf einer rationalistischen und individualistischen Grundlage aufgebaut sind. Diese Arbeit Marcuses ist sehr interessant und wertvoll, nicht nur für das Studium der sexuellen Frage, sondern auch für die Erforschung der Rassenhygiene Die gleichen Fragen werden noch in zwei Werken mehr statistischer Art behandelt, deren Betrachtung sich verlohnt. Das eine ist von Wilhelm Reutlingen „lieber die Häufigkeit der Verwandtenehen bei den Juden in Hohenzollern und über Untersuchungen bei Descendenten aus jüdischen Verwandtenehen." (Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie Bd. 14, HeftS, 1922, S. 119-123.) Reutlinger hat die jüdische Bevölkerung Hohenzollerns, wo sie unter dörflichen und kleinstädtischen Bedingungen gelebt hat, untersucht. Unter der allgemeinen Bevölkerung von 70 751 Personen, darunter 405 Juden, hat er 117 jüdische Ehen gefunden. Außerdem hatte er noch statistische Mitteilungen über andere 164 Familien. Unter den 281 Fällen waren in 44 Fällen (15,7 %) die Ehegatten untereinander verwandt, in 27 Fällen (9,6 %) war die Verwandtschaft ersten Grades, in 8 Fällen (2,9 %) 2. Grades und in 9 Fällen (3,2 %) 3. Grades. Er hat ferner festgestellt, daß in Haigerloch, wo die jüdische Bevölkerung groß ist, die Zahl der jüdischen Verwandtenehen viel größer ist als in Hechingen mit der kleinen jüdischen Bevölkerung. Es hat sich ferner herausgestellt, daß im allgemeinen in der jetzigen Generation die Zahl der Verwandtenoaare £ viel größer ist als bei den früheren Geschlechtern. Die letztere Tatsache erklärt sich zweifellos damit, daß viele Familien in die Großstädte oder ins Ausland gewandert sind, so daß die zurückgebliebenen eine