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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-03-01 · Heft 2 (März 1924) · p. Seite 49

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (März 1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 49 (sequence 17)
Language
German
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49 - raubung der jüdischen Bevölkerung, das war ihre Vernichtung. Ein furchtbarer Sturm raste durch die Städte und Städtchen von der Ukraine und von Neu-Rußland. Gleichzeitig begann in Neu-Rußland sich die Gegenrevolution unter der Anführung von General Denekin und mit Unterstützung der Entente kräftig zu entwickeln. Vorübergehend schien die Bewegung den Bolschewismus zu bezwingen. Es waren aber in dieser Bewegung mit Denekin an der Spitze starke revolutionäre Strömungen, an denen der frühere Adel und die ehemalige zaristische Bürokratie beteiligt waren. Dies hat die Bewegung in den Augen des Bauerntums kompromittiert. Je früher die Gegenrevolution infolge ihrer Siege ihren reaktionären Charakter erkennen ließ, um so feindlicher stellte sich zu ihr das Bauerntum und das bestimmte ihr Schicksal. Die Niederlage führte zur Demoralisierung der provisorischen Armee. Ihre Führer warfen sich ausschließlich auf die Demagogie. Der Antisemitismus war von Anfang an ein Kampfmittel der russischen Reaktion, die durch ihn nochmals emporflammte. Ueber ganz Südrußland verbreitete sich der bekannte Ruf: „Schlagt die Juden tot, rettet Rußland". Die demoralisierte Freiwilligenarmee wiederholte die furchtbaren Taten von Petleuras Abteilung. So trafen die Juden Katastrophen, an die man gar nicht mehr glauben wollte. Im 20. Jahrhundert wiederholten sich die Unmenschlichkeiten aus den Tagen Schmelnicki. Von zwei Uebeln wählt man das kleinere. Jene jüdischen Massen, die die Bolschewisten bei ihrem ersten Eindringen mit Verwünschungen aufnahmen, kamen ihnen jetzt mit Begrüßungen entgegen, weil die Bolschewisten zwar vom wirtschaftlichen Standpunkt aus die jüdische Bevölkerung schwer schädigien, aber keine Pogrome gegen sie veranstalteten. Auch unter der Herrschaft des Bolschewismus war die Bevölkerung rechtlos, aber in gleichem Maße, ohne Unterschied der Konfession. Die jüdische revolutionäre Jugend gab ihre unentschlossene Haltung auf und trat in den Dienst der Bolschewisten. Der Schutz aber, den die Bolschewisten in den blutigen Jahren 1919 und 1920 gewährten, war zweifelhaften Charakters. Für die Kommunisten war die jüdische Bevölkerung Kleinbourgeoisie. Sie hat sie nicht beraubt, aber auch nicht zu den ihrigen gezählt. Wenn die jüdische Bevölkerung den Versuch machte, ihr Leben, ihre Ehre, ihr Hab und Gut zu schützen, so traf sie auf das Mißtrauen der kommunistischen Macht zur Kleinbourgeoisie. Dieses Mißtrauen wurde besonders angefacht durch die jüdischen Kommunisten. Der Klassenkampf des nicht zahlreichen jüdischen Proletariats gegen die große Zahl der jüdischen Kleinbourgeoisie war ja die besondere Aufgabe der jüdischen Kommunisten. Und mit der eigenartigen jüdischen Dialektik führten die jüdischen Kommunisten das Prinzip des Klassenkampfes bis zum letzten durch. Sie versagten nicht nur der jüdischen Bevölkerung Waffen zum Kampfe gegen die Räuber, sie haben sie sogar entwaffnet. Die Bolschewisten haben zwar Progrome nicht veranstaltet, sie haben aber, vorzüglich die jüdischen Kommunisten, die jüdische Bevölkerung schutzlos den Progrombanden überlassen. Zur selben Zeit haben zahlreiche Beispiele gezeigt, daß dort, wo die jüdische Bevölkerung die Möglichkeit hatte, sich zu bewaffnen, das Progromgesindel in Ehren zurückgeschlagen wurde. Die Gegenrevolution erlitt an allen Fronten eine Niederlage. Die Verbrechen, die von ihr gegen die Juden begangen wurden, waren nicht der letzte Grund für ihren Zusammenbruch. Die jüdische Bevölkerung der

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