Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 — die Zählungen einen recht bedeutenden Prozentsatz von ganz jungen Familien, die man im physiologischen Sinne als noch nicht abgeschlossen betrachten kann. Dies kann die statistischen Resultate ändern, da die Zahl der Mischehen selbst relativ immer größer wird. Ferner wird das Alter der Ehegatten nicht in Betracht gezogen und bekanntlich erfolgt die Eingehung der Mischehe in einem höheren Alter. Ferner ist die Dauer der Mischehe eine kürzere, nicht nur aus dem eben erwähnten Grunde, sondern auch, weil der Prozentsatz der Ehescheidungen an den Mischehen ein viel größerer ist. Im ganzen werden 12% der christlich-jüdischen Ehen in der Regel geschieden. Eine weitere Quelle von Irrtümern besteht darin, daß in der Rubrik der Mischehen nur die Ehen aufgenommen werden, bei welchen Mann und Frau im Augenblick der Feststellung verschiedenen Bekenntnissen angehören. Es werden aber nicht eingerechnet alle Fälle, in welchen der eine Teil schon vor der Ehe das Bekenntnis des anderen angenommen hat. Endlich enthält die Rubrik Mischehen auch nicht alle jenen Fälle, in welchen der eine Teil oder beide Dissidenten sind. Dr. Marcuse ist daher der Meinung, daß alle diese Irrtümer das Bild der Unfruchtbarkeit christlich-jüdischer Familien nicht klar zutage treten lassen. Die Tatsache aber, daß gemischte christlich-jüdische Ehen unfruchtbarer sind als reine Ehen, kann Dr. Marcuse auch nicht aus der Welt schaffen. Welches sind nun die Gründe hierfür? Gewöhnlich folgert man, daß die Verheiratung von Juden mit Christen zur Unfruchtbarkeit führt. Diese Meinung hält unser Autor für durchaus falsch. Er glaubt, daß die biologische Einheit des ganzen menschlichen Geschlechtes bereits genügend wissenschaftlich erwiesen und begründet ist. Alle Menschen haben eine Bluts-, besser gesagt Eiweißverwandtschaft. In der Frucht- <k_> KJ* barkeitsfrage kann man deshalb keineswegs mit dem Moment einer spezifischen unnatürlichen Paarung rechnen. Da wirken ganz andere Ursachen mit von psychologischem » */ V und sozialem Charakter. Es ist aber eine bekannte Tatsache, daß, je religiöser ein Mensch ist, um so natürlicher sein Geschlechtsleben ist, um so weniger er benützt allerlei Verhütungsmittel. Und in der Tat, nach einer Statistik in den Jahren 1906—1909 betrug die durchschnittliche Zahl der Kinder: in rein jüdischen Familien...... 2,5 in christlich-jüdischen Familien . . . 1,5 in rein katholischen Familien . . , . 5,2 in katholisch-evangelischen Familien 2,5 Das Verhältnis der Fruchtbarkeit zwischen „reinen" und „gemischten" Familien war in beiden Gruppen fast dasselbe, nämlich wie 2:1. Hierbei ist daran zu erinnern, daß man die katholisch-evangelischen Familien nur in konfessionellem, nicht aber in anthropologischem Sinne als gemischt ansehen kann. Und trotzdem zeigen sie die gleiche verringerte Fruchtbarkeit wie die christlichjüdischen Familien. Außer dem eben betonten allgemein religiösen Moment, das bei Mischehen überhaupt und bei christlich-jüdischen Mischehen im besonderen sich auswirkt, gibt es nach Marcuse noch besondere Gründe, die eine verringerte Fruchtbarkeit speziell bei christlichjüdischen Ehen bewirken, und zwar sind dies folgende: 1. Die christlich-jüdischen Mischehen sind fast ausschließlich eine städtische, vor allem eine großstädtische Erscheinung, und es ist bekannt, daß die Geburtenhäufigkeit in Städten nahezu um 1/i kleiner ist als auf dem Dorf. 2. Die christlich-jüdischen Ehen werden in einem höheren Alter ge-