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Volk und Land · 1919-12-17 · Heft 51-52 (17.12.1919) · p. Seite 1617-1618

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 51-52 (17.12.1919)
Date
1919-12-17
Page
Seite 1617-1618 (sequence 14)
Language
German
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1617 VOLK und LAND 1618 gezogen zu werden. Andererseits wiire zu erwägen, daß die Umgruppierung der Juden zur Landwirtschaft an sich schon so viel Schwierigkeiten bieten wird, daß man sich ernstlich bemühen mulL alle aus dem Wege zu räumenden Hemmnisse möglichst zu entfernen, die dazu dienen könnten, weitere Kreise von dieser Umgruppierung abzuschrecken; und zweifellos gehören zu dieser Gruppe die Pflanzenkrankheiten. Dann ist als selbstverständlich zu erwarten, daß durch die Intensivierung der Kulturen, durch Einführen neuer Schädlinge und be-! sonders durch die gewaltige Störung des Gleich- I gewichts der dortigen Tierwelt die Insektenkalamitäten wie die anderen Pflanzenkrankheiten an Bej deutung ganz gewaltig steigen werden. Das kann; natürlich auch durch eine gut organisierte Bc-! kämpfuug nicht ganz verhindert werden, zumal wir j in vielen Fällen noch vor einer solchen Fülle ewigej löster Probleme stehen, daß wir an eine rationelle I Bekämpfung kaum denken können. Aber es wird auch niemand die Medizin deshalb für überflüssig halten, weil sie etwa noch kein sicheres Heilmittel I gegen die Tuberkulose gefunden habe. Wie in; der Medizin handelt es sich hauptsächlich um epij demiologische Probleme von großer Kompliziertheit j und der Entomologe befindet sich insofern sehr j im Nachteil, als die Zahl seiner Mitarbeiter wesenti lieft geringer und seine Wissenschaft wesentlich ' jünger und deshalb weniger gut fundiert ist. Um welche Summen es sich wirtschaftlich dabei handelt, geht daraus hervor, daß Escherich (1918) die Summe allein der Ernteschädigungen infolge mangelhaften Insektenbekämpfung aut 350 bis 400 Millionen Mark jäh -lieh in einem Lande mit so hoch entwickelter Landwirtschaft wie Deutschland schätzt. Allmählich bricht sich aber auch überall die Erkenntnis Rahn, daß das für die Zwecke der angewandten Entomologie ausgelegte Geld sich noch immer um ein Vielfaches, meist um viele hundert Prozent verzinst gemacht hat. Ein Sparen in dieser Hinsicht unter dem notwendigen Minimum wäre deshalb sehr schlecht angebracht. Infolge der Erfahrungen anderer Länder wäre es empfehlenswert, den Auskunfts- und Lehrbetrieb von dem Forschungsbetrieb völlig zu trennen, da letzterer sonst völlig zu kurz kommt. Ich denke mir die Organisation des Pflanzenschutzes etwa so, daß man beim Auskunfts- und Lehrbetrieb tierische und pflanzliche Schädigungen gemeinsam organisiert. Als Zentralstelle käme eine Pflanzenschutzstelle mit einer zoologischen und botanischen Abteilung in Betracht, von denen die erstere außer den Insekten vor allem auch noch die Mäusefrage zu studieren hätte. Hierhin müssen regelmäßige Berichte aus allen Teilen des Landes * ein laufen, die hier gesichtet unc zusammengestellt werden. Hier erfolgt die Auskunfterteilung über jeden tierischen und pflanzlichen Schädling und hier wird endlich eine große Schau Sammlung über diese errichtet. Das Land wird dann linj eine kleinere Anzahl (etwa 4 bis 6) Bezirke eingeteilt, in deren jedem sich ein Pflanzenschutzdirektor befindet, der dauernd seinen Kreis bereist und dort durch Vorträge, sowie besonders Probedemonstrationen belehrend wirkt, ln jedem dieser Bezirke werden unter den Lehrern und erfahrenen Landwirten ehrenamtlich oder gegen geringe Besoldung Vertrauensmänner ernannt, die die oben erwähnten regelmäßigen Berichte verfassen, ihre Erfahrungen mitteilen, sowie von neu auftretenden Schädlingen, sofort