Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- 51 — russische Volkswirtschaft als ein ganzer Organismus. Die Regierung, obgleich dem Adel angehörig, hatte damals doch die Möglichkeit, 150 Millionen Goldrubel für die Hungernden auszugeben. Damals war die gesellschaftliche Hilfe von Bedeutung. Die Bevölkerung konnte sich retten durch Verkauf von Inventar, durch sonstigen Verdienst. Jetzt gab es keine Volkswirtschaft, eine Veräußerung von Inventar, eine Beschaffung sonstigen Verdienstes war nicht möglich. Gesellschaftliche Hilfe war nicht vorhanden, da in Rußland alle gesellschaftlichen Organisationen abgeschafft und alle Bürger gleich arm waren. Die Regierung, die alle expropriiert hatte, war selbst arm. So war die Hungerkatastrophe vom Winter 1920/21 in Rußland so gewaltig, wie sie in der modernen Geschichte noch nicht vorgekommen ist. In dem Bestreben, auch im Herbst 1921 auf jede mögliche Weise Brot zu sammeln, um das städtische Proletariat und die Rote Armee zu unterstützen, behauptete die Regierung hartnäckig, daß die Mißernte nur das Wolgagebiet betroffen hat. Aus Neurußland suchte man mit gewohnter Strenge Getreide heranzuschleppen. Neurußland litt aber damals schon unter der Mißernte, und man nahm ihm den letzten Bissen Brot weg. Im Frühling 1922 wurde bereits ganz Neurußland vom Hunger erfaßt und die dortige jüdische Bevölkerung hat nach allem Unglück der Progrome, Bürgerkriege und soziale Umwälzungen noch alle Nöte des Hungers auskosten müssen. Die jüdische Bevölkerung der Ukraine hat sich ungeheuer verkleinert. Ganze Städtchen sind vom Erdboden verschwunden, die Einwohner ganzer städtischer Bezirke sind von Hunger, Kälte und Seuchen ausgestorben. Als der „Nep" eingeführt wurde, hat man ihn sehr eng begrenzen wollen. Er begann damit, daß man das Steuersystem änderte: Anstatt daß man den Bauern wie früher den ganzen Ueberrest der Lebensmittel wegnahm, begann man jetzt nur einen gewissen Prozentsatz der Ernte zu erheben. Den übrigen Teil durften die Bauern auf dem Ortsmarkt verkaufen. Ebenso aber wie die kommunistische Politik eine ihr eigentümliche Logik hatte, so entwickelte sich auch der freie Austauschverkehr zwangsläufig und die kommunistische Macht mußte auf dem von ihr beschrittenen Wege viel weiter gehen, als sie ursprünglich beabsichtigt hatte. Um den Bauern die Möglichkeit zu geben, den ihnen verbleibenden Rest zu verwerten, war man gezwungen, den Handel mit Lebensmitteln überall zu gestatten, und man mußte auch den Städten den Handel mit allerlei Waren erlauben. (Fortsetzung folgt.) Zur Frage der MlscHehe und Verwandtere. Von Dr. med. Raphael Becker. (Fortsetzung.) Denselben Gedanken von der biologischen Arbeit: „Der Zeugungswert der Verwandten- Einheit des ganzen Menschengeschlechtes, ehe und der Mischehe" (Zeitschrift für unabhängig von Volk und Rasse, nur noch Sexualwissenschaft Bd. 9 S. 119—123). schärfer, verteidigt Marcuse in seiner zweiten Die Verwandtenehe und die Mischehe re-