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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- 4 - Für Sibirien gibt das amerikanische Jahrbuch 100 000 Juden an, während nach der russischen Zählung von 1920 dort nur 44725 gelebt haben. Ganz -verschieden sind auch die Ziffern für Turkestan, Georgien, Kirgisien, Armenien, die im amerikanischen Jahrbuch und in der russischen Zählung aufgeführt werden. Wir haben uns selbstverständlich an die Zählung gehalten. Im Ganzen leben etwa 15 000 000 Juden auf der Welt, und zwar in Europa ca. 10 000 000, in Asien ca. 600 000, in Afrika ca. 500 000, in Amerika ca. 3 800000 und in Australien über 20 000. Das American Year Book berechnet die Zahl auf 15V2 Mill. i Der Unterschied zwischen unserer Aufstellung und der eben erwähnten beruht im wesentlichen darauf, daß das amerikanische Jahrbuch für Rußland und einige asiatische Länder viel höhere Ziffern annimmt, ohne daß allerdings hierfür ein zureichendei Grund vorliegt. Die sozial-ökonomische Lage der Juden in Rußland von 1905 Ms jetzt. Von Professor B I. Die russische Revolution von 1905 ist rein äußerlich betrachtet erfolglos geblieben. Die Macht verblieb bei den früheren Gewalthabern. Trotzdem war die russische Regierung gezwungen, sehr wichtige Reformen durchzuführen, teils um die Forderungen der Revolution zu befriedigen, teils um eine neue Revolution zu verhüten. Auf einem Gebiete aber hatte die Regierung das Bestreben, alles unverändert zu lassen, sofern es sich nämlich um einschränkende gesetzliche Maßnahmen gegen die Juden handelte. Es zeigte sich sogar, daß, je mehr die Furcht der Regierung vor der Revolution sank, um so strenger und intensiver die Beschränkungen wurden. Man ist nun stets geneigt, die ökonomische Lage der Juden in Rußland als völlig abhängig von den gesetzlichen Beschränkungen anzusehen. Im allgemeinen trifft es wohl zu, daß die einengenden Bestimmungen zu den wichtigsten Faktoren gehören, die die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland stark beeinflußten. Nur durch das System der Be- Brutzkus, Berlin. schränkungen läßt sich die Tatsache erklären, daß in einem so großen Lande, mit so viel natürlichen Reichtümern, die Juden auf einer so niedrigen wirtschaftlichen Stufe geblieben sind. Es hat die Gesetzgebung künstlich die Konzentration der jüdischen Bevölkerung in den kleinen Städtchen des ehemaligen Polens aufgehalten, sowie ihre Beschäftigung hauptsächlich im Kleinhandel und Handwerk. Die Beschränkungen riefen aber Widerstand hervor und ihre Wirkung wurde durch verschiedene äußere und innere Gründe, durch die allgemeinen Bedingungen der ökonomischen Entwicklung in Rußland und durch das Wachstum der kulturellen Kräfte bei der jüdischen Bevölkerung abgeschwächt. "Wir sehen daher, daß trotz der ganzen Strenge der behördlichen einschränkenden Maßnahmen die schnelle ökonomische Entwicklung der Juden nicht aufo gehalten werden konnte, die von Beginn des jetzigen Jahrhunderts an immer mehr die kleinen Städtchen des Ansiedlungs- Rayons, welche sich im wirtschaftlichen I Niedergang befinden, verließen und zu neuen

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