Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-12-17 · Heft 51-52 (17.12.1919) · p. Seite 1615-1616

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 51-52 (17.12.1919)
Date
1919-12-17
Page
Seite 1615-1616 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649313--1001-2650369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1615 1616 VOLK UND LAND Gewässern gesprochen und es ist klar, daß bei der gesamten technischen und landwirtschaftlichen Wasserbautechnik auf die Vermeidung von Brutgelegenheiten für die Stechmücken sehr geachtet wird. So ist vior allem bei der Bewässerumgsdrainage darauf zu achten, daß sich auch in den kleineren Kanälen das Wasser nie staueri darf, da man sonst geradezu Brutstätten künstlich züchten würde. Die loben erwähnten Simuliiden leben als Larven nur in reißenden Gewässern mit einem bestimmten Sauerstoffgehalt. Wenn man nun durch kleinere Staubecken, die zugleich als Fischteiche verwandt werden können, diese Wasserläufe in ihrer Geschwindigkeit etwas hemmt, so entzieht man den Larven dadurch die notwendigen Existenzbedingungen. Im gemäßigten Klima erlangen diese kleinen Stauungen dadurch eine besondere Bedeutung, daß in ihnen durch die Erwärmung der aufstrahlenden Sonne der Sauerstoffgehalt des Gewässers stark herabgesetzt wird, die Larven also auch so schädigt. Im Süden scheinen sie gegen Sauerstoffverminderung allerdings weniger empfindlich zuf sein. Für die Technik ferner äußerst wichtig sind die Speicherinsekten. Jahraus, jahrein werden Millionemverte vernichtet durch die Tätigkeit dieser Schädlinge in allen Lagerhäusern, Speichern, Magazinen u. a. Sie vergreifen sich an Lebensmitteln) wie an Stoffen, Leder, Holz, kurz, allem, was irgendwie der Verdauung von Insekten überhaupt zugänglich ist. In dieser Hinsicht hat man mit der Blausäureräucherung die besten Erfahrungen gemacht. Von besonderer Bedeutung ist noch die Mehlmotte, Ephestia Kuchniella, die nicht nur große Mehlbestände durch Verkleistern und beschmutzen: unbrauchbar macht, sondern auf die Dauer auch den Betrieb der in der Mühle befindlichen Maschinen durch Verkleisterung so lahmlegt, daß die Mühle jährlich 1—4 mal für mehrere Tage außer Betrieb gesetzt werden muß, um die Maschinen gründlich zu reinigen. Auch hier leistet das Blausäureverfahren die besten Dienste. 5. Die Nutzinsekten Palästinas. Eine wirtschaftlich sehr große Rolle sind auch die Nutzinsekten zu spielen berufen, vor allem die Bienen- und die Seidenraupenzucht. Palästina ist von alters her durch seinen Honig berühmt und ist heule noch der Teil Syriens, der sich am meisten für die Bienenzucht eignet. In Palästina kommen drei Bienenrassen vor, die ägyptische Biene im Süden, die syrische und die äußerst stechlustige cyprische Biene im übrigen Teil des Landes. Die Eingeborenen betrieben ihre Zucht in einer äußerst primitiven Art und Weise, indem sie Tonkrüge aufstellen, die sie jährlich einmal mitsamt den Waben entfernen. Die Bienen würden diese Prozedur aber nicht lange aushalten, wenn die Eingeborenen nicht mehrere Schwärme in einem lonkrug ansiedelten. Der so gewonnene Honig beträgt etwa 3, kg. Ganz andere Erträge zeitigen die nach modernen Verfahren geleiteten Betriebe in den deutschen und jüdischen Kolonien. Außer der sorgsamen Pflege, den besseren Behausungen, lassen die Imker hier ihre Stöcke wandern: im März bis April stellen sie diese in die Orangenblüte und versetzen diese später mehrmals je nach' der Gegend in Kaktusfeigen-, Jambut-, Sesam- und Eukalyptusblüte. So erhalten sie eine zwei- bis dreifache Tracht, die etwa 15 kg reinen Honig liefern-, dessen Qualität allerdings je nach der