Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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An - TU - einem Vulkan befand, daß sein Eigentum jede Sicherheitsgarantie verlor. Die jüdische Arbeit, die jüdische Industrie begann schnell infolge Mangels an Rohstoffen abzusterben, ferner infolge des Zusammenbruchs des Transportwesens und vor allen Dingen durch die Auflösung der Rechtsordnung. Andererseits aber waren einige jüdische Elemente recht zufrieden über die Möglichkeit Regierungsstellen zu erlangen, die ihnen früher verschlossen waren. Ihre Zahl wuchs mit der Verwirklichung des Sozialismus. Der überlegtere Teil der jüdischen Bevölkerung aber schätzte diese Eroberungen unter solchen Zeitumständen nicht allzu hoch ein. Charakteristisch dafür ist, daß bei den jüdischen Gemeindewahlen, die während der zeitweiligen Regierung auf demokratischer Grundlage durchgeführt waren, alle jüdisch-sozialistischen Parteien zusammen 20 %7 Stimmen bekamen, während damals bei der übrigen Bevölkerung die sozialistischen Parteien den höchsten Einfluß hatten. V. Die Zerstörung der Volkswirtschaft und im Zusammenhang damit der ganzen Gesellschaftsordnung ging während der zeitweiligen Regierung in sehr schnellem Tempo vor sich. Die Aufregung der Volksmassen wuchs von Tag zu Tag, und die Macht ging naturgemäß auf jene Partei über, welche die sofortige Liquidierung des Krieges versprochen und gleichzeitig den Instinkten und Leidenschaften des Volkes volle Freiheit gegeben hatte. - Als die kommunistische Partei zur Herrschaft kam, suchte sie durch Aufreizung allerVernichtungsinstinkte beiden Volksmassen die alte Volkswirtschaft bis auf den Grund zu zerstören, die bekanntlich auf der Grundlage von Privateigentum und privater Initiative aufgebaut war. Nachdem sie diese Aufgabe „glänzend" durchgeführt hatte, begann sie mit energischen Mitteln die kommunistische Wirtschaft aufzubauen. Die kommunistische Regierung hat die Banken, die Großindustrie, die Versicherungsgesellschaften nationalisiert. Sie hat alle großen Handelsunternehmungen, alle Warenlager mit Beschlag belegt. Nach und nach begann sie auch die kleineren industriellen Unternehmungen zu liquidieren, die schon ohnedem von ihr, infolge Notwendigkeit durch die Regierung Rohstoffe zu erhalten, abhängig waren. Im Jahre 1920 hat jede selbständige Arbeit und auch der geringste Markthandel in den Städten aufgehört. Schwieriger lagen die Aufgaben des Soziaiismus im Dorfe. Trotzdem hat die kommunistische Regierung auch diese Angelegenheitenergisch in die Hand genommen. Anstatt den Getreidehandel zu monopolisieren, ging sie unter der Ausrede einer planmäßigen Verteilung dazu über, ohne Bezahlung zu requirieren, und zwar nicht nur Getreide, sondern auch alle sonstigen landwirtschaftlichen Produkte. Der Verkauf wurde den Bauern verwehrt. Bewaffnete Abteilungen durchzogen das Land, weiche die Produkte bei den Bauern mit Gewalt einsammelten, während andererseits die Städte mit Wachtposten umgeben wurden, um die Einfuhr der Produkte ohne Wissen der Regierung zu unterbinden. Um auch in den Dörfern Anhaner zu finden,? entzündete die kommunistische Partei auch dort den Bürgerkrieg und bildete aus den besitzlosen Elementen Kommitees, denen die Macht in den Dörfern übergeben wurde. Die städtische und dörfliche Bevölkerung suchte mit allen Kräften direkte Beziehungen zwischen Stadt und Dorf zu unterhalten. Ein bedeutender Teil, besonders der städtischen Bevölkerung, wurde in sog. Dorfgänger verwandelt: Das sind Personen aus verschiedenartigen Berufen, die mit einem