Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 - hunderte orientiert nachstehende Tabelle, die wir der Arbeit von Ernst Kahn entnommen haben: Auf 1000 Ein wohner entfallen bei der Gesamtbevölkerung 1901 1906 1910 Lebendgeb. 28,9 28,7 Sterbet." 15,6 14,8 Ueberschuß 13,3 13,9 23,5 134 10,4 bei den Juden 1901 1906 1910 18,9 12,7 6,2 17,4 11,6 5,8 1 A O 1*±,Z< 13,8 0,4 Die Tabelle läßt ersehen, daß der Geburtenüberschuß viel geringer war wie bei der Gesamtbevölkerung, daß er 1901/1906 unter der Hälfte betrug, daß er aber im Jahre 1910 katastrophal heruntersank, so daß sich Geburten und Sterbefälle nahezu die Wage hielten, dabei hat Kahn bei den Geburten einen Teil der aus Mischehen stammenden Kinder mit reinbezögen, die von israelitischen Müttern geboren waren, sonst wäre der Geburtenüberschuß noch geringer gewesen und die Bilanz bereits im Jahre 1910 negativ geworden. Der Abstieg der Kurve erklärt sich natürlich dadurch, daß bei den Juden die Geburtenziffer immer niedriger wird, die Sterblichkeitsziffer jedoch schon so niedrig war, daß sie nicht wesentlich weiter sinken konnte, während bei der christlichen Bevölkerung eine relativ immer noch ansehnliche Geburtenziffer der sinkenden Sterblichkeitsziffer gegenüberstand. Wie sich die Bevölkerunsrs- O <0 <_3 bilanz im Jahrzehnt 1911—20 entwickelt, zeigt die Gegenüberstellung der absoluten Ziffern von Geburten und Sterbefällen, wobei wir jedoch die aus Mischehen stammenden Kinder außer Betracht lassen, einmal, weil ganz unbekannt ist, wieviel von diesen dem Judentum zugeführt werden und weil andererseits von den jüdischen Geburten, namentlich auch von den unehelichen Kindern, jüdische Mütter eine Anzahl sofort dem Christentum zuführen, die dadurch dem Judentum verloren gehen, so daß auf diese Weise ein gewisser Ausgleich gegenüber den aus Mischehen stammenden Kindern gegeben ist. üs betrug die Sterblich¬ Geburten- Geburtenziffer keit {i K ßi-er*In 111Q UUV^lOUl ULIJ 1911 331 334 — 3 1912 365 346 4- 19 1913 337 321 + 16 1914 390 369 + 21 <i r\ -t r* iyiö 291 352 - 61 1916 223 353 — 130 1917 188 416 — 228 1918 1 Ol La i 442 — 251 1919 294 439 — 245 Nach dieser Zusammenstellung ist bereits 1911 ein Ueberschuß der Sterbefälle über die Geburten zu verzeichnen, in den folgenden Jahren 1912—14 ist aber ein ganz geringer Geburtenüberschuß festzustellen. Dann beginnt die negative Phase des Krieges, die auch bei der Gesamtbevölkerunsr zu verzeichnen ist, die aber bei den Juden viel stärker zum Ausdruck kommt. Sie beginnt nämlich viel früher, bereits 1915, während bei der Gesamtbevölkerung die Bilanz erst 1917 negativ wird. Sie ist ferner stärker ausgeprägt und dauert endlich über das erste Nachkriegsjahr hinaus, während bei der Gesamtbevölkerung nur 1917 und 1918 ein Sterblichkeitsüberschuß zu verzeichnen ist. Auch wenn wir von den abnor . . . r\ *-i \ / r\ +• mcii v cihältnissen des Krieges absehen, die die Geburtenabnahme bewirkten, kann der Geburtenüberschuß in keiner Weise mehr für die Zunahme der Frankfurter jüdischen Bevölkerung in Betracht kommen, wie dies früher der Fall war; kamen doch nach