Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- 48 - Andererseits aber hat der Kommunismus der jüdischen Jugend der „Halbintelligenz" und den Arbeitern weite Perspektiven eröffnet. Die Entwicklung der kommunistischen Wirtschaft erforderte eine große Zahl von Angestellten, um die Verbrauchssteuern einzunehmen, die beschlagnahmten Lager zu registrieren, die beschlagnahmten Waren zu verteilen, die Arbeiter in Berufsvereine zu organisieren, damit sie die Produktion in die Hand nehmen usw. Die kommunistische Macht hatte kein Vertrauen zu den früheren Beamten und all jenen, die den höheren Klassen angehörten. Mit der russischen Intelligenz befand sie sich in einem gefährlichen Konflikt. Die jüdische Halbintelligenz und Arbeiterjugend mit ihrem natürlichen Verstand und ihrer Fähigkeit, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen, war ein großes Reservoir, aus dem die kommunistische Macht Angestellte für sich entnehmen konnte. Die jüdische Jugend war der kommunistischen Macht außerordentlich erwünscht, auch aus dem Grunde, weil sie weder für das alte Regime, noch für die ehemaligen höheren Klassen, noch auch für die erwachende Gegenrevolution Sympathien haben konnte. Während also die russische Bevölkerung sich von den Städten ins Dorf rettete, begannen die jugendlichen Elemente der jüdischen Bevölkerung in großer Zahl die kommunistischen Kanzleien zu füllen. Jene Jugend, welche durch das verheißungsvolle Programm des Kommunismus verblendet worden oder die Stimme seines Gewissens beschwichtigte, konnte in die kommunistische Partei eintreten, was vielen eine, man kann sagen, glänzende Karriere eröffnete. Die jüdische Jugend gehörte früher den jüdisch-sozialistischen Parteien an, die auf dem rechten Flügel der sozialistischen Parteien standen. Jetzt ging ein gewisser Teil von ihr zum Kommunismus über. Die Juden nehmen eine angesehene Stelle in der kommunistischen Bürokratie des Ansiedlungsrayons ein, aber auch in Zentralrußland sind sie stark vertreten. Einzelne Juden gelangten zu hohen Stellungen. Obgleich jene, die an der Spitze des russischen Bolschewismus standen, sich vom Judentum losgesagt hatten, galten sie den russischen Massen doch als Juden. Deshalb bekam der Kommunismus, der alle Grundlagen des jüdischen Wohlstandes völlig zerstört hat, im Munde der dunklen Massen den Namen „Jüdische Herrschaft". In dieser Hinsicht erwarteten das russische Judentum noch schrecklichere Katastrophen. Zwar hat das großrussische Bauerntum mit der tiefeingewurzelten Tradition der Landverteilung, als es die Erlaubnis bekam, die Güter zu enteignen, zum größten Teil die Verteilung des Grunds und Bodens leichten Herzens gebilligt. Hingegen traf beim ukrainischen Bauerntum, wo die Eigentumsbegriffe viel stärker entwickelt waren, die kommunistische Politik auf einen energischeren Widerstand. Die besitzenden Elemente des Bauerntums begannen einen erbitterten Kampf CTPCyPtl H PH VC r\m tnnnicmnc V_ 11 JL XXX XXX L4. X i X Kj XXJ uo. T^i tnAlir Aia \* \~ XXX\~X£ 1 U1<L Bewegung durch die Niederlagen von sehen der Boischewisten desorganisiert wurde, um so mehr schloß sich die ukrainische Bewegung demagogischen Losungen an. Eine solche Losung war der Ruf: „Schlagt die Juden tot". Diese fand eine besonders günstige Aufnahme bei den Massen. Die Diktatur des Proletariats in der Ukraine war ja eine Diktatur der jüdischen Stadt über das ukrainische Dorf, die Vertreter der Macht waren zu oft Juden gewesen, stand doch an der Spitze der roten Armee ein Jude. Je mehr das ukrainische Militär sich in eine Räuberbande verwandelte, um so stärker wurde ihre Haupttätigkeit, der Kampf gegen die Juden. Das war nicht mehr eine Be-