Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 3 — Im einzelnen ist zu der Tabelle folgendes zu sagen: In Polen hat im Jahre 1921 eine Zählung stattgefunden, deren Ergebnisse für die einzelnen Konfessionen noch nicht vollständig vorliegen. Für den größten Teil der Woiwodschaften sind allerdings die amtlichen Ziffern bereits veröffentlicht und die Gesamtzahl der Juden dürfte kaum mehr als 3400000 sein. Das American Year Book gibt 3500000 an, was wohl zu hoch gegriffen scheint. Für das europäische Rußland existieren die Angaben der Zählung von 1920. Ob allerdings die unter der Sowjetherrschaft stattgehabte Volkszählung zuverlässig ist, muß dahingestellt bleiben. Es ist in der Publikation unterschieden zwischen Ukraine, dem europäischen Räterußland, Weißrußland und einer ganzen Reihe von Republiken und autonomen Provinzen. Im europäischen Rußland und Polen zählte man im Jahre 1897 5 110 000 Juden, im Jahre 1921 sind nach den vorliegenden Berichten etwa 6 000 000 ermittelt worden. Ohne genaue Kenntnis der Abwanderung, der Kriegsverluste und der natürlichen Zunahme während der Zeitstrecke zwischen den beiden Zählungen läßt sich ein abschließendes Urteil über die Richtigkeit der letztgenannten Zahl nicht fällen. Das American Year Book gibt für die Ukraine 2200000 Juden an, also~500 000 mehr als die Zählung. Uns erscheint diese ■"7S rr ' % -s i * r c Ii i / i TTnr XTtCti rjtt; -> r\ f~ 1t rr.'-1. r-c i- -: r?n or^irxOT iintAr Z^iii^i V ÄLi Z/U iiUCii gCgii±Xv,lij OtiUOi Uli der Annahme, daß die Zählung in der Ukraine der Vollständigkeit entbehrt. Die Zahl der Juden in Deutschland ist auf folgende Weise errechnet. Im Jahre 1910 wurden in Deutschland 615021 Juden gezählt. Unter der Annahme, daß der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung von 1910 ab weiterhin in gleicher Stärke, wie von 1905—1910 vor sich ging, hätten in Deutschland im Jahre 1922 ca. 632 000 Juden leben müssen. Es ist aber Tatsache, daß während der 4 Kriegsjahre die natürliche Zunahme völlig aufgehört hatte und auch die Einwanderung nicht bedeutend war. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes kommt man auf eine Ziffer von 626 000 Juden. Davon sind 12000 Kriegsopfer abzuziehen sowie 74 000 Juden in abgetretenen Gebieten. Es verbleibt also eine Ziffer von 540 000. Dazu kommen aber mindestens 75 % Rückwanderer aus Posen, Ost- und Westpreußen und 2/3 Oberschlesier, d. s. etwa 28 000. Wir hatten dann also ca. 570 000 Juden. Mindestens 50 000 sind von den nach der Kriegszeit eingewanderten Ostjuden noch . in Deutschland vorhanden, so daß wir also etwa 620 000 Juden annehmen können. Die Zahl der Juden in der Tschechoslowakei wird vom American Year Book mit 361 990 angegeben, während die amtliche Statistik, die uns vorliegt, nur 353 676 angibt. Die Zunahme der Juden in Fra kreich ist teils auf den Zuwachs durch Elsaß-Lothringen, teils auf eine nicht unbeträchtliche Einwanderung von Ostjuden zurückzuführen. Für Litauen gibt das amerikanische Jahrbuch 240 000 Juden an, während nach der amtlichen Zählung nur 153 000 ermittelt wurden. Für Griechenland gibt das erwähnte Werk 88 300 Juden an, während für Saloniki allein vor dem Kriege die Judenschaft auf 90 000 I > r\ r\ r-- i-, ,~v 4 s^äffirH üLi^v.iaiLl WUlUL In Italien hat 1921 zum ersten Mal keine Ermittlung nach dem Religionsbekenntnis stattgefunden. Ein guter Kenner der italienischen Verhältnisse gibt uns die Zahl der Juden mit 45 000 an. Aus welchem Grunde das American Year Book 57 000 berechnet, ist uns unklar. Unter den asiatischen Ländern fehlt im amerikanischen Jahrbuch und auch an anderen Stellen, die uns bekanntgeworden sind, die Republik des fernen Ostens,