den Inspektor benachrichtigen. Die Inspektoren sollen erfahrene Landwirte sein, die natürlich! tierischen und pflanzlichen Pflanzenschutz zugleich übernehmen müßten. Sehr zweckmäßig wäre es, Glie Lehrtätigkeit, an der doch sicher demnächst errichteten landwirtschaftlichen Hochschule mit der Pflanzenschutzstelle zu verbinden, da so einerseits die Doppel kosten gespart werden, andererseits die . Schüler hier das reichhaltigste Material wie den bestorganisierten Nachrichtendienst vor Augen haben werden. Es wird sich vor allem um die regelmäßige Lehrtätigkeit für die Studenten, um Wiederholungskurse für landwirtschaftliche Lehrer und um Ferienkurse für die Lehrer aller anderen Schulen handeln. Die Belehrung der Landbevölkerung bleibt im allgemeinen am besten den Pflan/enschutzinspektoren und eventuell zu errichtenden landwirtschaftlichen Winterschulen überlassen. Mit dieser Zentralstelle wird auch sehr zweckmäßig die Zentrale des Heasehreckcn-NachricMcndienstes wie des Heuschreckenabwehrkampfes verbunden, die in einem oder mehreren der oben erwähnten Kommandos besteht, die aus mehreren zuverlässigen Landwirten unter Aufsicht der Inspektoren je nach Bedarf gebildet. werden, eventuell am besten als militärische Kommandos. Endlich befindet sich hier die amtliche Zentralstelle zur Behandlung der Bienen- und Seidenraupenkrankheiten. Bei diesem reichhaltigen Arbeitsprogramm bleibt wohl nur geringe Zeit für die eigentliche Forschertätigkeit, die deshalb anderen Stellen zufallen maß, wenn die wichtigen Probleme überhaupt gelöst werden sollen. Da fruchtbringend nur ein Problem oder die "Probleme gleichartiger Kulturen gleichzeitig bearbeitet werden können, erscheint eine Arbeitsteilung hier unumgänglich notwendig, indem etwa je eine Station für Obst- und Weinbau, für Getreide- und Gemüseschädlinge, für medizinische und evtl, mit ihr verbunden eine für veterinärmedizinische Entemologie. Als Ergänzung tritt zu jeder Station eine sogen. ,,field Station“, die sich in die Gebiete der wichtigsten Kalamitäten begibt und diese an Ort und Stelle untersucht. Bei weiterem Ausbau des Forstwesens muß auch eine 'eigene forstzoologische Stelle eingerichtet werden. Falls sich aas wirtschaftlichen Gründen weitere Spezialinstitute zur Erforschung der Bienen- oder Seidenraupenkrankheiten, der Speicherschädlinge, der Dasselfliege oder andrer Viehschädlinge usw. als wünschenswert ergeben, sollen diese von den wirtschaftlich interessierten Kreisen finanziert werden, die man übrigens auch zur Finanzierung der anderen Institute' im weitesten Maße heranziehen soll. Diese reinen Forschungsinstitute kosten übrigens lächerlich wenig Geld zu ihrer Unterhaltung, sobald sie einmal eingerichtet sind. Die skizzierte Organisation ist in dieser Form natürlich eine Utopie, doch können wir dem Scharfblick der zionistischen Leitung vollauf darin vertrauen, daß sie die Tragweite dieser Probleme erkennt und gebührend beim Aufbau Palästinas berücksichtigt. Wichtigste Literatur zur ersten Einführung: Escherich, Die angevv. Entemologie in den Ver. Staaten, 1906: Parey. Wilhelmi, Die angewandte Zoologie, 1919: Springer. Reh, Die tierischen Feinde im So rauer Handbuch der Pflanzenkrankheiten, Bd. 111, 1912: Parey. Escherich, Die Forstinsekten Mitteleuropas, Bd. I, 1912: Parey. Ruppim, Syrien als Wirtschaftsgebiet, 1917: Verl. des Kolonialvvirtschaftlichen Komitees. Zeitschrift für angevv. Entomologie, Bd. 1—6, Parey. Verhandlungen der Deutschen Ges. für angevv. Entomologie, 1913. Flugschriften der Deutschen Gesellschaft für angewandte Entomologie 1913. Zander, Handbuch der Bienenkunde: Ulmer. Bücher, Die Heuschreckenplage in Anatolien und Syrien, 1919: Parey.

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