Blüte variiert. Am besten ist der Orangenhonig. Es fehlen aber noch' die primitivsten bienenhygienischen Einrichtungen. Denn auch die Bienenstöcke sind reichlich von Parasiten und Krankheiten geplagt. An ersteren wären zu nennen Tinea cerelia und 1. monella, die Wachsmotten, die Käfer, Meine variegatus (Oelkäfer), und Trichodes apiarius (Bienenkäfer), Braula cocca, die Bienenlaus, die Buckelfliege, Phora incrassata, u. a., an letzteren j vor allem als Brutkrankheiten die bakteriose Brut- | pest, Faulbrut, Sackbrut, die Mykosen-Kalkbrut und | Steinbrut, als Krankheiten der Imagin.es, vor allem1 die Nosemaseuche und die Ruhrerkrankungen. Diese Krankheiten werden natürlich mit steigender Bedeutung der Bienenzucht immer wichtiger werden. Ueber die Entwicklung der Seidenraupenzucht gibt uns Ruppin (1917) ein anschauliches Bild. Bis 1850 beruhte die Zucht auf heimischen Eiern, seit diesem Jahr bezog man Eier aus Frankreich, Griechenland, Italien, Aegypten und Japan. 1865 wurde die ganze Seidenraupenindustrie durch die Perebrineseuche, einer Protozoenkrankheit, stark bedroht, bis Pasteur 1874 den Erreger entdeckte und damit gleichzeitig die geeignetste Bekämpfungsmethode, indem man nur die Eier jedes Schmetterlings gesondert in Düten aufhebt und vor Beginn der Zucht aut diesen Krank- ~ heitserreger untersucht. Wo dies Verfahren angewandt wird, bildet die Seuche heute keine Gefahr . mehr. Nach Ruppin liefert Frankreich heute den i größten Teil der Eier, so 1911 von 175 000 Unzen pJngefübrten Eiern 150 000, der Rest kam aus Brussa und Italien, während 65 000 Unzen in Syrien selbst produziert wurden. Zur Zucht der Seidenraupe dient der weiße Maulbeerbaum (Morus alba). Die Versuche, die neuerdings mit der Aufzucht afrikanischer und indischer Seidenspinner angestellt werden, verdienen unsere größte Aufmerksamkeit. Die Cochenillelaus, Coocfus ilicis, die an der syrischen Steineiche lebt, lieferte früher, -seit den biblischen Zeiten, das Karmosinrot, das erst später durch die Purpurfärberei in Tyrus zurückgedrängt und erst neuerdings durch die Anilinfarben ganz verdrängt wurde. Als Nutzinsekten wären noch die Feigenwespen Blastophaga psenes, zu erwähnen. In vielen kultivierten Feigensorten stehen in den Blutenständen nämlich nur weibliche Blüten. In deren Nähe muß man dann wilde Feigen anpflanzen, die noch männliche Blütensorten aufweisen. Bei einem Wirtswechsel zwischen beiden übernimmt dann die Blastophaga gleichzeitig die Befruchtung der kultivierten Art. So blieben auch die in Kalifornien eingefübrten Mittelmeerfeigen lange steril, bis man den Grund dieser Sterilität erkannte und die Feigenwespe. importierte. Von da ab gedieh die Feigenkultur dort prächtig. Ferner spielen die Insekten als Gesundheitspolizei eine große Rolle, indem die Aasfresser unten ihnen, besonders Fliegenmaden und Käfer, jeden Leichnam mit rapider Schnelligkeit vertilgen. LInnes drastisches Wort, daß drei Fliegen einen Leichnam ebenso rasch verzehren wie ein Löwe, besteht völlig zu> Techt. Beträgt doch die Wachstumszunahme einer Schmeißfliege, Lucilia Caesar, in 72 Stunden 50000 bis 100 000 Prozent! So erwerben sich diese lästigen und gefährlichen Schmarotzer noch ein gewisses öffentliches Verdienst. 6. Die Organisation der angewandten Entomologie in Palästina. Zum Schlüsse wäie noch die Frage nach der i Organisation der angewandten Entomologie in Palästina zu erörtern. Selbstverständlich können in I einem so kleinen Land nicht die grandiosen, Dimensionen der amerikanischen, noch nicht einmal die I der italienischen Vorbilder ernstlich in Vergleich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.